Edeka-Werbeplakat bringt Bauern in Thüringen auf die Palme: „Können kaum überleben“

Der Thüringer Bauernverband kritisiert die Kampagne des Lebensmitteleinzelhändlers Edeka. (Symbolfoto)
Der Thüringer Bauernverband kritisiert die Kampagne des Lebensmitteleinzelhändlers Edeka. (Symbolfoto)
Foto: imago images / Bildgehege

Riesen-Ärger für Edeka – und das wegen einer Werbekampagne mit Komiker Otto Waalkes (71)!

Edeka hat für seine Kampagne zum 100. Jubiläum Plakate mit Otto in verschiedenen deutschen Großstädten aufgehängt, darunter auch in Erfurt. Der Slogan: „Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten.“ Was für potentielle Kunden mitunter verlockend sein könnte, ist für den Thüringer Bauernverband (TBV) eine Katastrophe!

Edeka: Thüringer Bauern beklagen mangelnde Wertschätzung

TBV-Hauptgeschäftsführerin Katrin Hucke: „Unsere Lebensmittel haben einen Wert und dieser Wert hat einen Preis!“ Die Edeka-Kampagne zeige eine nicht akzeptable Geringschätzung für Nahrungsmittel und damit für die harte Arbeit von Landwirten in Deutschland.

Bauernverband: „Geht nur um ‚billig‘!“

Hucke weiter: „Es ist eine Preispolitik, bei der es nur um ‚billig‘ geht und bei der für die landwirtschaftlichen Erzeuger am Ende nur wenige Cent übrigbleiben, sodass diese kaum überleben können.“ Laut TBV erhalten Landwirte von einem Euro, den die Verbrauche im Supermarkt ausgeben, im Durchschnitt gerade mal 20,8 Cent.

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Von einem Euro bleiben Landwirten 20 Cent übrig

Dabei sei bei den Kunden das Verständnis für höhere Preise bei gleichzeitig mehr Klimaschutz und mehr Tierwohl da. Aber SO sei das schlicht unmöglich, so Hucke: „Alle Ansätze für mehr Tierwohl und höhere Produktionsstandards werden durch die niedrigen Erzeugerpreise verhindert, da unsere Landwirte so keine finanziellen Möglichkeit bekommen, in die Zukunft zu investieren, gerade auch für mehr Tierwohl und mehr Klimaschutz“.

Edeka Minden-Hannover kündigt Stellungnahme an

Mittlerweile hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auch auf die Protestaktion reagiert. Am kommenden Montag soll es ein Spitzentreffen im Kanzleramt zum Thema „Billigangebote für Lebensmittel im Handel“ geben.

Und auch die Supermarktkette Edeka hat mittlerweile auf eine spontane Trecker-Demo in Niedersachsen gegen die Plakat-Aktion reagiert. Sie spricht von einem „Missverständnis“. So habe der Slogan nicht die Lebensmittel gemeint, sondern den Ort Essen bei Oldenburg.

„Darüber hinaus gehen die angekündigten Preisreduzierungen der Produkte nicht zu Lasten der Landwirte, sondern werden ausschließlich von der Großhandlung getragen“, teilte Edeka Minden-Hannover am Montag mit. „Es war nie unsere Absicht, mit unserer Kampagne Landwirte und Erzeuger zu verärgern.“ Außerdem hat der Konzern mittlerweile die Plakate entfernt. (mg mit dpa)