Thüringen: Sparkassen-Sterben auf dem Land – Geschäftsführer mit bitterer Prognose

In Thüringen schließen immer mehr Sparkassen-Filialen – die Corona-Krise verstärkt diese Entwicklung. (Symbolfoto)
In Thüringen schließen immer mehr Sparkassen-Filialen – die Corona-Krise verstärkt diese Entwicklung. (Symbolfoto)
Foto: imago stock&people gmbh

Erfurt. Trauriger Trend in den ländlichen Teilen von Thüringen: Dort schließen immer mehr Sparkassen-Filialen, für die Bewohner vor Ort gibt es keinen persönlichen Kundenservice mehr.

Die CDU-Fraktion in Thüringen kritisiert diesen Umstand heftig, will die Landesregierung in die Pflicht nehmen. Doch Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, sieht darin keine Lösung.

Thüringen: Anzahl der Sparkassen-Geschäfte hat sich mehr als halbiert

Es ist eine Entwicklung, die nicht zu übersehen ist: Immer mehr Sparkassen auf dem Land in Thüringen machen dicht, ganze Orte sind ohne Filiale. Laut Haupt gibt es aktuell noch 229 Sparkassen-Filialen in Thüringen – im Jahr 2000 waren es noch 521.

Maik Kollwack, finanzpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion fordert daher, dass die Landesregierung dem „schleichenden Rückzug der Genossenschaftsbanken und Sparkassen“ entgegensteuert. „Es ist wichtig, dass der Kundenservice in unserem ländlich geprägten Thüringen nicht den Bach runtergeht“, so Kowalleck.

Doch laut Haupt ist die zunehmende Schließung von Geschäftsstellen nicht aufzuhalten.

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Thüringen: DAS steckt hinter dem Sparkassen-Sterben

„Niemand schließt Filialen, in denen es brummt“, stellt Haupt gegenüber Thüringen24 klar. Es gebe Kleinst-Filialen auf dem Land, „wo schlichtweg nichts los ist“ – und maximal ein Kunde pro Stunde kommt.

Es sei richtig, dass die Geldversorgung der Bevölkerung das Hauptziel der Sparkasse ist, allerdings handle es sich um ein „System, das sich selbst tragen muss“. Im Klartext: Die Nachfrage bestimme das Angebot, „am Ende müssen schwarze Zahlen bei rumkommen“, so Haupt.

„Die Menschen entscheiden selbst, wie sie zur Sparkasse kommen“, sagt der Geschäftsführer. So gehe der Trend seit über 20 Jahren immer mehr zur Online-Banking und Kartenzahlung – eine Entwicklung, welche durch das Coronavirus noch weiter beschleunigt worden sei.

Abgesehen davon bleibe „keiner unversorgt“, versichert Haupt gegenüber Thüringen24. Wenn ein Kunde bis zur Filiale in den Nachbarort müsse, handle es sich um zumutbare Entfernungen. Dazu seien verschiedene Alternativen geschaffen worden, zum Beispiel mobile Sparkassen-Stationen oder auch die Möglichkeit, Bargeld per Einschreiben zugeschickt zu bekommen.

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Damit gebe es keinen Grund, für die rot-rot-grüne Landesregierung in Thüringen in den Filialabbau einzugreifen, „weil die Gesamtversorgung sicher gestellt ist“, erteilt Haupt dem CDU-Mann Kollwack eine Absage.

Das Sparkassen-Sterben auf dem Land in Thüringen wird also weiter gehen – zum Jahresende 2020 rechnet Geschäftsführer Haupt erneut mit einem starken Rückgang wegen des Coronavirus. (kv)