Corona-Hotspot Greiz: Klinik-Mitarbeiter schildern erschreckende Szenen – „Patienten sind durchgedreht“

In vielen Krankenhäusern wie hier in Sachsen wurden Corona-Isolierstationen aufgebaut.
In vielen Krankenhäusern wie hier in Sachsen wurden Corona-Isolierstationen aufgebaut.
Foto: dpa

Greiz in Thüringen gilt als einer der Corona-Hotspots des Freistaates. In dem Ort, der rund 97.000 Einwohner hat, gab es bisher 48 Tote und knapp 700 Infizierte.

Nun haben Pfleger und Krankenschwestern der Klinik in Thüringen gegenüber der Zeit von teilweise katastrophalen Zuständen in der Klinik berichtet.

Mitarbeiter von Klinik in Thüringen mit schweren Vorwürfen gegen Klinikleitung

Sie vermuten sogar, dass die Klinik der größte Auslöser der Pandemie in Greiz gewesen und der Ort dadurch zum Hotspot geworden sei.

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„Patienten fielen aus dem Bett, sind durchgedreht, gestürzt, haben sich verlaufen, wollten wegrennen“, erzählt eine Pfelgerin. „Teilweise habe man Patienten Morphium gegeben, habe die Tür geschlossen und wusste, wenn man wiederkommt, liegt in dem Bett eine Leiche.“

Überforderung, zu viele Patienten, teilweise ein Schutzkittel für mehrere Pfleger und Ärzte – die Zustände in der Klinik in Greiz seien zwar zeitweise wie in vielen anderen Kliniken in Deutschland gewesen. Allerdings war kaum eine andere Klinik so betroffen von Corona wie Greiz. Zeitweise schaute ganz Deutschland auf den Landkreis, in dem er mit rund 75 Neuinfektionen wöchentlich deutlich über dem Grenzwert lag.

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Ärztin erzählt von schlimmen Zuständen in Krankenhaus

Eine Ärztin sagt gegenüber der Zeit, sie habe jeden Tag damit gerechnet, dass es einen Aufnahmestopp geben würde. Doch der sei nie gekommen, es habe immer nur noch mehr Patienten gegeben. Er kam selbst dann nicht, als die Krankheit unter den Mitarbeitern umging.

Viele Mitarbeiter der Klinik glauben, dass sich die Corona-Kranken den Virus erst in der Klinik eingefangen haben, weil sie wegen einer anderen Behandlung dort waren. Das wiederum dementiert die Klinik. Sie betont: „dass diese Aussage statistisch gesehen nicht haltbar ist.“

In einer Stellungnahme heißt es: „Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von nur fünf Tagen im Krankenhaus ist es oft nicht mehr nachvollziehbar, wo sich diese Patienten angesteckt haben. Es ist ebenso möglich, dass diese Patienten sich im privaten Umfeld angesteckt haben, die Virenlast aber erst im Krankenhaus so groß war, dass die Tests darauf ansprachen. Die Ansteckung im privaten Umfeld kann ebenso bei den Mitarbeitern des Krankenhauses der Fall sein.“

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Klinikleitung dementiert Vorwürfe

Auch, dass teilweise bis zu 31 Corona-Patienten auf einer Station gelegen haben, sei kein gutes Zeichen. Eine Pflegekraft sei für zehn Patienten zuständig gewesen, eine Zahl, die auch ohne Corona schon kaum zu bewältigen sei.

Die Klinik Greiz dementiert das, es habe auf den Stationen nie mehr als 25 Patienten gegeben, die von zwei Pflegekräften und zwei Helfern versorgt wurden. Für die meisten Mitarbeiter besonders unverständlich sei gewesen, dass es keinen Aufnahmestopp für geplante Operationen gegeben habe. Von der Klinikleitung heißt es dazu: Ein genereller Stopp sei nicht notwendig gewesen, es habe auch keine Anweisung dazu vom Land gegeben.

Ebenso weißt die Klinik die Mutmaßungen zurück, dass ein Großteil der Infektionen in Greiz aus dem Klinikum stamme. Sie betont, dass inzwischen nachgewiesen sei, dass zwei regionale Veranstaltungen beziehungsweise Feiern Auslöser für die vielen Corona-Infektionen in Greiz gewesen sind.

Was die Klinikleitung indes jedoch bestätigt, ist, dass es zwischen dem 19. März und dem 18. Mai insgesamt 69 infizierte Mitarbeiter gab. Seither habe es jedoch keine neuen Corona-Fälle innerhalb der Klinik-Belegschaft gegeebn. (fb mit dpa)