AfD-Beben in Gera: Auschwitz Komitee ist völlig entsetzt – „schlichtweg unvorstellbar“

Einen Tag nach der Wahl eines AfD-Politikers an die Spitze des Geraer Stadtrates mit Stimmen anderer Parteien schlägt die Kritik daran hohe Wellen. (Symbolbild)
Einen Tag nach der Wahl eines AfD-Politikers an die Spitze des Geraer Stadtrates mit Stimmen anderer Parteien schlägt die Kritik daran hohe Wellen. (Symbolbild)
Foto: Daniel Karmann/dpa

Gera. Das Internationale Auschwitz Komitee hat die Wahl eines AfD-Politikers an die Spitze des Stadtrates von Gera scharf kritisiert.

„Für die Menschen in Gera und für Geras Wirkung nach außen ist dies ein verheerendes Signal“, erklärte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, am Freitag mit Blick auf die AfD.

Auschwitz Komitee: „Zusammenbruch an Glaubwürdigkeit“

Die Wahl des AfD-Repräsentanten Reinhard Etzrodt müssefür die „Überlebenden von Auschwitz wie Hohn in den Ohren klingen“.

Wenn Stadtverordnete einen Vertreter der AfD zu ihrem obersten Repräsentanten wählten, sei das „ein Zusammenbruch an Glaubwürdigkeit und eine Destabilisierung der Demokratie“, sagte der Exekutiv-Vizepräsident. Es sei für Überlebende des Holocausts „schlichtweg unvorstellbar.“

Gera: AfD-Mann an die Spitze des Stadtrates gewählt

In seiner Sitzung am Donnerstagabend hatte der Geraer Stadtrat Etzrodt zum Vorsitzenden gewählt. Der Arzt im Ruhestand erhielt 23 von 40 Stimmen. Die AfD selbst verfügt nur über zwölf Plätze in dem Kommunalparlament.

Der Wahlausgang sorgte noch am Abend für heftige Reaktionen. Unter anderem erhob die Linke-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow schwere Vorwürfe gegen die CDU und schrieb auf Twitter: „Wie kann eine demokratische Partei, die sie sein wollen, immer wieder Handlanger einer extrem rechten Partei sein?“

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CDU weist Kritik zurück: AfD-Mann nicht gewählt

CDU-Landeschef Christian Hirte wies dies zurück: „Die CDU hat sich in der Fraktion in Gera klar darauf verständigt, den AfD-Kandidaten nicht zu wählen.“ Genau so sei dies auch erfolgt.

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Das glaubt ihm Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) nicht.

Die Thüringer CDU müsse erklären, wie sie „gemeinsame Sache mit Demokratieverächtern“ machen könne, twitterte sie.

Kellner: „Es tut mir persönlich weh“

Am Samstag meldete sich auch Michael Kellner, Politischer Bundesgeschäftsführer der Grünen, zu Wort. Auch er sieht die CDU in der Verantwortung. „Es liegt an der CDU aufzuklären, welche Rolle sie dabei gespielt hat“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Es tut mir persönlich weh zu sehen, dass in meiner Geburtsstadt Gera ein Vertreter der AfD zum Vorsitzenden des Stadtrats gewählt wurde“, sagte Kellner. Demokratische Parteien hätten den Kandidaten einer rechtsradikalen Partei mitgewählt.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte zuvor außerdem moniert, dass CDU und AfD schon zuvor im Stadtrat zusammengearbeitet hätten. Drei gemeinsam von CDU und AfD unterschriebene Anträge im Stadtrat sprächen eine eindeutige Sprache. (dpa)