Thüringen: Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer weiter gefordert – Doch die Aufgaben haben sich geändert

Foto: Imago

Fünf Jahre ist es her, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den berühmten Satz „Wir schaffen das“ im Zuge der Flüchtlingskrise gesagt hat. Auch in Thüringen wurden 2015 tausende Flüchtlinge aufgenommen.

Damals wie heute gefordert: ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. Noch imer werden sie benötigt. Doch mittlerweile haben sich ihre Aufgaben in Thüringen verändert.

Thüringen: Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer weiter gefordert – Doch die Aufgaben haben sich geändert

„Es müssen keine Kleiderspenden mehr sortiert werden wie damals, heute geht es um Wohnungssuche, Arbeitserlaubnisse und ums Bleibendürfen“, sagte Martin Arnold vom Flüchtlingsrat Thüringen der Deutschen Presse-Agentur. „Das sind oft hochkomplexe Problemlagen.“ Zudem habe die Corona-Krise für einen besonderen Unterstützungsbedarf gesorgt. Ehrenamtler seien vielerorts beispielsweise für wochenlang geschlossene Beratungsstellen und Begegnungszentren eingesprungen.

------------------------------

Mehr Nachrichten aus Thüringen:

Kaufland in Erfurt: Kunde blickt in Werbeprospekt und muss lachen – „Herrlich. Nichts wie hin!“

Hund: Wenn du HIER in Erfurt mit deinem Vierbeiner unterwegs bist, musst du richtig aufpassen

--------------------

„Zum Beispiel waren Informationen über Corona fast nur auf Deutsch erhältlich“, sagte Lisa Schäder vom Flüchtlingsnetzwerk Ilmenau. Das Netzwerk mit einem harten Kern von 40 Aktiven habe deshalb mit Hilfe ausländischer Studierender eine Internetseite mit mehrsprachigen Corona-Informationen aufgebaut. Auch Nachhilfe für schulpflichtige Kinder in den Monaten geschlossener Schulen sei gefragt gewesen. Das hat auch der Verein „Schrankenlos“ in Nordhausen, der den Einsatz von Ehrenamtlern koordiniert, beobachtet.

Wie vielerorts in Deutschland hatten sich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingszuwanderung im Herbst 2015 auch in Thüringen viele Menschen um die Neuankömmlinge gekümmert, gedolmetscht, behelfsmäßige Sprachkurse übernommen, Spenden gesammelt oder in Kleiderkammern geholfen. Die Hilfsbereitschaft sei so groß gewesen, dass teilweise gar nicht alle Freiwilligen hätten eingebunden werden können, hieß es vom Flüchtlingsnetzwerk Ilmenau.

___________

Weitere Themen:

Amazon-Pläne in Gera: Stadtverwaltung gibt bekannt, dass...

Corona in Thüringen: Corona-Leugner drohen Erfurter Vize-Schulleiter ++ Kita-Kind infiziert

Bodo Ramelow mit überraschender Aussage über Minderheitsregierung: „Hochspannend“

___________

Ein Teil der Helfer der ersten Stunden hat sich wieder zurückgezogen - laut Flüchtlingsrat teilweise auch deswegen, weil die Geflüchteten in andere Orte oder Bundesländer weitergezogen sind. Der Verein „Schrankenlos“ hatte seinerzeit rund 150 Anfragen von Hilfswilligen bekommen, so Geschäftsführerin Stephanie Tiepelmann-Halm. „Momentan sind noch 30 Ehrenamtler in der Kartei, davon 15 sehr aktiv.“ In Spitzenzeiten habe der Verein 700 Geflüchtete betreut.

Thüringen: Exakte Zahl Flüchtlingshelfer nicht bekannt

der Wie viele Thüringer sich heute in der Flüchtlingshilfe engagieren, ist nicht genau bekannt. Der Flüchtlingsrat geht von rund 40 aktiven Gruppen aus, helfende Nachbarn oder andere Privatleute nicht eingerechnet. An einer nicht repräsentativen Erhebung der Thüringer Migrationsbeauftragten Mirjam Kruppa unter Flüchtlingshelfern im vergangenen Jahr hatten sich 500 Menschen beteiligt.

Die Begleitung zu Behörden, Vermietern und die Unterstützung bei der Arbeitssuche macht heute den Großteil ihrer Arbeit aus. „Gerade die Wohnungssuche wird zunehmend problematischer“, sagte Arnold. „Vermieter, auch große Wohnungsunternehmen, sind oft nicht bereit, an Ausländer zu vermieten.“ Die Begleitung der Migranten auf Wohnungssuche durch Helfer könne hier durchaus etwas bewirken, hat Tiepelmann-Halm beobachtet. „Dann geht oft noch was.“ Behörden wie das Jobcenter oder das Standesamt oder auch Ärzte wiederum seien in der Regel sehr froh, wenn Geflüchtete von Helfern begleitet würden, so das Flüchtlingsnetzwerk Ilmenau.

Verschärft hat sich in den vergangenen Jahren der Ton gegenüber den Helfern, wie diese beobachten. „Sie werden oft für ihr Engagement angefeindet“, sagt Arnold. Der Nordhäuser Verein „Schrankenlos“ hat Helfern deswegen schon ein Argumentationstraining angeboten, damit diese gegenhalten können. (pg mit dpa)