Corona in Thüringen: DIESE Menschen haben es jetzt besonders schwer – „Hoffe, sie halten durch“

Auch Suchtkranke haben es während der Corona-Krise in Thüringen schwer (Symbolfoto).
Auch Suchtkranke haben es während der Corona-Krise in Thüringen schwer (Symbolfoto).
Foto: picture alliance / dpa

Wenn über Opfer und Leidtragende der Corona-Krise in Thüringen gesprochen wird, so sind es meistens Gastronomen, Einzelhändler oder Familien, die im Fokus solcher Diskussionen stehen.

Doch auch andere Personen leiden schwer unter den Folgen der Corona-Pandemie – so haben es zum Beispiel Suchtkranke aus Thüringen gerade ebenfalls besonders schwer.

Thüringen: Suchtberatungsstellen alarmiert

Die Corona-Krise ist auch für Abhängige in Thüringen besonders schwierig. Das Problem: Wochenlang fanden keine Beratungen im Freistaat statt, die Suchthilfe konnte nur ihnen während dieser Zeit nur eingeschränkt helfen.Laut Angaben des Freistaats sollen sich an 48 Orten in Thüringen Suchtberatungsstellen befinden. Rund 5.500 Süchtigen soll dort pro Jahr geholfen werden.

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Während der Corona-Krise rechnen viele Suchtberatungsstellen in Thüringen jetzt allerdings mit einer hohen Zahl an Rückfällen. Viele Drogen- und Alkoholabhängige sollen mit der Krise und der außergewöhnlichen Situation einfach nicht klargekommen und ihrem Suchtdruck wieder verfallen sein.

Viele Beratungsstellen haben geschlossen

Die Angst sich mit dem Coronavirus zu infizieren und die zunehmende Überforderung mit der Gesamtsituation treiben viele Abhängige ebenfalls dazu, wieder mit dem Trinken oder dem Gebrauch von Drogen anzufangen.

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Dazu habe viele Hilfestelle wegen der Corona-Krise geschlossen – eine gefährliche Kombination.

„Die Kollegen in den Beratungsstellen in Thüringen berichten von vielen Rückfällen, auch von solchen Menschen, von denen wir das vorher nicht gedacht hätten“, sagt Sebastian Weiske, Leiter der Thüringer Landesstelle für Suchtfragen (TLS), dem MDR-Thüringen.

Diese Gruppe ist besonders gefährdet

Auch Eltern sollen vermehrt Opfer der Sucht geworden sein. Kinderbetreuung, Homeschooling, Arbeit und Haushalt sollen bei vielen an den Nerven gezerrt haben, weswegen sie sich mehr Alkohol genehmigt haben als üblich. Viele von ihnen kommen nun allerdings nicht mehr ganz davon los.

„Die vermehrten Anfragen dazu haben uns wirklich überrascht“, sagt Annette Gille in einem Gespräch mit dem MDR. Sie ist Leiterin des Suchthilfezentrums der Evangelischen Stadtmission in Erfurt.

Seit Corona habe sie unzählige Stunden am Telefon verbracht. Da persönliche Gespräche nun nicht mehr möglich sind, greifen viele zum Hörer. Trotzdem findet Anette Gille, dass die Telefonberatung ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht nicht ersetze.

„Ich hoffe, es halten alle durch“

Wie schwer die Situation für viele Suchtkranke derzeit ist, weiß auch Manuela Pehn. Sie war ebenfalls alkoholabhängig, leitet nun aber eine Selbsthilfegruppe in Erfurt.

„Wir haben uns regelmäßig über Whatsapp geschrieben, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren. Aber die Gruppenzusammengehörigkeit fehlt einfach“, erzählt sie.

Sie hofft daher darauf, dass persönliche Treffen bald wieder möglich sind und sich die Mitglieder der Selbsthilfegruppe dann auch wieder untereinander helfen könne. „Doch bis dahin müssen wir noch abwarten und ich hoffe, es halten alle durch“, sagt sie.

Beratungsstellen für Suchtkranke sind wichtig

Wie viele Menschen tatsächlich wieder rückfällig geworden sind, lässt sich erst in zwei bis drei Monaten sehen, vermuten Experten. Die Zahlen sollen zwar steigen, jedoch nicht so stark, wie angenommen.

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Mitarbeiter von Beratungsstellen in Thüringen hoffen daher, dass die Corona-Krise zeigt, wie wichtig die Beratungsstellen und Angebote im Freistaat für Abhängige sind. (kf)