Scorpions-Sänger fordert neue Friedenshymne: „Es ist sicher Zeit für...“

Scorpions-Frontmann Klaus Meine bei einem Auftritt in der Olympiahalle in München (2014).
Scorpions-Frontmann Klaus Meine bei einem Auftritt in der Olympiahalle in München (2014).
Foto: Nicolas Armer/dpa

Moskau. Zur Zeit des Mauerfalls vor 30 Jahren entstand der Scorpions-Song „Wind of Change“ – und entwickelte sich zu einem absoluten Welthit. Er symbolisierte die Hoffnung der Menschen auf eine Veränderung hin zu einer friedlicheren Welt.

Drei Jahrzehnte später blickt Scorpions-Sänger Klaus Meine zurück. Im Rahmen eines Interviews vor einem Konzert in Moskau legt er seine Sicht auf das aktuelle Weltgeschehen dar.

Scorpions: Deshalb braucht die Welt einen neuen „Wind of Change“

„Die Welt verändert sich gerade, aber nicht unbedingt in einem positiven Sinne“, stellt Meine fest. „Der Ton in ganz Europa ist grauer geworden.“ Vor allem der aggressive Ton, der im alltäglichen Leben und im Internet mittlerweile schon fast normal zu sein scheint, bereitet dem 71-jährigen Sorgen. „Man hat das Gefühl, überall werden die Uhren rückwärts gedreht, auch mit den ganzen Bewegungen, die wir in Deutschland erleben: die Rechten, die AfD.“

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Das ist Klaus Meine:

  • Er wurde am 25. Mai 1948 in Hannover geboren
  • Er ist ausgebildeter Dekorateur und arbeitete eine Zeit lang als Auslieferungsfahrer
  • 1969 bildete er gemeinsam mit Rudolf Schenker die Rock-Band Scorpions
  • Die Band hat bis heute mehr als 110 Millionen Platten weltweit verkauft
  • Seit 1977 ist er mit seiner Frau Gaby verheiratet, das Paar hat einen Sohn

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Viele Hoffnungen der Menschen nach der Wiedervereinigung 1990 hätten sich natürlich nicht erfüllt, so Meine. „Aber vielleicht dauert es auch noch Generationen, damit dieses vereinte Deutschland auch emotional eine ganz normale Realität wird.“

Und eben jene jüngeren Generationen nimmt der Scorpions-Frontmann nun in die Pflicht. Von ihnen erwartet er ein aktuelles Friedenslied, um auch in der heutigen Welt einen „Wind of Change“ aufwehen zu lassen. Denn Meine ist sich sicher: „Die Hoffnung auf eine friedlichere Welt ist heute noch genauso aktuell wie vor 30 Jahren."

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„Wind of Change“ ein Song über Moskau? Klaus Meine blickt zurück

Meine komponierte „Wind of Change“ bereits Wochen vor dem Mauerfall. Im Spätsommer 1989 traten die Scorpions als eine der ersten ausländischen Bands in der Sowjetunion beim „Moscow Music Peace Festival“ auf. Nach einer Bootsfahrt über den Fluss Moskwa sei ihm dann die Idee für den späteren Welthit gekommen. „Es ist deshalb kein Song über Berlin, sondern über Moskau“, erklärt der Sänger, der vom gesellschaftlichen und politischen Wandel der 1980er Jahre zu „Wind of Change“ inspiriert wurde.

Dass der Song später in als Friedenshymne in die Geschichte eingehen würde, ahnte Meine zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht. „Das lag aber nicht an einem genialen Marketingplan“, gibt Meine zu. „Die Menschen haben die Power und die Message darin total in ihren Herzen empfunden.“ (dpa/at)