Thüringen: Grünen-Politikerin nimmt Baby mit in den Stadtrat – was dann passiert, macht sie fassungslos

Thüringen: Grünen-Politikerin Ann-Sophie Bohm (mitte) sieht sich mit heftigen Konsequenzen konfrontiert.
Thüringen: Grünen-Politikerin Ann-Sophie Bohm (mitte) sieht sich mit heftigen Konsequenzen konfrontiert.
Foto: dpa

Eine Politikern der Grünen aus Thüringen muss womöglich mit Konsequenzen rechnen, weil sie ihr Baby mit in den Stadtrat gebracht hat.

Im Netz macht sich jetzt Unverständnis und Wut wegen der angedrohten Folgen in Thüringen breit.

Thüringen: Karriere und Familie vereinbaren

Als Mutter liegt einem das Wohl des Kindes besonders am Herzen. Gerade in den ersten Monaten brauchen Babys rund um die Uhr Betreuung. Viele Frauen, die Karriere und Familie unter einen Hut bringen wollen, müssen Job und die Kinderbetreuung koordinieren. Kein leichtes Unterfangen.

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Die Grünen-Politikerin Ann-Sophie Bohm brachte ihr Baby ebenfalls mit zu einer Versammlung im Weimarer Stadtrat. Die Folge: „Anzeige bekommen wegen Kindeswohlgefährdung, weil das Baby mit beim Stadtrat war. Ist das diese Vereinbarkeit von der alle sprechen?“, schreibt Bohm auf Twitter.

Es habe an dem Tag keine andere Betreuungsmöglichkeit gegeben, sagte Bohm am Dienstag. Dem Kind sei es in den rund eineinhalb Stunden im Stadtrat gut gegangen, es habe auch keinerlei Beschwerden gegeben. „Ich sehe das Problem nicht.“ Bohm hatte den Vorfall am Dienstag selbst beim Kurznachrichtendienst Twitter öffentlich gemacht.

Die Anzeige sei anonym aufgegeben worden, womöglich von jemandem, der die Stadtratssitzung per Livestream verfolgte.

Thüringen: Heftige Reaktionen bei Twitter

Während der Stadtratssitzungen komme ihr Kind gewöhnlich bei der Oma unter, diesmal sei das aber nicht möglich gewesen. „Ich glaube, das Problem mit der Kinderbetreuung haben einige Eltern“, sagte Bohm. Sie habe am Tag nach der Sitzung einen Anruf vom Jugendamt erhalten, das Problem aber im Gespräch klären können.

Bei Twitter löste Bohm mit dem Beitrag heftige Reaktionen aus. „Da freut sich das Jugendamt, wenn sie so Sch*** prüfen müssen. Vor allem: Inwiefern soll denn das Baby gefährdet worden sein? Dann dürfte es ja auch in keinen Supermarkt, o.ä. wo viele Menschen sind. Sie haben es ja vermutlich nicht vorm Saaleingang im Kinderwagen abgestellt“, ärgert sich eine Nutzerin.

Thüringen: Grünen-Politikerin ist nicht die Einzige

Von Kollegen aus der Politik kommt ebenfalls Beistand für die Mutter. Grünen Politiker Sebastian Stregel kommentiert: „Ist mir als Vater (mit Kind im Landtagsausschuss) nie passiert. In Sachen Gleichberechtigung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist noch so viel zu tun. Viel Kraft.“

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Es ist nicht der erste Fall, dass Frauen in der Politik mit derartigen Konsequenzen zu kämpfen haben. Die Kommentare bei Twitter häufen sich, in denen Politikerinnen von ähnlichen Erfahrungen berichten.

Landtag Thüringen: Babys im Plenarsaal erlaubt

Im Jahr 2019 hatte eine andere Thüringer Grünen-Politikerin für Schlagzeilen gesorgt, als sie ihr Kind mit in eine Plenarsitzung des Landtages gebracht hatte.

Die Grünen-Abgeordnete Madeleine Henfling musste damals eine Landtagssitzung verlassen. Später wurden Babys im Plenarsaal erlaubt und ein Extra-Stillzimmer im Landtag eingerichtet. (neb mit dpa)