Thüringen: Etliche Tote auf den Straßen – ein Mann hat jetzt unglaubliche Pläne

Philipp Bursian neben einem Straßenkreuz in Thüringen: Warum musste ein Mensch sterben?
Philipp Bursian neben einem Straßenkreuz in Thüringen: Warum musste ein Mensch sterben?
Foto: Privat

Thüringen. Jeder kennt sie. Jeder hat schon mal eins gesehen. Sie stehen an Bundesstraßen, Landstraßen, Autobahnen, in Straßengräben, vor Kurven oder Bäumen. Straßenkreuze oder Unfallkreuze werden an den Stellen aufgestellt, an denen Menschen im Straßenverkehr zu Tode gekommen sind.

Auch in Thüringen kann man unzählige dieser Mahnmale an den Straßen finden. Rund 100 Menschen starben im vergangenen Jahr auf Thüringens Straßen. Einige Straßenkreuze stehen teilweise schon Jahrzehnte lang an den Unfallstellen – es sind unzählige. Ein Mann aus Thüringen will mehr über die Straßenkreuze herausfinden. Mehr noch: Er will die Geschichte des Menschen, der dahinter steht, greifbar machen.

Thüringen: Mann sucht Straßenkreuze – und die Geschichte dahinter

Philipp Bursian aus Weimar in Thüringen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Straßenkreuzen und dem Thema Trauerkultur. Seit seiner Kindheit. Er sagt: „Mich hat schon früh die Neugier gepackt. Ich habe die Kreuze gesehen und wollte wissen: Was ist da passiert?“ Vor allem aber wollte er wissen: Wie war der Mensch, an den das Straßenkreuz erinnert?

Er schreibt: Oftmals sehe ich sie. Dann steige ich aus gedenke der Opfer und halte für unbestimmte Zeit in Gedanken an die meist jungen Unfallopfer inne. Ob der Verunglückte Unfallverursacher oder Opfer war. Darüber geben die Kreuze meist keine Auskunft. Der Tod macht keinen Unterschied zwischen dem Lenkenden und dem passiven Begleiter.

Ein Fall aus dem Südharz beschäftigte Bursian lange Zeit. An einer Straße in einem kleinen Ort namens Königerode stehen fünf Kreuze. „Ich habe später herausgefunden, dass an dieser Stelle fünf junge Menschen tödlich verunglückt sind“. Sie waren im Winter mit dem Auto von der Straße abgekommen und gegen eine Mauer geprallt. „Das Problem war, dass lange Zeit niemand an der Unfallstelle vorbeikam“, berichtet Bursian. „Sie wurden erst drei Stunden später gefunden. Da war es schon zu spät.“

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Die Geschichte hinter dem Kreuz

Die ganze Geschichte herauszufinden, das ist nicht immer einfach. Oft steht auf den Kreuzen nur ein Name, keine weiteren Hinweise. Bursian sucht deshalb auch in Sozialen Netzwerken wie Facebook nach Angehörigen, Freunden, Bekannten. Mit einem Freund zusammen hat er außerdem eine eigene Seite erstellt, über die ihn Angehörige direkt kontaktieren können. Sie heißt: Straßenkreuze; Denn jedes ist eines zuviel.

Warum das Ganze? Philipp Bursian nennt im Gespräch mit Thüringen24 vor allem zwei Gründe: Er will den Angehörigen helfen, mit einem schlimmen Erlebnis umzugehen. Und gleichzeitig die Menschen sensibilisieren. „Ich möchte auch vor allem junge Menschen erreichen und für den Straßenverkehr sensibilisieren.“ Er besucht dazu hin und wieder Schulklassen und Fahrschulen und berichtet über sein Projekt. Ziel ist ein bewusster und sichererer Umgang im Straßenverkehr.

Den Toten gedenken und zugleich die Lebenden mahnen – dazu will Bursian nun eine Ausstellung ins Leben rufen, in der Straßenkreuze und die Geschichte dahinter gezeigt werden sollen. Der Erlös soll an die Stiftung „Verwaiste Eltern“ gehen. Dazu sucht er auch in Erfurt Unterstützung.

„Auf bestimmten Abschnitten in und um Erfurt sah ich in der Vergangenheit enorm viele Kreuze, welche mich sehr beschäftigen. Ein Großteil dieser Kreuze datierte noch aus den 90er Jahren und ist leider nicht mehr vorhanden. Auch hier würde ich gerne helfen und unterstützen.“ Kontakt kann über die Facebookseite Straßenkreuze; Denn jedes ist eines zuviel. hergestellt werden. (fno)