Thüringen-Wahl: „Die Partei“-Landeschef im Interview: „Unser Ziel ist immer die Machtübernahme“

Eggs Gildo von „Die Partei“: Der Politiker mit dem Künstlernamen will in den Landtag.
Eggs Gildo von „Die Partei“: Der Politiker mit dem Künstlernamen will in den Landtag.
Foto: Peter Sieben

Der Name ist nicht so ganz echt, die Partei schon: Eggs Gildo ist der Thüringer Landesvorsitzende der Satire-Partei „Die Partei“.

Einst eher eine Spaß-Partei, meint „Die Partei“ es inzwischen ernst. Am 27. Oktober will Eggs Gildo in den Thüringer Landtag einziehen. Er sagt: „Auf uns kommt es jetzt an!“

Wie er das meint, und was er von AfD-Politiker Björn Höcke hält, verrät er im Interview mit THÜRINGEN24.

THÜRINGEN24: „Die Partei“ hat bei der Europawahl einen Riesenerfolg hingelegt. Wächst jetzt der Druck?

Eggs Gildo (Die Partei): Nun, unser Ziel ist immer die Machtübernahme. Also 100 Prozent plus x. Da arbeiten wir dran. Was kurzfristig möglich ist, werden wir sehen. Aber der Einzug in den Landtag ist oberstes Gebot.

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Das ist Die Partei:

  • Kurzform für Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative
  • wurde 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins „Titanic“ gegründet.
  • Parteivorsitzender ist Martin Sonneborn
  • ist im Europa-Parlament vertreten

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Die AfD ist schon längst im Landtag. Laut Umfragen könnte die Partei deutlich über 20 Prozent der Stimmen holen. Was macht Spitzenkandidat Björn Höcke im Wahlkampf richtig?

Ich bin erst mal froh, dass Björn Höcke nicht zu unserer Partei gehört. Sondern eine eigene Partei hat. Der Weg, den die AfD eingeschlagen hat, ist sehr kritisch zu sehen. Wir sind ja mit unserem satirischen Ansatz eine humanistische Partei. Björn Höcke hingegen hat eher was Pubertäres, wenn er sich zum Beispiel auf den Domplatz in Erfurt stellt und über die Integrationspolitik von Angela Merkel sagt: Wir wollen das nicht schaffen.

Trotzdem scheint die AfD die politischen Verhältnisse in Thüringen umzukrempeln.

Na ja, die haben halt jetzt eine Hochphase. Aber die SPD war auch mal groß. Es gibt keine Garantien in der Politik. Wenn man den Bogen so überspannt wie die AfD, hat man kurz ein bisschen Erfolg.

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Wie meinen Sie das?

Es ist viel Frust in Thüringen gewachsen, etwa durch die Niedriglohnpolitik der CDU, die in den Jahren nach der Wende dachte, auf diese Weise Investoren anlocken zu können. Was nichts gebracht hat, außer ein Unternehmer-Nomadentum von Konzernen, die schnell ein paar Fördergelder mitgenommen haben. Björn Höcke greift das auf, er drückt den Populismus-Knopf. Das muss man sich mal vorstellen, da kommt einer aus dem Westen und erzählt den Leuten, er wäre einer von ihnen, obwohl er die Wende hier gar nicht miterlebt hat.

Warum nehmen viele Leute ihm das ab?

Warum hat man Hitler abgenommen, dass er Arier ist? Obwohl er nicht groß, blond oder blauäugig war. Das ist ja ein Phänomen, dass solche Populisten Kriterien propagieren, die sie selbst gar nicht erfüllen.

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Jetzt vergleichen Sie Björn Höcke mit Hitler?

Die Vorgehensweise ist halt ähnlich. Das eine zu wollen, aber was ganz anderes zu sein. Wie bei Donald Trump, der sich als Vertreter der kleinen Leute verkauft, aber selbst nie ein kleiner Mann gewesen ist. Darin ähneln sich die Populisten. Hitler zum Beispiel hat den kleinen Leuten eine Gruppe gegeben, auf die sie nach unten treten konnten. Dann fühlten die sich als was Besseres, konnten sich abgrenzen. Das passiert ja jetzt auch wieder. In Sachsen zum Beispiel hat die AfD in ihrem Wahlkampf die sächsische Bevölkerung als eine Art Elite bezeichnet, sie über andere Gruppen erhöht. Ist ein ganz einfaches Prinzip. Wir von „Die Partei“ haben ja einen humanistischen Ansatz und würden solche Methoden nicht anwenden.

Dabei hat „Die Partei“ in Wahlkämpfen immer wieder auch für Kritik gesorgt. Etwa mit Plakaten, auf denen der Satz stand: „Hier könnte ein Nazi hängen“.

Das ist ursprünglich eine Antwort auf eine widerliche Plakataktion der Rechten in Berlin gewesen. Vor dem Jüdischen Museum hingen Plakate mit dem Spruch: „Wir hängen nicht nur Plakate!“ Darauf hat „Die Partei“ reagiert. Ich wollte die Plakate im letzten Wahlkampf eigentlich gar nicht mehr verwenden, dann haben wir es aber doch gemacht. Mit so was punktet man halt.

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Der Zweck heiligt die Mittel?

Na ja, es kommt ja jetzt durchaus auf uns an. Die aktuelle Koalition wird es nach der Wahl so wohl nicht mehr geben. Wenn wir in den Landtag einziehen und die Menschen weiterhin eine demokratische Regierung wollen, dann können wir bei solchen knappen Geschichten realpolitisch etwas bewirken. Mir ist bewusst, dass das wichtig ist.