Thüringen: Verfassungsschützer warnt vor Neonazis – „enthemmte Szene“

Verfassungsschutzchef Stephan Kramer warnt vor einer „enthemmten Neonazi-Szene“ in Thüringen.
Verfassungsschutzchef Stephan Kramer warnt vor einer „enthemmten Neonazi-Szene“ in Thüringen.
Foto: imago images / Jacob Schröter/Michael Trammer

Erfurt. In Thüringen, gerade in der Hauptstadt Erfurt, haben sich in den vergangenen Wochen mehrere Gewalttaten ereignet, die rechtsextremen Tätern zugeordnet werden.

Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer spricht in einem Interview mit der Zeitung „Welt“ von einer „neuen Qualität“ der Taten.

Und er warnt: „Es wäre ein grober Irrtum zu glauben, dass ...“

Thüringen: Verfassungsschutzchef warnt – „enthemmte Szene“

Die Gewaltbereitschaft bei Mitgliedern rechtsextremer Organisationen sei hoch, so Kramer. Gerade eine Vereinigung, die sich im Südosten Erfurts angesiedelt haben, würde sehr radikal vorgehen. Mitglieder des sogenannten „Dritten Wegs“ würden unter anderem Kommunalpolitiker anderer Parteien massiv einschüchtern.

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Es wäre ein grober Irrtum zu glauben, dass Neonazis in Thüringen nur in den ländlichen Regionen anzutreffen sind“, sagt Kramer gegenüber der „Welt“.

Dass Angriffe inzwischen mitten in der Stadt passieren, wie vor einigen Wochen vor der Thüringer Staatskanzlei, zeige, „wie enthemmt in der Szene inzwischen vorgegangen wird“.

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Hochburg für Neonazis

In Thüringen sei über Jahre zu wenig Druck auf die rechtsextreme Szene ausgeübt worden, so Kramer. Das habe den Freistaat zu einer Hochburg für Neonazis gemacht.

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Erst seit einigen Jahren würden die Behörden konsequenter vorgehen. „Aufmärsche werden entweder deutlich geschmälert oder ganz verhindert. Trotzdem konnte sich die Szene zuvor viele Jahre lang in Thüringen ungehindert festsetzen. Die wurden sehr selbstsicher.“

Das volle Interview mit dem Chef des Thüringer Amts für Verfassungsschutz liest du bei der „Welt“. (fno)