Thüringen: Geisterzug rollt sinnlos durch Bahnhöfe – "sehr bescheuert"

Menschenleer fährt die Bahn durch Thüringen. Und das hat einen Grund. (Symbolbild)
Menschenleer fährt die Bahn durch Thüringen. Und das hat einen Grund. (Symbolbild)
Foto: Michael Frömmert

Nordhausen. Äußerst unheimlich! In Thüringen rollt tagtäglich in aller herrgottsfrühe ein Zug durch etliche Bahnhöfe. Doch er hält nie an. Und niemand fährt mit. Die Bevölkerung ist sauer.

Das ZDF hat dem Geisterzug aus Thüringen jetzt im Länderspiegel einen Beitrag gewidmet. Unter dem Banner: der „Hammer der Woche“.

Denn der Grund, warum der Geisterzug durch den Freistaat rollt, verblüfft.

Bahn in Thüringen: Zug fährt ohne Fahrgäste

Seit Fahrplanwechsel 2018 schon fährt der Zug menschenleer durch den Südharz. Um 4.30 Uhr startet der Zug dann jeden Werktag von Nordhausen in Richtung Göttingen in Niedersachsen. Doch die Türen bleiben verschlossen.

Durch fünf Bahnhöfe rollt er dann – ohne je anzuhalten. Durch Nordhausen-Salza, Niedersachswerfen, Wolfsleben und Ellrich bis nach Walkenried. Walkenried ist die erste Station in Niedersachsen. Hier dürfen dann auch die ersten Fahrgäste in die inzwischen warmgefahrene Bahn einsteigen.

Zug überfährt fünf Bahnhöfe in Thüringen – aus DIESEM Grund

Der Grund: Thüringen ist die frühe Verbindung schlicht zu teuer, aber Niedersachsen zahlt. Laut dem ZDF bestellen und bezahlen die Bundesländer den Regionalverkehr der Deutschen Bahn. Aber: „Die insgesamt 66 Euro Stationsgebühren pro Tag will man in Erfurt sparen“, heißt es im ZDF-Beitrag.

Demnach würde das Infrastruktur-Ministerium die Verbindung um 4.30 Uhr für unrentabel und nicht bedarfsgerecht halten. Für alle fünf Bahnhöfe auf der Strecke in Thüringen müsste der Freistaat etwa 85.000 Euro pro Jahr blechen, wenn der Zug wie bisher nur werktags verkehrt.

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Geisterzug in Thüringen: Das sagen die Bürger

Die Bürger sind sauer. Auf der einen Seite predigen, den ländlichen Raum zu fördern und auf der anderen Seite eine konkrete Zugverbindung einfach nicht nutzen, heißt es etwa von Michael Reinboth von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ in dem ZDF-Beitrag.

Ein Mann bringt seinen Unmut noch deutlicher auf den Punkt: „Als einfacher Bürger sehe ich diese ganze Sache als sehr bescheuert an!“