Bodo Ramelow tief betrübt nach Moria-Drama: „Schandvolle Hauptrolle“

Bodo Ramelow findet eindringliche Worte nach dem Großbrand in Moria: „Mein Europa ist ein anderes. Dafür kämpfe ich.“
Bodo Ramelow findet eindringliche Worte nach dem Großbrand in Moria: „Mein Europa ist ein anderes. Dafür kämpfe ich.“
Foto: imago images / pictureteam / ANE Edition

Die Situation in dem größten Flüchtlingslager Europas auf der griechischen Insel Lesbos war schon seit Jahren dramatisch, das Camp war völlig überfüllt. Jetzt hat die Lage in Moria noch mal ein neues Ausmaß der Not angenommen, nachdem vergangene Nacht ein Großbrand das Lager vollständig zerstörte: 13.000 Menschen haben nun keine Bleibe mehr. Alleine gut 400 unbegleitete Kinder lebten in Moria.

Nach dem Moria-Drama hat sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow nun tief betrübt zu Wort gemeldet. Er spricht von einer „schandvollen Hauptrolle“ und stellt eine klare Forderung.

Bodo Ramelow: Ministerpräsident zeigt sich tief betrübt nach Moria-Drama

Zahlreiche Bilder und Videos von dem verheerenden Feuer in Moria haben am Mittwochmorgen für Schrecken gesorgt; sie stießen aber auch eine neue Debatte an. Bodo Ramelow zeigte sich über Facebook bestürzt über die aktuelle Situation in Moria.

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Er schreibt: „Die Bilder, die uns heute aus Moria erreichen, sind nur ein weiterer Akt eines endlosen Dramas, in dem Europa eine schandvolle Hauptrolle spielt.“ Die Lebensbedingungen für Geflüchtete auf den griechischen Inseln seien seit langer Zeit eine permanente Bankrotterklärung all dessen, wofür Europa stehen sollte. Brandstiftung gehöre bestraft.

Der Ministerpräsident stellt zudem klar: „Und nein, nicht erst das brennende Lager drängt zum Handeln.“ Doch spätestens jetzt sei es an der Zeit, den geflüchteten Menschen aus Moria zu helfen die griechische Insel zu entlasten. Denn: „Wer noch immer nicht einsieht, dass angesichts dieser inhumanen Situation endlich die Aufnahmeverfahren beschleunigt und Schutzsuchende in der EU verteilt werden müssen, verrät jeden europäischen Gedanken von Solidarität, Geschwisterlichkeit und Menschlichkeit.“

Dabei sagt Ramelow: „Thüringen ist bereit, seinen Beitrag zu leisten. Wenn Innenminister Seehofer weiterhin unsere humanitäre Hilfszusage ablehnt, muss er die von uns angebotenen Kontingente im Bund aufnehmen.“ „Prinzipienstreiterei ist jetzt absolut fehl am Platze“, mahnt er an.

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Der Ministerpräsident aus Thüringen erinnert zudem daran: „Das Europa, in dem wir heute leben, wurde einmal gegründet auf den Trümmern eines durch Deutschland entfesselten Weltkrieges als ein Versprechen an die Welt - als Versprechen, dass nie mehr Geflüchtete als entrechtete und staatenlose Menschen für vogelfrei erklärt werden, als Versprechen, dass Freiheit, Demokratie und vor allem die Würde eines jeden Einzelnen - woher er auch immer kommt - unverhandelbar sein müssen.“ Wer dieses Fundament untergrabe, laufe Gefahr, das europäische Wertehaus endgültig zum Einsturz zu bringen, so die Worte des Politikers.

Seehofer hält weiter an Flüchtlingspolitik fest

Auch andere Landespolitiker ebenso wie der Koalitionspartner SPD forderten nach dem Moria-Drama schnelle Hilfe für Griechenland und die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem zerstörten Lager. Damit wächst der Druck auf die Bundesregierung. Innenministers Horst Seehofer hatte sich bisher immer geweigert, weitere Flüchtlinge aus den griechischen Inseln aufzunehmen.

In Bezug auf den Großbrand in Moria teilt ein Sprecher von Seehofer am Mittwoch lediglich mit: „Die aktuelle Situation stellt uns vor Herausforderungen, aber das ist kein Grund, unsere bisherige Rechtsordnung infrage zu stellen.“

Griechenland ruft Notstand aus

Währenddessen hat auf Lesvos die Suche nach neuen Unterkünften für die Tausenden obdachlos gewordenen Menschen begonnen. Die griechische Regierung rief am Mittwochmorgen nach einem Krisengespräch den Notstand für vier Monate auf der Insel aus.

Der stellvertretende Minister für Asyl und Migration, Georgios Koumoutsakos, sprach von einer „großen humanitären Krise“ und versprach, es werde „alles Menschenmögliche getan, um mit einer sehr schwierigen Situation fertig zu werden“.

Hat das Moria-Drama die Länder der EU damit nun wachgerüttelt, sodass Taten folgen werden? Oder aber wird Deutschland und die EU Griechenland mit der Bewerkstelligung des Flüchtlingsdramas am Mittelmeer und damit an der EU-Außengrenze alleine lassen werden? – Das bleibt wohl abzuwarten.