Sixt: Comedian will sich in Thüringen Auto leihen – krass, was dann passiert

Die Comedians Nizar und Amjad waren in Thüringen und haben dort bei einerm Autoverleih offenbar Erschreckendes erlebt. Das Video landete im Netz und löste einen Shitstorm aus.
Die Comedians Nizar und Amjad waren in Thüringen und haben dort bei einerm Autoverleih offenbar Erschreckendes erlebt. Das Video landete im Netz und löste einen Shitstorm aus.
Foto: dpap, Imago Images/Horst Galuschka/Jan Huebner

Sonneberg. Die beiden Comedians Amjad und Nizar haben mit einem Video aus Thüringen einen beispiellosen Shitstorm und einen Rassismus-Skandal ausgelöst.

Es sind krasse Vorwürfe, die erhoben werden – gegen die Autovermietung Sixt, gegen ein Subunternehmen aus Thüringen und nicht zuletzt gegen die hiesige Polizei. Und das hat jetzt Konsequenzen für das Subunternehmen.

Rassismus-Eklat bei Sixt: Skandalöses Video aus Thüringen

Zu dem Vorfall kam es laut der Comedians, als sie nach einem Auftritt im Landkreis Sonneberg in Neuhaus am Rennweg am vergangenen Freitag eine Autopanne hatten und einen Ersatzwagen über Sixt bestellten.

Auf Instagram und Facebook veröffentlichten der deutsch-palästinensische Comedian Amjad und sein Kollege Nizar das Video. Alleine der Ursprungspost wurde innerhalb vier Tagen über 70.000 Mal angesehen und mehr als 700 Mal kommentiert. „Unglaublich, traurig, widerlich“, „Ich schäme mich so für Thüringen“ – so der O-Ton der Nutzer.

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Video aus Thüringen: Wüste Beleidigungen gegen Comedians

In dem Video ist zu sehen, wie ein Mitarbeiter eines Thüringer Autoverleihs – einem Subunternehmen von Sixt – sich mit den beiden Comedians ein übles Wortgefecht liefert.

Amjad und Nizar erklären, dass der Mitarbeiter sich weigere, einen zuvor georderten Leihwagen herauszugeben. Und das mit vollem Einsatz und ziemlich unter der Gürtellinie.

Autoverleiher aus Thüringen schimpft vor laufender Kamera

Der Autoverleiher aus Thüringen wirft mit Beleidigungen nur so um sich. „Ich will deine dumme Fresse jetzt hier nicht mehr sehn“, „Ihr seid doch alles nur Wichser“, „Affe“, und „Türkennase“ hört man den Mann krakeelen.

Die beiden Comedians – auch hörbar erregt – reagieren mit Fragen: „Warum wirst du persönlich?“ „Was haben wir dir denn getan?“, so Nizar, der nach eigenen Angaben gar nicht erst mitbekommen haben will, dass sein Kollege längst die Kamera gezückt hatte.

Polizei Thüringen lässt Comedians abblitzen

Nizar ruft die Polizei – der Autoverleiher tut es ihm gleich. Mit Zigarette im Mund taucht ein Polizist auf. Nizar will ihm seine Sicht der Dinge erklären, doch es wirkt, als würde er abgekanzelt.

>> HIER geht es zu dem Video von Nizar und Amjad

„Wenden Sie sich an die Vermittlungsfirma, um Ihre Rechte einzuklagen“, sagt der Beamte. „Das Thema ist gegessen. Das kläre ich nicht, das klären Sie nicht. Das ist ein rein zivilrechtliches Problem“ – und das war es. Seine Kollegen, die mit einem zweiten Wagen folgten, schickt er weg.

Nizar bedankt sich dennoch bei den Einsatzkräften, wie man im Video hört. Er und Amjad steckten an dem Abend erst einmal fest. Am nächsten Tag wurde ihnen ein Leihwagen einer anderen Firma angeboten.

Sixt zieht Konsequenzen – Polizei Thüringen rudert zurück

Inzwischen haben Sixt wie auch die Polizei Thüringen reagiert.

„Wir bedauern zutiefst, was unserem Kunden Nizar in dieser Notlage widerfahren ist“, schreibt die Sprecherin von Sixt. Sixt distanziere sich in aller Schärfe von jeglichem rassistischen Verhalten und hat sich bei dem Comedian entschuldigt. „Die Zusammenarbeit mit unserem Subunternehmer werden wir aufgrund der im Video getätigten Äußerungen umgehend beenden“, hieß es.

Mit dem Thüringer Subunternehmer aus Bad Blankenburg wolle man zukünftig nicht mehr kooperieren.

Ein Mitarbeiter des Subunternehmens hat sich inzwischen im MDR geäußert. Dort behauptet er, der Vorfall sei durch das Verhalten der beiden Comedians provoziert worden. Sie seien zuvor hupend auf das Firmengelände gefahren und hätten auf Kritik an ihrem Verhalten mit Beleidigungen reagiert. Thürungen24 konnte diese Behauptung bisher nicht verifizieren.

Nizar: "Pannendienst virtuell ermordet"

Nachdem Nizar in weiteren Videos seine Fans dazu aufforderte, das Unternehmen auf Google zu bewerten, „wie jemanden, der ein Nazi und Rassist ist“ – so der Wortlaut – hat die Firma ihre Internetpräsenz auf ein Mindestmaß reduziert. Unter anderem wurde die Facebookseite offline genommen.

„Wir haben erreicht, dass der Pannendienst virtuell ermordet wurde“, feiert sich Nizar in einer Stellungnahme auf Facebook.

Die Polizei Thüringen hat sich über eine Instagram-Story ebenfalls zu Wort gemeldet.

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Polizei Thüringen entfernt Stellungnahme

Demnach schrieben die Beamten: „Ein rassistisches Verhalten unserer Kollegen ist nicht zu erkennen. Die rassistischen Handlungen und Ausdrücke, die unseren Kollegen vorgeworfen werden, haben nicht stattgefunden.“

Nizar aber will dem Polizisten auch keinen Rassismus vorgeworfen haben. Er spricht in seinem Video vielmehr von einer „herablassende“ Art. „Er hat mich nicht einmal gefragt, ob ich Anzeige erstatten möchte. Ihm war es egal“, so der Comedian.

Das Statement ist inzwischen offline. „Es wurde in unserer Story auf Instagram veröffentlicht und ist, wie alle Storys, nur 24 Stunden sichtbar gewesen.“, heißt es von der Polizei.

Der Shitstorm aber geht unter zahlreichen anderen Postings weiter.