Thüringen: Kemmerich (FDP) kassiert Corona-Watsche von Lindner – und zeigt sich zerknirscht

FDP-Chef Christian Lindner (rechts) fand die Aktion von Thomas Kemmerich alles andere als gut. (Archivbild)
FDP-Chef Christian Lindner (rechts) fand die Aktion von Thomas Kemmerich alles andere als gut. (Archivbild)
Foto: imago

Gera/Erfurt. Bei Protesten gegen die Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind in mehreren Städten in Thüringen mehr als Tausend Menschen auf die Straße gegangen. Dabei blieb es nach Angaben der Polizei friedlich.

Die größte Veranstaltung in Thüringen habe mit 600 Teilnehmern in Gera stattgefunden, sagte ein Sprecher der Polizei. Darunter befanden sich auch einige AfD-Politiker wie der stellvertretende Bundessprecher Stephan Brandner, der zuletzt durch antisemitische Ausfälle aufgefallen war.

Thüringen: Schulterschluss? Kemmerich marschiert mit AfD

Mitgelaufen in Gera ist aber auch Ex-Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP). Daran gibt es in den sozialen Medien und aus der Politik teils massive Kritik.

Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) meldete sich zu Wort: „Abstand halten oder Mund/Nasenschutz/Bedeckung? - Fehlanzeige! Vorbildfunktion? - Fehlanzeige!“

Auch FDP kritisiert Kemmerich

Kritik muss Kemmerich aber auch aus den eigenen Reihen einstecken: „Wer bewusst Hygienemaßnahmen missachtet und sich mit Rechtsextremen einreiht, der ist nicht Mitte, sondern gefährdet uns alle und untergräbt die konstruktive Arbeit, die die FDP in Parlamenten und Landesregierungen seit Wochen leistet“, schreibt etwa JuLi-Chefin Ria Schröder.

FDP-Bundesvorstandsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann twitterte: “Liberal sein heißt nicht, aus Prinzip gegen etwas zu sein, gerade, wenn es Menschen schützt. Wir kümmern uns.”

Lindner watscht Kemmerich ab

Auch der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner watschte Kemmerich via Twitter ab: „Wer sich für Bürgerrechte und eine intelligente Öffnungsstrategie einsetzt, der demonstriert nicht mit obskuren Kreisen und der verzichtet nicht auf Abstand und Schutz.“ Für das Verhalten von Kemmerich habe er kein Verständnis, so Lindner.

Das sagt der Thüringer FDP-Chef

Am Sonntag zeigte sich Kemmerich zerknirscht – er räumt ein, sich während der Kundgebung in Gera falsch verhalten zu haben. Es sei ein Fehler gewesen, dass er dabei zeitweise die Abstandsregeln nicht eingehalten und auch keinen Mundschutz getragen habe, sagte der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Thüringer Landtag.

Zwar habe er vor Beginn eines sogenannten Spaziergangs auf die Einhaltung dieser Hygienevorschriften geachtet. Anschließend habe er das aber unterlassen, wie mehrere Fotos zeigen. „Dafür kann ich mich nur entschuldigen“, sagte Kemmerich.

Gleichzeitig erklärte er, es sei nie seine Absicht gewesen, mit der Kundgebung der AfD oder Verschwörungstheoretikern eine Plattform bieten zu wollen. Er sehe aber ein, dass er genau das getan habe. Er pflege jedoch keine Sympathien für die AfD. „Ich mache mit denen nichts gemeinsam, ich grüße die nicht“, sagte er. Sein Ziel sei es, die AfD politisch zu bekämpfen.

Grundsätzlich aber verteidigte Kemmerich Demonstrationen gegen corona-bedingte Einschränkungen. Viele Eltern hätten Sorgen um die Bildungschancen ihrer Kinder wegen mehrwöchigen Schulschließungen. Zudem würden viele Unternehmen um ihre Existenz bangen. Die Sorgen müssten ernst genommen werden. Es sei nicht möglich, jedes Mal einen Platz zu verlassen, wenn AfD-Anhänger dort auftauchten.

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Corona-Demo auch in Erfurt

In Erfurt gingen 400 Menschen auf die Straße. Dabei seien die Auflagen, wie beispielsweise Abstandsregelungen, teilweise nicht eingehalten worden.

Als die Beamten mit einer Auflösung der Demonstration drohten, habe sich die Lage beruhigt. (ck/dpa)