Waldsterben in Thüringen: Extreme Folgen – SO sieht der Wald der Zukunft aus

Dem Wald in Thüringen geht es nicht gut. Experte: „Der Wald wie wir ihn kennen, wird so nicht bleiben.“
Dem Wald in Thüringen geht es nicht gut. Experte: „Der Wald wie wir ihn kennen, wird so nicht bleiben.“
Foto: Ronald Stein/Forst-Zentrale

Thüringen. Dem Wald in Thüringen geht es so schlecht, wie seit Jahren nicht mehr. Hunderttausende Bäume sind abgestorben, ganze Landstriche gleichen einer Steppenlandschaft.

Das Waldsterben trifft den Freistaat, dessen Landesfläche zu fast einem Drittel mit Wald bedeckt ist, besonders hart. Der Wald wird sich in den nächsten Jahren stark verändern. Ein Experte erklärt, wie der Wald der Zukunft aussehen wird.

Waldsterben in Thüringen: Darum geht es dem Wald so schlecht

Der Wald in Thüringen leidet. Unter der extremen Hitze, wenig Wasser und dem Borkenkäfer. Durch zwei extreme Trockenjahre (2018 und 2019) direkt hintereinander wurden die Bäume, hauptsächlich Buchen und Fichten, extrem angegriffen. Sie konnten kaum Wasser speichern, und durch kurze aber heftige Stürme zwischen den Hitzewellen wurden sie beschädigt.

Und zu allem Überfluss machte sich dann auch noch der Borkenkäfer breit und befiel unzählige Bäume. Horst Sproßmann, Pressesprecher der Thüringen-Forst-Zentrale, erklärt: „Wenn der Borkenkäfer auf einen gesunden Baum trifft, dann kann der Baum sich selbst schützen. Aber bei einem geschwächten Baum hat der Borkenkäfer leichtes Spiel“. Fichten können durch den Wassermangel beispielsweise kein Harz mehr produzieren, um damit den Borkenkäfer abzuwehren.

----------------------

Borkenkäfer:

  • braun oder schwarz gefärbter Käfer
  • leben unter der Borke oder im Holz von Bäumen
  • erreichen eine Körperlänge zwischen 0,7 und 12 Millimeter
  • fressen sich durch Baumrinde
  • richten teilweise erheblichen Schaden im Wald an

----------------------

+++ Thüringen: Borkenkäfer frisst sich durch Wald – DAS sind die verheerenden Folgen +++

Das hat verheerende Folgen: Rund 20.000 Hektar Schadfläche sind in Thüringen angefallen, so der Experte. „Das ist in dieser Größenordnung erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg so schlimm.“ Ist der Wald noch zu retten?

Experte: So sieht der Wald der Zukunft aus

„Wenn 2020 wieder ein Trockenjahr kommt, dann ist das eine Katastrophe für den jetzigen Wald, die mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr zu beheben ist“, prognostiziert Sprossmann. Herkömmliche Mittel sind: befallenes Holz aus dem Wald bringen, damit der Borkenkäfer verschwindet. Aufforsten, also neu Anpflanzen von Bäumen. Kurzum: den Wald „sanieren“.

Das wird nicht mehr möglich sein, wenn es weiterhin so trocken bleibt. Das heißt, dass sich der Wald auf lange Zeit verändern wird. „Wir werden erschrocken sein über das Waldbild der Zukunft“, sagt Sprossmann. Die großen Buchen- und Fichtenwälder werden nach und nach verschwinden. Aber der Blick in die Zukunft ist trotzdem nicht aussichtslos. Im Gegenteil!

+++ Landtagswahl Thüringen: Auf dieses Thema stürzen sich alle Parteien +++

„Es wird keine Steppenlandschaften dauerhaft in Thüringen geben“, da ist sich Sprossmann sicher. „Der Wald wird sich regenerieren.“ Das wird allerdings viele, viele Jahre dauern. Und das Waldbild wird dann ein anderes sein. „Das Ökosystem Wald ist anpassungsfähig“, weiß Sprossmann. Das Klima ändere sich gerade aber so schnell, dass der Wald schlichtweg nicht hinterherkomme.

In 30 bis 40 Jahren aber könnten sich bereits Bäume angesiedelt haben, die mit dem Klima besser zurechtkommen. Sprossmann nennt hier zum Beispiel die Esskastanie oder die Schwarzkiefer.

----------------------

Die Schwarzkiefer:

  • wächst in den Mittelmeerländern Südeuropas, Kleinasiens und des westlichen Nordafrikas
  • gilt als unempfindlich gegenüber Luftverschmutzung
  • sehr krankheitsresistent
  • kann bis zu 800 Jahre alt werden
  • ist anhand der schwarz gefärbten, verdeckten Teile der Zapfenschuppen leicht von anderen südeuropäischen Kiefernarten zu unterscheiden

----------------------

„Wir müssen uns im klaren darüber sein, dass sich der Wald, so wie wir ihn kennen, verändern wird. Aber es gibt momentan rund 550.000 Hektar Wald in Thüringen, und ich bin durchaus positiv gestimmt, dass diese Fläche auch gehalten werden kann.“