Warntag 2020 in Thüringen: Darum blieben viele Sirenen still!

Warntag 2020: Nicht alle Thüringer wurden am Donnerstag rechtzeitig gewarnt.
Warntag 2020: Nicht alle Thüringer wurden am Donnerstag rechtzeitig gewarnt.
Foto: imago images/localpic

Thüringen. Er wurde lange erwartet: Beim bundesweiten Warntag 2020 sollten in Thüringen die Sirenen heulen, um einen Katastrophenfall zu simulieren.

Tagelang wurde vorher auf die Übung hingewiesen und Warnungen verschickt, wie laut es am Donnerstagvormittag werden könnte. Nun war es soweit – doch viele Thüringer warteten vergebens.

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Warntag 2020: Sirenen sollten heulen – doch viele Thüringer wundern sich

Um 11 Uhr sollte der Warntag 2020 losgehen, die Thüringer erwarteten lautes Sirenen-Geheul und Warnhinweise über Apps oder Fernsehen. Doch der Warntag 2020 kam und ging – vielerorts ohne irgendwelche ungewöhnlichen Vorkommnisse.

„War alles ruhig, Hund hat geschlafen, Sirenen auch“, berichtet eine Frau aus Sömmerda. Auch in Erfurt seien keine Sirenen gehört worden. Kurzum: Viele Bürger in den Städten haben vom Probealarm überhaupt nichts mitbekommen.

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Das liege daran, dass viele der Sirenen außerhalb einer Stadt angebracht sind, an den Feuerwachen in den Ortsteilen etwa. In Erfurt haben acht Sirenen in den umliegenden Ortsteilen am Donnerstag ausgelöst, berichtet Stadtsprecherin Anja Schultz. Zwei moblile Sirenen – eine im Süden der Stadt in der Wilhelm-Wolf-Straße und eine in der Hauptzentrale in Marbach – hätten ebenfalls ausgelöst.

Nicht für Probealarm ausgelegt – deswegen blieben einige Sirenen still

Von 21 Sirenenanlagen in Erfurt ist am Donnerstag bei 8 der Probealarm angegangen. Feuerwehrsprecher Lars Angler erklärt: „Es gibt verschiedene Warnsignale: Zum Beispiel Feueralarm und Entwarnung.“ Für den Probealarm sollte ein Sirenenton aus 6 Tönen von je 5 Sekunden Dauer mit je 5 Sekunden Pause zwi­schen den Tönen zu hören sein – dafür sind viele Sirenenanlagen schlichtweg nicht ausgestattet, so der Feuerwehrsprecher.

In diesen Ortsteilen haben die Sirenen ausgelöst:

  • Büßleben
  • Kerspleben
  • Töttleben
  • Rohda
  • Niedernissa
  • Linderbach
  • Azmannsdorf
  • Urbich

Die Erfurter Innenstadt ist noch nicht mit der Technik abgedeckt, berichtet Angler. Viele Sirenen wurden in den 90er Jahren zunächst abgebaut – um jetzt wieder aufgebaut zu werden. Aber das dauert. „Man braucht einen geeigneten Platz und es ist nicht günstig“, so Angler. Bis 2035 sollen alle Gebiete abgedeckt sein.

Ob pünktlich zum nächsten Probealarm – im nächsten Jahr zurselben Zeit – schon weitere Sirenenanlagen installiert werden konnten, bleibt abzuwarten.

Warn-App mit Störungen

Die Warn-App „Nina“ dagegen soll viele Menschen gar nicht oder erst zu spät informiert haben. Manche Warnmeldungen seien erst eine halbe Stunde später erschienen. Teilweise sei das Netz überlastet gewesen, so eine Sprecherin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gegenüber der .

Flächendeckendes Netz in Thüringen nicht möglich?

In Thüringen wollen Kommunen wieder stärker auf Sirenen setzen, um Einwohner vor Gefahr zu warnen oder die Feuerwehr zu alarmieren. Gab es 2013 2201 Sirenen im Freistaat, waren es Anfang dieses Jahres 2281, wie das Innenministerium auf Anfrage mitteilte.

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Doch warum braucht es in Zeiten von Handy-Apps überhaupt noch Sirenen? Wichtig sei, die Menschen im Ernstfall auf verschiedenen Wegen zu warnen, betonte Oschmann. Denn ein Handynutzer könnte sich in einem Funkloch befinden oder der Akku leer sein. Und Einwohner müssen auch nachts gewarnt werden können, wenn Sie schlafen und Radio, Fernseher oder Handy ausgeschaltet oder lautlos sind.

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Beim ersten bundesweiten Warntag an diesem Donnerstag sollten auch in Thüringen um 11 Uhr vielerorts die Sirenen heulen, Warn-Apps auf dem Handy blinken und digitale Anzeigentafeln Warnhinweise geben; auch Radio und Fernsehen sollten einbezogen werden. Laut Ministerium beteiligen sich die Kommunen auf freiwilliger Basis an der Aktion.

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CDU: Thüringer Gemeinden schlecht vorbereitet

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jonas Urbach hält viele Thüringer Gemeinden allerdings für schlecht vorbereitet auf den ersten Warntag. „Während der vergangenen Jahre wurde nicht mehr in die technische Ausrüstung der Sirenen im Freistaat investiert. Nun sind viele der Anlagen nicht mehr in der Lage, den geforderten einminütigen Alarmton für den Katastrophenfall zu halten.“

Beispielsweise könne sich in seiner Heimatregion, dem Unstrut-Hainich-Kreis, derzeit keine einzige Anlage an dem Warntag beteiligen. „Zwar wird die Bevölkerung auch per WhatsApp, TV oder Radio über Katastrophen informiert“, so Urbach weiter, „doch sind es beispielsweise nachts die Sirenen, die die Besitzer der technischen Geräte erst darauf aufmerksam machen, dass solche Informationen überhaupt verbreitet werden.“ Insofern sei ein funktionierendes, flächendeckendes Sirenen-Warnsystem ein wichtiger Baustein für die Meldewege im Katastrophenfall.

Viele Sirenen wurden abgebaut

Das Land hat in den vergangenen drei Jahren die Kommunen bei der Anschaffung von Sirenen mit rund 118.000 Euro unterstützt. Der Ausbau des Sirenennetzes sowie die Umrüstung bestehender Anlagen auf weitere Warntöne werde noch Jahre dauern, hieß es. Denn nur 276 Sirenen seien derzeit in der Lage, alle Töne zu versenden.

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Den Angaben nach war mit dem Ende des Kalten Krieges die Bedeutung eines Warnsystems für die Bevölkerung geschwunden. Die Folge: Vielerorts wurden Sirenen abgebaut, etwa nach technischen Defekten. Ein Umdenken erfolgte in den 2000er Jahren.

„Wir sind wieder im Aufbau eines Sirenennetzes, aber es ist noch keine Flächendeckung vorhanden“, erklärte der Vorsitzende des Thüringer Feuerwehr-Verbandes, Lars Oschmann. Lücken gebe es vor allem in den Städten, aber auch beim Wissen um die einzelnen Warnsignale. (fno mit dpa)