Thüringen: Parasiten-Invasion! Jetzt wird zu richtig harten Mitteln gegriffen – „große Bauchschmerzen“

Foto: imago images /blickwinkel, dpa/Bodo Schwackow

Sie haben in Thüringen ganze Ortschaften überfallen – und den Anwohnern ein Stück Lebensqualität geraubt. Jetzt wurde den Tieren ein für allemal der Kampf angesagt. Der großflächige Gift-Einsatz ist gestartet – doch die Kritik hört nicht auf!

Die Landesforstanstalt hat am Dienstag den umstrittenen Einsatz von Insektengift gegen den Schwammspinner begonnen.

Thüringen: Hubschrauber verteilen Pestizid über Wälder

Per Hubschrauber sei das Mittel Mimic am Vormittag über betroffenen Eichenwäldern in den Regionen Gotha und Sondershausen ausgebracht worden, sagte Thüringenforst-Sprecher Horst Sproßmann. Später sollten die Hubschrauber in den Forstämtern Heldburg und Weida zum Einsatz kommen. Ziel der Aktion ist es, eine erneute Massenvermehrung samt Kahlfraß des Waldes zu verhindern.

Das Mittel wird den Angaben nach in Thüringen auf 190 Hektar Wald ausgebracht.

Raupen-Invasion in Thüringen macht Schlagzeilen

Schlagzeilen hatte die Massenvermehrung des Falters voriges Jahr vor allem am Stadtrand von Gera gemacht, wo die Raupen bis in Vorgärten und Häuser gekrochen waren. Auch in anderen Thüringer Regionen waren die Raupen aufgetreten, etwa in der Gegend um Heldburg sowie in der Region Sondershausen.

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Das ist die Schwammspinner-Raupe

  • die Raupe schlüpft im Frühling mit dem Blattlaustrieb
  • sie beginnt sofort zu fressen: sechs bis zwölf Wochen dauert ihre Entwicklung, in dieser Zeit isst sie etwa einen Quadratmeter Laub
  • werden mit Hilfe langer Schwebehaare oft kilometerweit mit dem Wind getragen
  • je größer die Raupen werden, umso nachtaktiver sind sie
  • nach der Verpuppung schlüpfen die Schwammspinner zwischen Juli und Ende September

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Umstrittener Gifteinsatz in Thüringen

Der Gifteinsatz gegen den Schwammspinner wird von Umweltschützern kritisiert. So hat sich der Umweltverband Nabu bei der Landesregierung dagegen beschwert. Er sieht in der Aktion einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und warnt vor negativen Auswirkungen auf Populationen streng geschützter Arten.

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Kritik auch aus der Politik: „Das bereitet Bauchschmerzen“

Auch die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Laura Wahl, warnte vor Nebenwirkungen für Schutzgebiete. „Viele Bäume stehen wegen der Trockenheit natürlich unter Stress und der Schwammspinner stellt hier eine zusätzliche Bedrohung dar. Dass ein flächiger Pestizideinsatz die Antwort darauf sein soll, bereitet mir allerdings große Bauchschmerzen“, so Wahl. Sie forderte ein ausführliches Monitoring zur Erfolgsquote des Gifteinsatzes sowie den Auswirkungen auf die Umwelt.

Am Mittwoch wollen Vertreter von Thüringenforst, Stadt und Agrarministerium dort auf einer Pressekonferenz über das aktuelle Vorgehen informieren. (dpa, aj)