Thüringen-Wahl: Merkwürdige Zeitung in Tausenden Briefkästen aufgetaucht - das steckt dahinter

Kurz vor der Wahl in Thüringen fanden Tausende eine merkwürdige Zeitung im Briefkasten. (Symbolbild)
Kurz vor der Wahl in Thüringen fanden Tausende eine merkwürdige Zeitung im Briefkasten. (Symbolbild)
Foto: dpa

Zigtausende Menschen in Thüringen hatten kurz vor der Wahl eine merkwürdige Zeitschrift im Briefkasten: „Der Wahlhelfer“ heißt das Blatt.

Als Herausgeber der Publikation steht im Impressum der Verein „Vereinigung Freie Medien“. Auf dessen Internetseite ist die Rede von 500.000 Exemplaren der Zeitung, die vor der Wahl in Thüringen „auf dem Weg in die Briefkästen“ seien. Zu den Autoren gehört unter anderem die ehemalige Grünen- und spätere CDU-Politikerin Vera Lengsfeld.

Thüringen-Wahl: Koalition zwischen AfD und CDU?

Implizit spricht sich die Zeitung für eine Koalition zwischen CDU und AfD aus.

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In einem abgedruckten „Offenen Brief“ etwa heißt es: „Was spräche dagegen, die Alternative für Deutschland zu enttabuisieren, indem man unter ihrer Duldung eine Minderheitsregierung bildet oder gar eine Koalition eingeht? Man würde die Partei ihres Märtyrer- und Opferstatus berauben und jene Kräfte stärken, die tatsächlich an einer konstruktiven und kompromissbereiten Sachpolitik interessiert sind und sich nicht auf Polemik beschränken.“

Merkwürdige Zeitung in vielen Briefkästen aufgetaucht

Merkwürdig: Laut Impressum darf die Zeitung nicht für Wahlkampfzwecke genutzt werden - zugleich steckt eben das schon im Namen „Der Wahlhelfer“, und das Blättchen behandelt ausschließlich Themen zur Landtagswahl in Thüringen.

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Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat das Blatt als Wahlpropaganda kritisiert.

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Umfrage Landtagswahl Thüringen

  • CDU: 26%
  • SPD: 9%
  • Grüne: 7%
  • FDP: 5%
  • Linke: 28%
  • AfD: 21%

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„Mit diesem Blatt wird der Eindruck geweckt, dass nur diese Postille wirklich unabhängig ist. Das ist eine grobe Verzerrung der Medienwirklichkeit und der Presselandschaft“, sagte Hendrik Zörner, Pressesprecher des DJV.

AfD als Problemlöser: „Das ist Wahlpropaganda“

In der Zeitung werde mehrfach die AfD genannt - jedoch nicht kritisch. Stattdessen werde die AfD als Problemlöser dargestellt. „Das ist Wahlpropaganda, wie sie auch von anderen Parteien gemacht wird“, sagte Zörner. Er vermute, dass dieses Blatt ausschließlich zu Wahlkampfzwecken erscheine.

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Die Thüringer AfD streitet jede Verbindung mit dem Blatt ab. „Wer dahinter finanziell steckt, weiß ich nicht und Absprachen mit der AfD gab es auch nicht“, sagte ein Sprecher des Thüringer AfD-Landesverbandes. Thüringens AfD-Landessprecher Stefan Möller sagte, der Vorwurf der verdeckten Wahlkampfwerbung sei „ohne jede Substanz“. (pen, dpa)