Thüringen: Weniger Arbeitslose – doch das hat einen Haken

Weniger Arbeitslose in Thüringen. (Symbolbild)
Weniger Arbeitslose in Thüringen. (Symbolbild)
Foto: dpa

Im Oktober ist die Arbeitslosigkeit in Thüringen insgesamt weiter leicht zurückgegangen. Regional betrachtet zeichnet sich aber ein differenzierteres Bild ab. Und Gewerkschafter fürchten eine deutlichere Spaltung auf dem Arbeitsmarkt.

Mit 55.800 Frauen und Männer ohne Job ist die Arbeitslosenquote in Thüringen im Oktober auf fünf Prozent gesunken. Das seien rund 800 Arbeitslose und 0,1 Prozentpunkt weniger als im Vormonat, teilte die Landesarbeitsagentur am Mittwoch mit. Im Vergleich zum Oktober vor einem Jahr waren es 1600 weniger Arbeitslose.

Weniger Arbeitslose in Thüringen, doch es gibt ein Problem

„Die saisontypische Herbstbelebung und der Abbau der Arbeitslosigkeit hat sich im Vergleich zum Vormonat weiter fortgesetzt“, sagte der Chef der Landesarbeitsagentur, Kay Senius. Allerdings gebe es innerhalb Thüringens große regionale Unterschiede in der Entwicklung, so Senius.

Regionen mit Industrie, etwa in den Kreisen im Süden und Westen des Landes mit Automobilzulieferern, spürten eine Konjunkturdelle: Dort sinke die Nachfrage nach Mitarbeitern und die Arbeitslosenzahlen stiegen an. In strukturschwachen Regionen gehe die Arbeitslosigkeit aufgrund der Altersstruktur zurück.

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„Immer mehr Firmen planen Kurzarbeit oder sind davon betroffen“, teilte auch Stephan Fauth, der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Wirtschaft Thüringens mit. Die Situation auf den Weltmärkten verunsichere Thüringer Unternehmen in immer höheren Maße.

Neue Regierung soll Stabilität schaffen

„Umso mehr ist es für die Wirtschaft wichtig, nach der Landtagswahl in Thüringen stabile Verhältnisse zu schaffen“, so Fauth. Potenzielle Investoren müssten wissen, welche Rahmenbedingungen sie im Freistaat erwarteten. Nach den Wahlergebnissen von Sonntag stellt sich eine Regierungsfindung als schwierig dar. Stabile Mehrheiten für viele bisher denkbar Koalitionen gibt es nicht.

Auch bundesweit ging die Arbeitslosenquote leicht um 0,1 Prozentpunkt auf 4,8 Prozent zurück. Damit liegt Thüringen zwar über dem Bundesdurchschnitt, steht aber mit einer Quote von fünf Prozent vor allen anderen ostdeutschen Bundesländern.

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Zahl der ausländischen Zeitarbeiter gestiegen

Michael Rudolph, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Hessen-Thüringen, bemängelte, dass die Zahl der Leiharbeiter insgesamt zwar gesunken sei, dafür aber die Zahl der ausländischen Zeitarbeiter gestiegen sei. „Das sind erschreckende Zahlen“, so Rudolph.

Immer mehr Unternehmen griffen aufgrund vermeintlich fehlender Fachkräfte verstärkt auf Leiharbeitskräfte aus dem Ausland zurück, darunter oft Geflüchtete. Dabei gehe es aber darum kurzfristig Löcher zu stopfen. Unternehmen sollten aus Rudolphs Sicht langfristige Perspektiven schaffen. „Eine Vertiefung der Spaltung am Arbeitsmarkt ist das Letzte, was wir jetzt brauchen.“