Corona in Thüringen – Mediziner aufgebracht: „Die Zeit läuft uns davon“

Ärzte kämpfen um das Leben eines Patienten.
Ärzte kämpfen um das Leben eines Patienten.
Foto: dpa

In Thüringen werden Mediziner und Behörden derzeit vor erhebliche Probleme wegen eines an Corona erkrankten Patienten gestellt. Dieser hatte nämlich Kontakt zu ziemlich vielen Menschen trotz des Kontaktverbots. Und nun kann er wegen seines schlechten Zustandes kaum Angaben dazu machen, zu wem genau er Kontakt hatte.

Der Mann, der in der Gemeinde Saale-Orla-Kreis in Thüringen am Beamtungsgerät hängt, wird wegen Corona behandelt. Die Ärzte im Krankenhaus in Schleiz sind verzweifelt, denn die Kontaktpersonen herauszufiltern, erscheint alles andere als einfach.

Mann aus Thüringen hält sich nicht an Kontaktverbot während Corona

Seitens des Arbeitgebers des Patienten konnte das Gesundheitsamt mehrere Kontaktpersonen in Erfahrung bringen, doch offenbar hielt er sich im Privatleben nicht ansatzweise an die Regelungen und traf sich trotz Kontaktverbot immer wieder mit zahlreichen Menschen aus dem Ort.

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„Es hört sich schön an, wenn wir nur wenige neue Fälle haben, aber die Kontaktverfolgung zieht ungemein viel Arbeit nach sich“, sagt Dr. Torsten Bossert, Leiter des Pandemiestabs im Krankenhaus. Entscheidend ist der Faktor Zeit, um Kontaktpersonen schnellstmöglich in Quarantäne zu isolieren und einen größeren Corona-Ausbruch zu vermeiden.

„Die Zeit läuft uns davon und wir müssen uns etwas einfallen lassen, wenn wir die Kontakte nicht herausfiltern können. Im schlimmsten Fall müssen wir das ganze Dorf unter Quarantäne stellen“, meint der Mediziner weiter und ergänzt: „Es ist furchtbar, wenn sich die Leute nicht an die Regeln halten.“

Zur Not muss ein ganzes Dorf unter Quarantäne gestellt werden

Ein ganzes Dorf unter Quarantäne stellen, weil sich ein Mann nicht an das Kontaktverbot gehalten hat? Ja, im äußersten Notfall ist das auch ein Mittel zum Zweck.

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Generell stellt der Leiter des Pandemiestabs eine veränderte Wahrnehmung der Bedrohung durch Corona-Virus fest. „Das Spektrum der Personen in den Abstrichstationen hat sich grundlegend gewandelt. Vor sieben Wochen hatten alle Panik und wollten sich unbedingt testen lassen und jetzt kommen die Menschen erst, wenn es ihnen richtig schlecht geht.“

Einige Menschen sind einfach unbelehrbar

Generell stellt der Mediziner bei seinen Kontrollgängen fest, dass sich die überwiegende Mehrheit an die Vorgaben zum Infektionsschutz hält, doch die wenigen schwarzen Schafe sorgen für umso tiefere Sorgenfalten. Wohin es führen kann, wenn einmal der kritische Punkt erreicht ist, zeigt der Blick in den benachbarten Landkreis Greiz. „Wir haben im Schnitt ein, zwei Neuinfektionen am Tag und schaffen es gerade so, die nötigen Maßnahmen zu treffen. Im Landkreis Greiz waren es 70 in einer Woche“, berichtet Dr. Torsten Bossert und verdeutlicht: „Das heißt 500 bis 600 Kontaktpersonen und das ist nicht zu stemmen.“

Um eine vergleichbare Situation im Saale-Orla-Kreis zu vermeiden, dürfen sich Fälle wie der des schwer erkrankten Mannes nicht wiederholen. (fb)