Bodo Ramelow spricht mit Botschafter über schwedischen Sonderweg: „Probleme identifiziert“

Bodo Ramelow sprach lange mit dem schwedischem Botschafter über den schwedischen Sonderweg. (Symbolbild)
Bodo Ramelow sprach lange mit dem schwedischem Botschafter über den schwedischen Sonderweg. (Symbolbild)
Foto: imago images/Jacob Schröter

Am Dienstag und damit einen Tag vor dem großen Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Merkel und den 16 Ministerpräsidenten der Länder hat sich Bodo Ramelow mit dem schwedischen Botschafter Per Thöressen in Thüringen getroffen.

Dabei sprachen sie über den umstrittenen schwedischen Sonderweg, der die Corona-Zahlen in Schweden zuletzt stark sinken ließ. Der Ministerpräsident sprach schließlich davon, dass die „Probleme identifiziert“ seien.

Bodo Ramelow tauscht sich mit schwedischem Botschafter über Corona aus

Keine Maskenpflicht, keine geschlossenen Lokale oder Schulen: Schweden fährt eine in vieler Hinsicht andere Corona-Strategie als die meisten anderen Länder. Ob der schwedische Sonderweg besser oder schlechter ist, darüber wird seit Monaten heftig gestritten.

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Bodo Ramelow jedenfalls ist durchaus überzeugt von der Art und Weise, wie die Schweden die Corona-Pandemie bekämpfen. Vergangenen Dienstag führte er umfangreiche Gespräche mit dem schwedischen Botschafter Per Thöressen.

Am Donnerstag sprach der Thüringer Ministerpräsident in der Talkshow von Maybrit Illner über das Treffen. Ein Vergleich mit dem Schwedischen Modell und der Situation in Deutschland sei „interessant“ gewesen. Denn während in Deutschland „nach der Strafe, dem Ordnungsgeld, und nach der Kontrolle“ gefragt werde, würden die Corona-Regeln in Schweden eingehalten werden. „Ein Schwede (kann deshalb) nur den Kopf schütteln“, so Ramelow.

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Schweden verzeichnet nicht nur Erfolge

Tatsächlich fährt Schweden eine deutlich lockere Corona-Strategie. Dort blieben die Schulen auch auf dem Höhepunkt der Pandemie offen, ebenso wie Restaurants, Kneipen, Geschäfte und eine ganze Reihe anderer Einrichtungen.

Öffentliche Versammlungen mit mehr als 50 Leuten bleiben hingegen verboten, Besuche in Altersheimen ebenfalls, in Lokalen darf nur am Tisch bedient werden. Der Architekt der schwedischen Corona-Strategie, der Staatsepidemiologe Anders Tegnell empfiehlt zudem, auch im Herbst im Homeoffice zu arbeiten. Die erhoffte Herdenimmunität – wenn ein Virusausbruch abklingt, weil immer mehr Menschen immun sind, da sie die Krankheit hinter sich haben oder geimpft wurden – ist derweil bis heute ausgeblieben.

Zwar brach das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um satte 8,6 Prozent ein, so stark wie seit mindestens 40 Jahren nicht. Der Rückgang lag jedoch unter den 10,1 Prozent, um die die deutsche Wirtschaft nach bisherigen Zahlen schrumpfte. Andere EU-Mitglieder wie Spanien und Italien haben noch heftigere Einbrüche zu verkraften.

Seit der ersten bestätigten Infektion Ende Januar wurde das Virus in Schweden bei mehr als 83.000 Menschen nachgewiesen. Fast 5800 Menschen mit Corona-Infektion sind gestorben. Im April gab es mehr als 100 Tote täglich. Besonders viele ältere Menschen starben dort an dem Coronavirus. Tegnell gab zu: „Unser großes Versagen lag im Bereich der Langzeit- und Altenpflege. Die regionalen Ämter hätten besser vorbereitet sein müssen, dann hätte es weniger Tote gegeben.“ Auf die Einwohnerzahl gerechnet starben damit bis heute etwa fünfmal so viele Infizierte wie in Deutschland oder Dänemark. Auch die Gesamtzahl der Infektionen liegt um ein Vielfaches höher.

Doch zuletzt ging die Zahl der Neuinfektionen in Schweden seit Ende Juli deutlich zurück. Pro Tag kommen mittlerweile nur einige hundert neue Fälle hinzu. Auf der Intensivstation liegen heute deutlich weniger Corona-Patienten. Die Zahl der täglichen Todesfälle ist konstant niedrig, wie Tegnell diese Woche nochmals unterstrich. Im Hinblick auf die Einwohnerzahl infizierten sich in Schweden in den vergangenen 14 Tagen dennoch mehr als doppelt so viele Menschen wie in Deutschland. Auch die Todesrate ist höher als in den meisten EU-Ländern.

Ramelow offenbar überzeugt von schwedischem Sonderweg

Ob der Schwedische Sonderweg also der bessere ist, darüber lässt sich weiter streiten. Bodo Ramelow zumindest scheint von der Corona-Strategie keineswegs abgeneigt zu sein. Zu der hohen Todeszahl im April sagt Ramelow: „Aber seitdem diese Probleme identifiziert seien, habe sich wieder eine durchschnittliche Rate entwickelt. Derzeit auch unterhalb der Deutschen.“ (dpa, nk)

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