Thüringen hilft Dresden: Krematorium ist überlastet – Leichen-Shuttle bringt Corona-Tote in den Freistaat

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Dresden/Altenburg. Es sind schreckliche Szenen, die sich derzeit in Sachsen und Thüringen abspielen. Die Lage in einem Krematorium in Dresden ist extrem angespannt.

Durch die hohe Übersterblichkeit in der Corona-Pandemie ist es schlichtweg an der Belastungsgrenze angelangt – und jetzt auf Hilfe anderer angewiesen. Auch Thüringen hilft.

Thüringen nimmt Leichen aus Dresden auf

„Seit Mitte Dezember müssen Bestatter aus Dresden und dem Umland täglich doppelt so viele Verstorbene zum Krematorium bringen, als es zu dieser Jahreszeit üblich ist“, sagte die zuständige Bürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) zu Thüringen24.

Das übersteige die Kremierungsmöglichkeiten in Dresden deutlich. „Auch in der Pandemie halten wir es für geboten, Verstorbene so schnell wie möglich zu kremieren. Eine längere Aufbewahrung von Verstorbenen belastet auch die Zeit der Trauer für die Angehörigen zusätzlich“, so Jähnigen.

Deswegen wolle man die Wartezeit bis zur Einäscherung auch weiterhin so kurz wie möglich halten. „Wir arbeiten mit einem überregional agierenden Bestattungsunternehmen zusammen, welches selbständig Krematorien mit freien Kapazitäten nutzt. Diese befinden sich auch in Thüringen“, so die Bürgermeisterin.

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Bilder wie aus Bergamo vermeiden

Hinzu komme ein technischer Defekt im Krematorium in Dresden. Daher könne es derzeit ohnehin nur drei Viertel seiner Kapazität schaffen. Dieser akute Zustand werde wohl noch bis Mitte Januar andauern.

Laut „Bild“ gibt es seit Montag eine Art Shuttle-Dienst, der zahlreiche Särge ins Gewerbegebiet am Flugplatz in Altenburg-Nobitz in Thüringen bringt. Im Einsatz seien drei moderne Leichen-Sprinter, die jeweils in einer Kolonne fahren.

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Ein Insider sagte der „Bild“, dass man statt einen Lkw mit vielen Särgen die eher unauffälligen Transporter nutzt, welche je vier Särge fassen. „Denn man will unbedingt Fotos von riesigen Mengen Särgen wie aus dem norditalienischen Bergamo vermeiden.“

Dort hatten in der ersten Corona-Welle im Frühjahr Militär-Transporter die Leichen abtransportiert. Die Bilder waren um die ganze Welt gegangen. (ck/dpa)