Thüringen: Coronavirus mit Folgen für Hebammen – „könnten zu Weihnachten jede Menge zu tun haben“

Thüringen: Wegen der Ansteckung mit dem Coronavirus müssen viele werdende Väter vor der Kreißsaal-Tür warten. (Symbolbild)
Thüringen: Wegen der Ansteckung mit dem Coronavirus müssen viele werdende Väter vor der Kreißsaal-Tür warten. (Symbolbild)
Foto: imago images / imagebroker

Sehr viele Geschäfte haben wegen der Ausbreitung des Coronavirus in Thüringen geschlossen. Auch sollen soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden. Was bleibt einem dabei noch groß übrig? Netflix? Brettspiele? Frühjahrsputz?

Oder einfach mal mehr Zeit zu zweit? Das befürchten auch Hebammen aus Thüringen. Wegen der angeordneten Quarantäne scherzen sie: „könnten zu Weihnachten jede Menge zu tun haben.“ Denn gerade in Zeiten, in denen Menschen zu Hause bleiben müssen und Langeweile haben, werden viele Kinder gezeugt. 2009 gab es zum Beispiel im Münsterland einen Stromausfall. Neun Monate später stieg die Geburtenrate rasant an – wie seit acht Jahren nicht mehr.

Nachfrage nach Hausgeburten in Thüringen steigt

Doch schon jetzt haben die Hebammen aus Thüringen wegen der Coronavirus-Krise viel zu tun. Denn die Nachfrage nach Hausgeburten steigt enorm. „Wir haben vermehrt Anfragen nach außerklinischen Entbindungen“, verrät Annika Wanierke, Vorsitzende des Hebammenlandesverbandes.

Doch das könnte schwierig werden. Es müsste genug freiberufliche Hebammen in Thüringen geben. Rund 18.000 Kinder werden in Thüringen geboren. Davon 1,5 bis 2 Prozent in den eigenen vier Wänden.

Das aufkeimende Interesse hat einen Grund: Angst. Wanierke: „Das steigende Interesse an außerklinischen Geburten in der Corona-Krise könnte generell mit der Angst vor Ansteckung zu tun haben.“

Doch die muss es eigentlich gar nicht geben. Wanierke sagt, es gäbe umfangreiche hygienische Vorsorgemaßnahmen. Das Besondere: Coronavirus-Verdachtsfälle haben einen Extra-Kreißsaal.

Thüringen: Väter dürfen nicht mit in den Kreißsaal

Warum die Menschen aus Thüringen trotzdem Interesse an einer Hausgeburt haben? Nicht in jedem Krankenhaus darf der werdende Vater mit in den Kreißsaal. In einer Klinik ist die Anwesenheit streng verboten. Wanierke möchte jedoch nicht verraten, um welches Krankenhaus in Thüringen es sich handelt – aus Rücksicht.

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In anderen Kliniken herrschen dagegen strenge Auflagen für werdende Väter. Ausnahme: Im Universitätsklinikum in Jena dürfen Väter bei der Geburt dabei sein. Aber: Erst wenn es wirklich losgeht, darf der Partner rein. Vorher muss er vor dem Kreißsaal warten, erklärt Professor Ekkehard Schleußner, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin Jena.

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Da auch viele Hebammen in Quarantäne sind, kommt es aber in vielen Kreißsälen zu extremen Situationen. So müsse eine Hebamme teilweise drei Frauen gleichzeitig bei der Geburt betreuen. (ldi/dpa)