Arabischer Friseur aus Erfurt zur Wahl: „Die AfD ist genau wie ...“

Ahmad Helwa in seinem Friseursalon in Erfurt.
Ahmad Helwa in seinem Friseursalon in Erfurt.
Foto: Peter Sieben

Wenn man den Reden der AfD glauben würde, müsste man annehmen, dass Ahmad Helwa eine Erfindung ist.

Der 29-Jährige ist Unternehmer, führt einen erfolgreichen Friseursalon in Erfurt. Bald wird er einen zweiten Laden in Jena eröffnen. Also hat er all das geschafft, was die AfD für unmöglich hält.

AfD: Migranten liegen Sozialsystem auf der Tasche

Ahmad Helwa stammt aus Syrien. Erst einen Tag vor der Landtagswahl hatten AfD-Spitzenpolitiker am Domplatz im Wahlkampf mal wieder von den „arbeitsscheuen Migranten“ aus Syrien gesprochen, die dem Sozialsystem auf der Tasche lägen. „Klar, das sind alles Fachkräfte und Raketenwissenschaftler, wissen wir“, hatte Brandenburgs AfD-Chef Andreas Kalbitz in die johlende Menge gerufen, die dann „Lügenpresse, Lügenpresse“ skandierte.

„So einfach ist es nicht. Die Leute müssen sehen, dass es solche und solche gibt“, sagt Ahmad Helwa.

Er ist 2004 nach Thüringen gekommen, da war er noch Schüler. Seine Familie stammt aus Palästina, in Syrien galten sie als staatenlos. Der Vater sei deshalb nach Deutschland gegangen, um seinen Kindern eine Chance zu ermöglichen.

„Ein bisschen ist man immer der Fremde“

Ahmad Helwa hat sie genutzt, genau wie seine Geschwister. „Meine Schwester macht gerade ihren Master als Ingenieurin“, erzählt er stolz. Wenn er spricht, ist da noch ein Hauch seiner alten Muttersprache in den Konsonanten zu hören - und ganz viel Dialekt aus Thüringen. Manchmal sagt er „gell“ am Ende eines Satzes und statt „ja“ sagt er manchmal „nor“. Er fühlt sich zuhause in Thüringen, sagt er.

Auch wenn er immer auch ein bisschen „der Fremde“ gewesen sei. „Die Leute sehen einen anders an“, erzählt er.

„Die Deutschen waren ein bisschen ängstlich“

Dieses Gefühl habe er im Osten stärker, als in den großen Städten im Westen. „In Hamburg oder Frankfurt, da sind die Leute lockerer. Da ist das egal, wenn du ausländisch aussiehst.“ Deshalb habe er nach der Schule auch mal überlegt, wegzugehen zu aus Thüringen. „Aber es ist halt meine Heimat.“

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Also blieb er, eröffnete 2013 seinen Salon. „Arabischer Friseusalon“ steht über der Tür, drinnen sieht es aus wie in einer Lounge: Ein typischer Barber-Shop, wie man sie jetzt in vielen Großstädten findent. Anfangs sei es etwas schwer gewesen. „Die Deutschen waren ein bisschen ängstlich“, sagt er. Inzwischen seien 70 Prozent seiner Kunden aus Deutschland.

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AfD? „Die sind genau wie die NPD“

Die Landtagswahl hat er verfolgt. Dass die AfD so stark ist, bereite ihm schon ein unangenehmes Gefühl. Die AfD sei „ein Wolf im Schafspelz“. „Die tun so, als seien sie eine normale Partei. Aber im Grunde sind die genau wie die NPD.“

Er nehme wahr, dass eine gewisse Fremdenfeindlichkeit zunehme. „Wir sind hier beim Friseur, da erzählen die Leute sich Geschichten“, sagt er. Etwa die von der jungen Muslimin, der man neulich das Kopftuch abgerissen habe.

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Oder die vom Flüchtling, dem keine Betrieb einen Job geben wollte. „Das ist auch so ein Problem, dass die Geflüchteten in irgendwelche Jobs zu Zalando oder so gesteckt werden, damit die wenigstens etwas Geld verdienen. Aber besser wäre es doch, wenn man denen eine richtige Ausbildung ermöglicht oder ein Studium, das wäre doch in der Zukunft auch besser für das ganze Land.“