Thüringen: Vater und Kinder werden nach Albanien abgeschoben, kranke Mutter bleibt zurück – Landratsamt kontert scharf

Am 14.12. wurde eine Familie aus Albanien nach einem einjährigen Aufenthalt in Deutschland abgeschoben.
Am 14.12. wurde eine Familie aus Albanien nach einem einjährigen Aufenthalt in Deutschland abgeschoben.
Foto: picture alliance / Daniel Maurer/dpa | Daniel Maurer

Erfurt. Seit einer Woche sorgt das Schicksal einer geflüchteten Familie in Thüringen für Fassungslosigkeit.

Die Familie wurde auseinandergerissen. Die zuständige Behörde in Thüringen schickt nur den Vater mit seinen Kindern zurück nach Albanien. Die Mutter bliebt zurück.

Thüringen: Schicksal einer Familie bewegt viele Menschen

Im letzten Jahr floh die Familie nach einer Umweltkatastrophe nach Deutschland. Ihr Haus in Albanien wurde bei einem Erdbeben zerstört. Aufgrund der alarmierenden Corona-Infektionszahlen in Albanien sucht die Familie weiterhin Schutz in Deutschland.

Umso schockierender die Nachricht der Abschiebung. In der Nacht zum 14. Dezember rückten acht Polizisten in eine Gemeinschaftsunterkunft im Landkreis Schmalkalden-Meiningen ein. Die Beamten verfrachteten den Familienvater und seine beiden Kinder in ein Flugzeug Richtung Albanien. Zurück blieb die Mutter, die laut Informationen des Flüchtlingsrates schon im Vorfeld mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte.

Seitdem der Vorfall von dem Thüringer Flüchtlingsrat veröffentlicht und angeprangert wurde, streiten sich die zuständigen Behörden um den Fall. Die Abschiebung sei eine menschenunwürdige Familientrennung. Der „Focus“ spricht in dem Zusammenhang von einem Versäumnis der humanitären Grundwerte.

Behörde weist Vorwürfe entschieden zurück

Das Landratsamt in Thüringen weist derartige Vorwürfe von Menschenrechtlern und die scharfe Attacke des Flüchtlingsrates von sich. In einer umfangreichen Stellungnahme warf die Behörde dem Flüchtlingsrat „einseitig dargestellte und aus dem Zusammenhang gerissene Fakten sowie eklatante Fake-News“ vor. Darüber hinaus stufte der Chef der Ausländerbehörde Albanien als sicheres Herkunftsland ein und gibt an, dass eine getrennte Abschiebung von Familien „grundsätzlich zulässig“ sei, berichtet der „Focus“. Das Nachrichten-Magazin stellte in diesem Fall eigene Recherchen an.

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Dabei stellte sich heraus, dass die Familie bereits vor der Abschiebung getrennt war. Den Weg nach Deutschland begann sie nämlich nicht gemeinsam. Demnach reiste der Familienvater erst zwei Monate nach seinen Angehörigen ein. Innerhalb des letzten Jahres wurden die Asylanträge von dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als unbegründet abgelehnt. Die Familie musste daher jederzeit mit ihrer Abschiebung rechnen. Sämtliche Eil- und Klageverfahren blieben erfolglos.

Familie wurde in der Vergangenheit auffällig

Zusätzlich sei die Familie bereits durch ihr forderndes und unkooperatives Verhalten bei der Behörde auffällig gewesen. So sollte im November eine Abschiebung stattfinden, die jedoch scheiterte, weil sich der Sohn währenddessen über gesundheitliche Probleme beschwerte und in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Dem Bericht von Focus zufolge sei die Mutter am Abend der Abschiebung nicht auffindbar gewesen. Die Beamten sahen sich gezwungen, den Rest der Familie ohne sie abzuschieben.

Trotz dieser Argumente werden die Stimmen der Kritiker immer lauter. „Wir sind sehr verwundert und irritiert über die Verwendung des Begriffes ‚Fake-News‘ in einer Stellungnahme eines Landratsamtes, da der Begriff vor allem dem populistischen Sprachgebrauch zuzuordnen ist“, beklagt sich der Flüchtlingsrat.

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Aufgrund der entfachten Diskussion sah sich die Härtefallkommission in Thüringen dazu gezwungen, ein Urteil in diesem Konflikt zu fällen. In der Entscheidung werden mehrere Faktoren abgewogen. Dazu zählen die humanitären oder persönlichen Gründe, die für eine Aufenthaltserlaubnis stehen könnten.