Landtagswahl Thüringen: Ramelow mit krasser Ansage: „Muss sich seinen braunen Scheiß vom Popo selber abwischen“

Im Youtube-Format Jung & Naiv fiel Ramelow durch seine teils drastische Wortwahl auf. (Archivbild)
Im Youtube-Format Jung & Naiv fiel Ramelow durch seine teils drastische Wortwahl auf. (Archivbild)
Foto: imago images / reportandum

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) war wenige Wochen vor der Landtagswahl Thüringen zu Gast bei einem Youtube-Kanal. Darin fand er teils drastische Worte.

Die richten sich vor allem gegen den Rassismus im Bundesland, aber auch gegen die Berichterstattung über den Osten in westdeutschen Medien.

Landtagswahl Thüringen: Ramelow auf Ursachenforschung

Auf Youtube hat Ministerpräsident Ramelow wenige Wochen vor der Landtagswahl Thüringen ein Interview gegeben, bei dem er kein Blatt vor den Mund genommen hat.

So sprach er ganz offen über den Rassismus und den Erfolg der AfD in Thüringen. Dafür analysierte der Politiker zwei wesentliche Ursachen. Die eine sei wirtschaftlicher Natur, die andere hänge mit der vorangegangenen DDR-Zeit zusammen.

Der Thüringenmonitor, eine Langzeitstudie zur politischen Kultur, zeige bei den Bürgern eine „gewisse Affinität an Totalitärem“ und eine hohe „Bereitschaft, sich zu unterwerfen“. Für Ramelow Indizien der ehemaligen DDR-Führung. Zudem sei man das Problem rechtsextremer Kräfte im Osten nach der Wende nicht konsequent genug angegangen.

Wahrnehmung des Ostens sei falsch

Auf wirtschaftlicher Seite gebe es zwei Faktoren, die das Erstarken rechter Strukturen begünstigt hätten. Zum einen gebe es ein „Unwucht in der Wahrnehmung“ was Produktion und Wirtschaftsstärke der ostdeutschen Bundesländer angehe.

Zwar werde im Osten beispielsweise für VW produziert, die Steuern führe der Konzern aber in Stuttgart ab. Der zweite Punkt sei die negative Einstellung vieler Ökonomen gegenüber dem ländlichen Raum. Wer als Wirtschaftswissenschaftler fordere, den ländlichen Raum stillzulegen, der verteile keine Ratschläge, „sondern nur Schläge“.

-----------------

Bodo Ramelow:

  • seit dem 5. Dezember 2014 Ministerpräsident Thüringens
  • erster Ministerpräsident, der der Partei Die Linke angehört
  • geboren in Niedersachsen
  • lebt seit 1990 in Erfurt

-----------------

Wirtschaftlich könne Thüringen langfristig auf Einwanderung nicht verzichten: „340.000 Beschäftigte müssten ersetzt werden, wenn sie in Rente gehen“, so Ramelow.

Krasse Aussage gegen rechte Forderungen

Er forderte, sich genau zu überlegen, wozu populistische Äußerungen führen können: „Was bedeutet das 'Deutschland den Deutschen, Ausländer raus'? Was bedeutet das am Ende wenn man vor der Zentralklinik in Bad Berka steht und auf einmal alle ausländischen Pflegekräfte und Ärzte das Krankenhaus verlassen? Dann steht auch der letzte Nazi ganz alleine da, und muss sich seinen braunen Scheiß vom Popo selber abwischen.“

Bodo Ramelow

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus sprach Ramelow auch die mediale Berichterstattung im Westen Deutschlands an. So würden Berichte über den „braunen Osten“ stetig wiederholt.

-----------------

Mehr zur Landtagswahl:

-----------------

Kritik an Berichterstattung

„Ich habe aber keine Lust mehr darauf, dass Westdeutsche Sagen: 'Ihr wählt komisch'.“ Dies sei kein Umgang untereinander. Schließlich habe es auch in Westdeutschland in Zeiten der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte in den 60-er und 70-er Jahren rassistische Anfeindungen gegeben. Allein wer in Westdeutschland damals von Gastarbeitern geredet hat, habe sich verächtlich gezeigt. „Wer lässt schon einen Gast arbeiten?“, fragte Ramelow.

Das Youtube-Format „Jung & Naiv“, bei dem Ramelow zu Gast war, ist bekannt für seine direkte Redensart. Darin spricht Journalist Tilo Jung mit verschiedenen Gästen, meist Politikern. Jung spielt einen naiven jungen Mann, der unvoreingenommene Fragen stellen will. Er duzt seine Gesprächspartner und lässt Fachbegriffe von ausgiebig erklären. (dav)