Mike Mohring im Thüringen24-Interview: „Es tut unserem Land nicht gut, wenn ...“

Foto: Peter Sieben

Der Wahlkampf soll das Ende einer Ära einläuten: Ein halbes Jahrzehnt war Mike Mohring in Thüringen in der Opposition, das will er jetzt ändern.

Seine CDU will wieder regieren – doch es wird eng: Denkbar wäre eine schwarz-grün-rot-gelbe Simbabwe-Koalition – aber nur, falls die FDP die Fünf-Prozent-Hürde knackt.

Umso mehr Gas gibt der CDU-Spitzenkandidat in den letzten Tagen vor der Landtagswahl in Thüringen 2019, sprintet innerhalb weniger Stunden von Weimar nach Erfurt nach Eisenach. Im Interview erklärt er, was er in Thüringen dringend ändern will – und was er von AfD-Mann Björn Höcke hält.

THÜRINGEN24: Sie haben Björn Höcke jüngst als „Nazi“ bezeichnet. Was war der Auslöser, dass Sie das jetzt in dieser Direktheit formulieren?

Mike Mohring: Es gab ja sogar ein Urteil, dass man Björn Höcke als Faschisten bezeichnen darf. Aber ich will so kurz vor der Wahl auch gar nicht weiter über Björn Höcke reden.

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Dann reden wir über die Regierungsbildung. Die könnte sich schwierig gestalten. Inzwischen gibt es Stimmen aus der CDU in anderen Bundesländern, die für ein Umdenken werben, wenn es um eine Koalition mit der Linkspartei geht. Schließen Sie das definitiv aus?

Es tut unserem Land nicht gut, wenn Thüringen von den Rändern aus bestimmt wird, sondern aus der Mitte der Gesellschaft eine stabile Regierung gebildet werden kann. Dafür steht die CDU. Mit einer Regierung, an der die Linke beteiligt ist, fällt Thüringen zurück. Wer AfD wählt, verursacht aber genau das und hält Ramelow im Amt. Wir wollen ihn ablösen.

Ein großes Thema, das viele in Thüringen bewegt, sind die schlechten Verkehrsverbindungen zwischen ländlichen Gebieten und den Städten. Wie wollen Sie das lösen?

Ich sehe die Sorgen der Leute, und sie haben Recht, es gibt da große Probleme. Ich möchte Stadt und Land miteinander versöhnen, das ist ein großes Anliegen für mich. Der ÖPNV muss deshalb deutlich gestärkt werden.

+++ Thüringen-Wahl: Mike Mohring (CDU) hält Rede in Weimar – dann gibt es einen Zwischenruf +++

Eine Möglichkeit ist es, das über die Maut für 7,5-Tonner auf Landstraßen zu finanzieren und das Geld in bessere Straßen und den Nahverkehr zu stecken. Außerdem möchten wir, dass junge Menschen mit 15 Jahren einen Mopedführerschein machen dürfen, um mobiler sein zu können und wir setzen uns für eine einheitliche Regelung ein, die ein begleitendes Fahren von Autos ab 16 ermöglicht.

Landtagswahl_in_Thuringen_Das soll sich ändern
Landtagswahl_in_Thuringen_Das soll sich ändern

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Mike Mohring

  • 1971 in Apolda geboren
  • CDU-Fraktionsvorsitzender und seit 2014 Landesverbandsvorsitzender
  • 2014 soll Mohring einem Bericht des „Spiegel zufolge Gespräche mit der AfD geführt haben, um Bodo Ramlow als Ministerpräsidenten zu verhindern
  • Die Thüringer CDU dementierte das - und Mike Mohring hatte als Mitglied im CDU-Bundesvorstand ein Papier ausgegeben, das eine Kooperation mit der AfD ausschloss
  • Vor der Landtagswahl 2019 schloss Mohring erneut eine Koalition mit der AfD aus
  • Anfang 2019 machte der CDU-Landeschef eine Krebserkrankung öffentlich, im Juni gab er seine Genesung bekannt

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Ein zweites großes Thema ist die Bildung. Thüringen hat mit einem massiven Lehrermangel zu kämpfen. Was macht die CDU dagegen?

Lehrer schneller einstellen, das ist wichtig. Wir müssen mehr Referendare ausbilden, den Start in den Job erleichtern, damit junge Lehrer nicht abgewandert sind, bevor sich Thüringen rührt. Mit einem Sofortprogramm wollen wir Seiteneinsteiger anwerben, auf Zeit und freiwilliger Basis Ruheständler reaktivieren und mehr Lehrer an die Schulen bringen, die derzeit andere Aufgaben erfüllen.

+++ Landtagswahl Thüringen: Das will die AfD wirklich +++

Gerade in Mangelfächern wie den Naturwissenschaften brauchen wir die Leute, wollen Ihnen Einstellungsgarantien geben und die Eigenverantwortlichkeit der Schulleiter durch eigene Personal- und Sachkostenbudgets stärken.

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Umfrage Landtagswahl Thüringen

  • CDU: 26%
  • SPD: 9%
  • Grüne: 7%
  • FDP: 5%
  • Linke: 28%
  • AfD: 21%

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Sie wollen Menschen, die aus anderen Bundesländern zurück nach Thüringen kommen, 5000 Euro als Prämie zahlen. Wie wollen Sie das finanzieren?

Da sehe ich überhaupt kein Problem, das muss man aus dem Haushalt finanzieren, denn das ist eine überaus wichtige und gute Investition in die Zukunft unseres Landes. Diese Prämie ist eine Einladung nach Hause, die Botschaft lautet: Es lohnt sich, hier zu leben. Die Löhne steigen wieder und die Chancen sind sehr gut in Thüringen.

In den letzten 30 Jahren sind vier Millionen Menschen aus den ostdeutschen Bundesländern weggezogen. Wir brauchen die Menschen, wir wollen Thüringen an die Spitze der Bundesländer bringen. Dieser Anreiz soll den Umzug erleichtern und ist gut investiertes Geld und wir bekommen es um ein Vielfaches hier zurück.