Thüringen: Lkw-Fahrer stehen vor großem Problem – „Das sind keine Zustände!“

Viele Trucker suchen verzweifelt nach einem Stellplatz in Thüringen. Auch Marian Toronyi kennt dieses Problem nur allzu gut.
Viele Trucker suchen verzweifelt nach einem Stellplatz in Thüringen. Auch Marian Toronyi kennt dieses Problem nur allzu gut.
Foto: dpa / picture alliance & Thüringen24 (Montage)

LKW-Fahrer haben es in Thüringen nicht einfach. Denn wenn es Nacht wird, füllen sich die Rastplätze entlang der Autobahnen. Einen Stellplatz zum Schlafen zu finden, grenzt da für viele von ihnen an einen Sechser im Lotto.

Auch Marian Toronyi kennt dieses Problem. „Nach 19.00 Uhr hast Du keine Chance auf einen Parkplatz“, sagt der 55-jährige Trucker der Deutschen Presseagentur. Dieses Mal hatte er jedoch Glück: Er findet einen Parkplatz auf dem Rastplatz Dornheimer Rieth an der Autobahn 71 Schweinfurt-Erfurt in Thüringen.

Thüringen: Viele Trucker stehen vor einem Riesen-Problem

Schon seit 21 Jahren fährt er kreuz und quer durch ganz Deutschland. Doch mit „Trucker-Romantik“ hat sein Beruf schon lange nichts mehr zu tun. „Jeder macht so sein Ding“, erzählt Toronyi.

Auf dem Parkplatz Dornheimer Rieth Ost sind acht Lkw-Stellplätze ausgewiesen. Etwa 20 Lastwagen suchten jedoch in jener Nacht einen Stellplatz.

Viele Kraftwagenfahrer müssen in Thüringen rechtswidrig parken

Deutschlandweit suchen laut einer Studie der Bundesanstalt für das Straßenwesen jede Nacht rund 23.300 Trucker vergeblich einen legalen Parkplatz entlang der Autobahnen. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung macht sogar einen Fehlbedarf von bis zu 35.000 Lkw-Stellplätzen aus.

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Das ist Thüringen:

  • der Freistaat Thüringen hat 2,1 Millionen Einwohner und ist 16.000 Quadratkilometer groß
  • Landeshauptstadt und größte Stadt: Erfurt
  • weitere wichtige Städte sind Jena, Gera und Weimar
  • liegt im Zentrum von Deutschland
  • 2.133.378 Einwohner
  • Ministerpräsident ist Bodo Ramelow (Die Linke)
  • Regierungsparteien sind Die Linke, SPD und Die Grünen

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Damit Trucker Fahrzeiten einhalten und Ruhepausen einlegen können, müssen viele ihre LKWs daher oft verbotswidrig abstellen. „Das ist vor allem mit Blick auf die Verkehrssicherheit kritisch“, meint der Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen, Oliver Reidegeld.

Nicht nur für Lkw-Fahrer in Thüringen ein großes Anliegen

Für Reidegeld ist das nicht nur für Trucker eine gefährliche Sache. Demnach schließt er nicht aus, dass PKW-Fahrer im Dunkeln leicht in kaum sichtbare Lkw-Anhänger fahren könnten, die nicht auf ausgewiesen Parkplätzen stehen. Obwohl in den vergangenen Jahren viele neue Stellplätze für Lastwagen geschaffen worden seien, reichten die bisherigen Bemühungen bei Weitem nicht aus.

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Ein Lösungsvorschlag könnte das sogenannte Kolonnenparken sein. Damit Parkflächen besser genutzt werden können, weist ein Computer Lkw-Fahrern ihre Plätze zu. Ein entsprechendes Pilotprojekt läuft laut ADAC bereits an einer Rastanlage in Bayern.

Im größten Bundesland sowie in Nordrhein-Westfalen fehlen laut der Studie die meisten Parkplätze.

In Thüringen fehlen ebenfalls viele Stellplätze

Doch auch an den fünf durch Thüringen führenden Autobahnen sieht es nicht besser aus. Laut dem Verkehrsministerium in Erfurt fehlen im Freistaat 942 Lkw-Stellplätze. „Der Güterverkehr wächst stetig“, erklärt Verkehrsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) die Misere. Der Ausbau der Rastanlagen und Stellplätze könne damit kaum Schritt halten, denn die Planungen seien zeitaufwendig.

„Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an der Erweiterung von acht Anlagen für mehr Lkw-Stellplätze“, sagt Hoff. Bis 2028 sollen an der A4 Eisenach-Dresden, der A9 Berlin-München, der Südharzautobahn A38 und der A71 insgesamt 441 neue Parkplätze für Lastwagen entstehen, so der Verkehrsminister.

Im kommenden Jahr wird allerdings der Bund die Autobahnen in eigene Verantwortung übernehmen und somit auch für die Planung und den Bau der Rastanlagen zuständig sein.

Nicht nur Rastplätze in Thüringen sollen entlastet werden

Damit neben den Lkw-Fahrern auch die Straßen und die Umwelt entlastet werden können, muss laut Minister Hoff ebenfalls der Gütertransport auf der Schiene weiter ausgebaut werden. Der Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes Thüringen des Verkehrsgewerbes, Martin Kammer, sieht darin jedoch nur eine Lösung für Massengüter.

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Für die vielen Online-Bestellungen sei der Plan keine Lösung. Viele Pakete müssen nämlich innerhalb kürzester Zeit zugestellt werden. „Wir sehen die Situation an den Rastanlagen sehr kritisch“, meint auch Kammer.

Keine Zustände für Fahrer in Thüringen

Trucker könnten bei der Suche nach einem Stellplatz auch in Gewerbegebiete ausweichen. Allerdings werde auch das immer schwieriger, weil die Kommunen aufgrund des in der Vergangenheit dort weggeworfenen Mülls immer öfter Parkverbote erlassen, schildert Kammer. Hinzu kommt, dass Fahrer auf privaten Autohöfen häufig viel Geld zahlen müssen.

„Das sind keine Zustände“, schimpft Bernd Treffkorn, Projektleiter des Fernfahrer-Nothilfe-Services. „Es wird alles auf den Rücken der Fernfahrer ausgetragen.“

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Er vertritt die Meinung, dass die Politik endlich neue Möglichkeiten schaffen muss, damit Trucker ihre Lenk- und Ruhezeiten auch einhalten könnten. Die schlimme Parkplatzsituation sei schon lange bekannt. Doch bis sich etwas ändern werde, sagt Treffkorn, stünden die Fernfahrer weiter vor dem Problem: „Wenn voll ist, ist voll.“ (kf)