Thüringen: Mögliches Lager für Atommüll im Freistaat – jetzt entscheiden Daten über Standort

Thüringen dient als Modellregion für Endlager. (Symbolbild)
Thüringen dient als Modellregion für Endlager. (Symbolbild)
Foto: Philipp Schulze/dpa

Der Ausstieg aus der Atomenergie ist in Deutschland längst beschlossen, die Suche nach einem Endlager für den radioaktiven Müll ist hingegen in vollem Gange. Auch einige Gebiete in Thüringen kommen dafür in Frage.

Konkret sollen jetzt in einigen Orten in Thüringen Daten durch die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) erhoben werden. Sie sollen bei der Standortsuche helfen. Wird der Freistaat jetzt zum Endlager?

Thüringen: Atommüll-Endlager im Freistaat?

Gebiete in Nord- und Ostthüringen dienen hierfür zunächst als Modellregion. Dort werden bestimmte Daten erhoben, etwa zur Anzahl vorhandener Bohrungen und geologische Daten.

Aus diesen Daten soll in einem zweiten Schritt eine Methode entwickelt werden. Mit dieser Methode werden dann systematisch die Gebiete untersucht, die als Endlager in Frage kommen.

Dieses Gestein macht Teile Thüringens als Endlager attraktiv

Die wichtigste Bedingung für ein Endlager sei, dass innerhalb der nächsten Million Jahre keine Radioaktivität austrete. Dafür kommen Gebiete in Frage, in denen bestimmte Gesteine vorherrschen, etwa Tonerde, Steinsalz oder kristallines Wirtsgestein.

+++ Erfurt: Streit auf Baustelle eskaliert – Mann (31) mit schweren Verletzungen notoperiert +++

Und Thüringen ist reich an diesen Gesteinen. Nördlich von Erfurt kommt Steinsalz vor, kristallines Wirtsgestein findet man in einem Gebiet, das sich über weite Teile Südostdeutschlands, eben auch durch Thüringen, zieht.

Die BGE betont: Bei den ausgewählten Gebiete im Freistaat handele es sich nicht um eine Vorentscheidung. Nur, weil in Thüringen Daten gesammelt werden, stehe nicht fest, dass dort tatsächlich ein Endlager entstehe. Bis 2031 soll die Entscheidung über einen Standort fallen.

Endlager in Thüringen? So reagiert Bodo Ramelow

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gefällt die Vorgehensweise der BGE gar nicht: Dass zwei der vier Gebiete, in denen in Deutschland spezielle Daten zu Gesteinsformen erhoben werden sollen, in Thüringen lägen, sei problematisch und erklärungsbedürftig, sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „So geht das nicht. So kann man mit Thüringen nicht umgehen. Der Prozess muss fair sein.“

Er gab zu Bedenken, dass damit Optionen für eine Rohstoffgewinnung in diesen Regionen gefährdet sein könnten. „In Nordthüringen gibt es Kali-Vorkommen, die Vorräte für einige Jahrzehnte haben.“ Deswegen will er jetzt dagegen vorgehen und die Endlagersuche zum Thema im Kabinett machen.

Umweltstaatssekretär Olaf Möller fordert unterdessen einen „ergebnisoffenen und transparenten“ Suchprozess. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundesgesellschaft neue Zwischenschritte nicht nur per Pressemitteilung verkündet, sondern alle Fachleute der Länder einbindet. Transparenz beginnt schon hier - und ich bin mir sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger in Thüringen die weiteren Informations- und Beteiligungsangeboten des Bundes rege wahrnehmen werden.“

---------------------------------------

Mehr Themen aus Thüringen:

---------------------------------------

Endlager in Thüringen: So reagiert Die Linke

Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Thomas Gottweiss, zeigt sich zuversichtlich, dass die Suche nach einem Endlager an Thüringen vorbeiziehen wird. „In einem ersten Schritt sind etwa 60 Prozent der Thüringer Landesfläche als grundsätzlich geeignet für die Aufnahme der hoch radioaktiven Abfälle identifiziert worden“, so Gottweiss.

Doch dabei haben die Wissenschaftler bislang nur die Gesteinsarten in den Blick genommen, in denen diese Einlagerung theoretisch möglich wäre. In weiteren Schritten werden sich sowohl die Thüringer Salzlager wie auch die kristallinen Gesteinsschichten als ungeeignet erweisen, zeigte sich Gottweiss sicher.

„Thüringen ist der geologische Schraubstock Deutschlands. Hier gibt es für ein Atommüll-Endlager zu viele tiefreichende Störungszonen, durch die Zerfallsprodukte des strahlenden Abfalls wieder an die Oberfläche gelangen könnten.“ Auch seien die seismisch aktiven Regionen in Thüringen im Zwischenbericht nicht ausreichend berücksichtigt worden, so Gottweis. Er erinnerte daran, dass die Lagersicherheit für den Atommüll bis zu einer Million Jahre gesichert sein soll. „Das kann in Thüringen ernsthafterweise niemand garantieren. Zum Glück.“ (vh/mit dpa)