Thüringen: Mediziner mit heftiger Kritik an Lockerungen – „Ich verstehe nicht...“

Ärzte befürchten Schlimmstes, wenn die Corona-Maßnahmen die Lebenswelt der Kinder noch weiter so stark beeinträchtigen.
Ärzte befürchten Schlimmstes, wenn die Corona-Maßnahmen die Lebenswelt der Kinder noch weiter so stark beeinträchtigen.
Foto: imago images / Hans Lucas (Montage)

Thüringen. Stück für Stück lockert Thüringen die Einschränkungen im Alltag. Doch während sich die einen über ihren neuesten Haarschnitt freuen, fallen die Bedürfnisse anderer einfach unter den Tisch – mit verheerenden Folgen für unser aller Zukunft, befürchten Experten.

Coronavirus in Thüringen: Kinder in Gefahr

Im Zuge der Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen schauen Kinder und Jugendliche in Thüringen nämlich weiterhin ziemlich in die Röhre. Die tatsächlichen Auswirkungen würden dabei völlig unterschätzt. Ein Kinderarzt aus Thüringen zeichnet ein düsteres Bild:

Von kranken, einsamen Kindern, von überforderten Familien, von Traumata und von familiärer Gewalt. Der Nachwuchs fliege gerade unter dem Radar der Politik, denn alle bisher beschlossenen Regelungen seien vor allem aus der Perspektive Erwachsener getroffen worden, heißt es auch von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ).

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Arzt aus Thüringen kritisiert Lockerungen

Die Kinder würden nicht gefragt, was sie in dieser Situation benötigen und was sie vermissen, was ihnen gut tut und was die Gesellschaft für sie tun kann. Die junge Generation sei abgeschottet worden, vor allem um die ältere zu schützen. Dabei lägen Studien mittlerweile nahe, dass die Erwachsenen die Kinder eher anstecken als umgekehrt, heißt es von den Medizinern. Ein schwerwiegender Vorwurf wird laut: „Die Betrachtung von Kindern nicht aus ihrer eigenen Perspektive sondern als ‚Mittel zum Zweck‘ widerspricht ihrer persönlichen Würde.“

„Das ist der Wahnsinn“, beklagt auch Dirk Rühling, ein Kinderarzt aus Weimar und der Sprecher des Thüringer Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. „Ich verstehe nicht, warum Friseure wieder öffnen dürfen, Frühförderstellen aber nicht“, so zitiert die „Thüringer Allgemeine“ den Mediziner.

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Schlimmste Befürchtungen für die Zukunft

In einer öffentlichen Stellungnahme wendeten sich jetzt weitere Kinder- und Jugendärzte mit einem Appell an die Regierung. „Wir befürchten langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit der nachwachsenden Generation, wenn die Einschränkungen in dieser Strenge lange fortbestehen“, heißt es dort.

Deswegen fordern die Mediziner, dass Experten für Kinder und Jugendliche und die Betroffenen selbst in die weiteren politischen Beratungen eingebunden werden. Erste Handlungsempfehlungen wurden gleich beigelegt. >> Hier ausführlich.

„Kinder und Jugendliche sind in der Krise bislang zu wenig gehört worden. Ihnen wollen wir eine Stimme geben!“, heißt es abschließend in dem Schreiben. (aj)