Corona-Hochburg in Thüringen kommt nicht zur Ruhe: Hier wütet das Virus weiterhin

Der Kreis Sonneberg ist der neue Corona-Hotspot in Thüringen.
Der Kreis Sonneberg ist der neue Corona-Hotspot in Thüringen.
Foto: Martin Schutt/dpa

Dass die Corona-Pandemie noch lange nicht überwunden ist, zeigt sich im Landkreis Sonneberg. Hier ist es innerhalb eines Tages zu einem neuerlichen größeren Corona-Ausbruch mit 19 Neuinfektionen gekommen. Die Zahl der Infizierten stieg von Donnerstag auf Freitag (0.00 Uhr) auf 244, wie das Landratsamt mitteilte.

Grund sei ein Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim im nördlichen Teil des Landkreises. Hier haben sich den Angaben zufolge 15 hochbetagte Bewohner eines Trakts und mehrere Pflegekräfte angesteckt. Der Kreis Sonneberg gilt seit Wochen neben dem Landkreis Greiz als Thüringer Brennpunkt der Corona-Pandemie.

Corona-Hotspot Kreis Sonneberg: Auch Pflegekräfte betroffen

Bewohner und Beschäftigte in dem betroffenen Heim waren laut Landratsamt auf das Virus getestet worden, nachdem sich eine in dem Heim lebende Frau mit dem Virus infiziert hatte. Sie hatte Symptome gezeigt und war ebenfalls getestet worden. Der betroffene Wohnbereich sei räumlich von den übrigen Bereichen der Einrichtung abgetrennt. In dem Heim sollen Personal und Bewohner erneut getestet werden.

Auch eine Mitarbeiterin eines ambulanten Pflegedienstes sei betroffen, so das Landratsamt. Zudem habe sich im westlichen Kreisgebiet eine Erzieherin infiziert. Der von 37 Kindern besuchte Kindergarten sei umgehend geschlossen worden, Kinder und Personal sollen getestet werden. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) zeigte sich angesichts der neuen Fälle besorgt.

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„Das Coronavirus ist nach wie vor da und es ist nach wie vor gefährlich“

„Unsere Warnungen der letzten Tage bestätigen sich leider: Das Coronavirus ist nach wie vor da und es ist nach wie vor gefährlich“, äußerte Werner. Die drei Ausbruchsgeschehen müssten jetzt konsequent unter Kontrolle gebracht werden. Der Landkreis sei aufgefordert worden, bis Samstagmittag einen Bericht zum Sachstand abzugeben. Vor allem gehöre die Öffnung der Innengastronomie in Gaststätten erneut auf den Prüfstand. Das vom Landratsamt vor zwei Wochen verfügte Verbot für Gaststätten, Gäste auch im Innenbereich zu bewirten, war am Donnerstag ausgelaufen.

Wegen der neuen Fälle sprang in dem Landkreis auch die Sieben-Tage-Infektionsrate über die kritische Marke von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner. Sie liegt nun bei 65,1 nach 41,1 einen Tag zuvor. Die Marke war von Bund und Ländern festgelegt worden. Wird sie überschritten, sollen Schutzmaßnahmen verhängt werden.

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Landrätin fordert Ausweitung von Corona-Tests

Unterdessen forderte die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) das Land auf, den Weg für die Ausweitung von Corona-Tests freizumachen und entsprechende Kosten zu übernehmen. Damit das Infektionsgeschehen nicht neu aufflamme, sei es dringend nötig, Kontaktpersonen von Infizierten auch dann zu testen, wenn sie noch keine Symptome zeigen, sagte Schweinsburg am Freitag. Ein solches Vorgehen wird auch vom Bundesgesundheitsministerium befürwortet.

Der Kreis Greiz habe das diese Woche mit Hilfe von drei Abstrichstellen mit erweiterten Öffnungszeiten starten wollen, erklärte die Landrätin. Doch das Land und die Krankenkassen weigerten sich ihr zufolge, die Kosten der Tests zu tragen.

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So viele Corona-Fälle gibt es in Thüringen (Stand 29. Mai):

  • Insgesamt 2.961 Infizierte
  • Jena: 157 Infizierte
  • Eichsfeld: 152 Infizierte
  • Sonneberg: 217 Infizierte
  • Gera: 231 Infizierte
  • Gotha: 297 Infizierte
  • Greiz: 620 Infizierte

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Kreis Greiz bisher Corona-Brennpunkt

Der Kreis Greiz zählte bislang bundesweit zu den Corona-Brennpunkten. Er hat unter den Landkreisen und kreisfreien Städten in Thüringen nicht nur die mit Abstand höchste Zahl bestätigter Corona-Infektionen (620), sondern auch die meisten Todesfälle (45). Am Freitag lag die Infektionsrate mit 23,4 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen unter der kritischen Marke.

Schweinsburg warnte vor einer „Scheinruhe“. Die Ausweitung der Tests sei wichtig, um künftige Infektionen einzudämmen, bevor Infizierte Covid-19-Symptome zeigen. Dazu müsse mehr und früher getestet werden. Die Landesregierung hatte kürzlich ein Konzept zur Ausweitung von Corona-Tests vorgestellt, das auch flächendeckende Tests von Pflegepersonal in Kliniken und Altenheimen ohne Vorliegen von Corona-Symptomen vorsieht.

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Zahlen weiterhin steigend in Thüringen

Landesweit hatten sich nach Angaben der Staatskanzlei bis Freitag 2961 Thüringer mit dem Coronavirus infiziert, 20 mehr als am Vortag. Allerdings sind die neuen Fälle aus dem Kreis Sonneberg hier noch nicht enthalten. 159 Thüringer sind an oder mit der durch das Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, 2570 gelten als genesen. (dpa/mb)