Thüringen: Alarmierende Zahlen! Jedes vierte Kind ist im Freistaat betroffen

Ein Junge macht Übungen in einer logopädischen Praxis mit einem Trinkhalm und Puffreis.
Ein Junge macht Übungen in einer logopädischen Praxis mit einem Trinkhalm und Puffreis.
Foto: imago images/DATA73

Die Zahlen sind alarmierend und sie steigen weiter.

Behandlungen bei Kindern mit Sprechstörungen nehmen in Thüringen zu. Nach Zahlen der gesetzlichen Krankenkassen haben Ärzte im Jahr 2019 knapp 27 000 Rezepte für eine Sprachtherapie für Heranwachsende bis zum 15. Lebensjahr ausgestellt.

Kinder in Thüringen haben immer häufiger Sprechstörungen

2018 waren es rund 25 700, wie eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse unter Berufung auf Daten des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen sagte.

Im ersten Quartal dieses Jahres setzte sich der Aufwärtstrend fort. Für die Zeit danach - in die auch der wochenlange Lockdown wegen der Corona-Pandemie fiel - liegen bislang keine Abrechnungsdaten vor.

>> Corona aktuell in Thüringen: Gera wird Corona-Hotspot! Herbstvolksfest soll trotzdem starten

Wie wird eine Sprechstörungen festgestellt?

Die jährlichen Schuleingangsuntersuchungen durch die Gesundheitsämter fördern seit Jahren einen steigenden Anteil von Schulanfängern mit Sprech-, Sprach- und Stimmstörungen zutage.

Im Untersuchungsjahr 2018 war mit einem Anteil von 25,8 Prozent mehr als jedes vierte Kind dieser Altersgruppe betroffen, wie aus Daten des Landesverwaltungsamtes hervorgeht. 2010 hatte der Anteil der sprachgestörten Kinder bei 22,6 Prozent gelegen.

______________

Mehr Themen aus Thüringen:

______________

Wann treten Sprechstörungen bei Kindern auf?

Nach Angaben der Bildungsforscherin Sandra Neumann von der Universität Erfurt treten Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern entweder als Folge einer Vorerkrankung, zum Beispiel einer Hörstörung, oder separat im Laufe des Sprechenlernens auf.

Dabei geht es um Defizite bei der Aussprache, dem Wortschatz, der Grammatik oder dem Kommunikationsverhalten der Kinder. Je nach Schweregrad könne sich diese Störung langfristig auf die Entwicklung eines Kindes auswirken.

Betroffene Kinder seien beispielsweise oft ängstlicher oder hyperaktiver als andere Kinder.

„Die Ursache wird bei den Eltern gesucht“

Häufig werde das Verhalten betroffener Kinder fälschlicherweise als unaufmerksames oder schlechtes Verhalten interpretiert, sagte die Bildungsforscherin. „Dem Kind werden dann allgemeine Lernschwierigkeiten unterstellt oder die Ursache wird bei den Eltern gesucht.“

Der 16. Oktober ist der internationale Tag der Sprachentwicklungsstörungen. An den Aktionen ist auch die Universität Erfurt beteiligt. Sie hat ein Online-Quiz zu diesem Thema entwickelt. (dpa)