Corona in Thüringen: Schulstart! Infektiologe mit dringender Warnung – „Kinder können das Virus nach Hause bringen“

Corona in Thüringen: Zum Schulstart hat ein Infektiologe eine dringende Warnung. (Symbolbild)
Corona in Thüringen: Zum Schulstart hat ein Infektiologe eine dringende Warnung. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Laci Perenyi

Für viele Kinder in Thüringen beginnt am Montag ein ganz neuer Lebensabschnitt: die Schulzeit. Trotz Corona lernen sie am Montag endlich wieder Klassenzimmer und -lehrer kennen.

Ein Corona-Experte aus Thüringen spricht jetzt in diesem Zusammenhang eine dringende Warnung aus.

Corona in Thüringen: Experte zum Schulstart mit dringender Warnung

Der Abc-Schützenjahrgang 2021/22 ist der zweite, für den der Schulalltag unter Corona-Bedingungen beginnt. Landesweit startet der Unterricht nach den Sommerferien am Montag für rund 249.000 Kinder und Jugendliche aller Schulformen.

Die Debatte um den Corona-Schutz an Schulen ging auch am Wochenende weiter. Der Jenaer Infektiologe Mathias Pletz warnte davor, die Corona-Maßnahmen im neuen Schuljahr komplett aufzuheben. „Nach allem, was wir über Delta wissen, kann man es nicht einfach laufen lassen“, sagte der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena der Deutschen Presse-Agentur.

Zum einen, weil die mittlerweile auch in Deutschland vorherrschende Delta-Variante für Kinder gefährlicher sein könne als bisherige Varianten. Und zum anderen, weil auch viele Erwachsene noch nicht geimpft seien.

Schließen die Schulen wieder? Das meint der Infektiologe

Grundsätzlich erkrankten Kinder weniger schwer als Erwachsene an Covid-19, sagte Pletz. Auch gegenüber Teenagern hätten Kinder unter 14 Jahren ein deutlich geringeres Risiko zu erkranken. Während einer schweren Grippewelle etwa sterben demnach mehr Kinder als 2020 durch Covid-19. „Ob das nun mit Delta auch noch gilt, bleibt abzuwarten.“

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Bei der Variante wisse man noch nicht, ob sie möglicherweise für schwerere Verläufe bei Kindern verantwortlich ist. „Es gibt aber Berichte aus verschiedenen Regionen der Welt, dass aktuell die Hospitalisierungsrate bei Kindern steigt.“ Auch in Deutschland stiegen in der Gruppe der Fünf- bis 14-Jährigen zuletzt die Zahlen für Neuinfektionen und Krankenhauseinweisungen.

„Schulen werden sicher nicht mehr so niedrigschwellig geschlossen werden wie man das 2020 gemacht hat“, sagte der Arzt. Er plädierte angesichts des Geschehens dafür, zunächst weiter regelmäßig zu testen. Es sei vernünftig, in den ersten Wochen nach den Ferien, wenn die Schüler nach dem Urlaub erstmals wieder aufeinandertreffen, zu testen und sich das Infektionsgeschehen anzusehen.

Diese Corona-Regeln gelten zum Schulstart in Thüringen

In Thüringen gilt zu Schuljahresbeginn eine landesweite zweiwöchige Corona-Testpflicht. Nach dieser Phase soll es diese Pflicht nur in der höchsten Corona-Warnstufe 3 des Freistaates geben.

Ausschlaggebend für das Erreichen einer Warnstufe ist in Thüringen neben der Sieben-Tage-Inzidenz unter anderem auch die Belegung der Intensivbetten in Krankenhäusern. In der sogenannten Basis-Stufe, also bei sehr niedrigen Inzidenzen, soll es nach den ersten 14 Tagen gar keine Tests an den Schulen geben.

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In dieser Stufe befanden sich am Sonntag fast alle Kommunen. In Suhl und Hildburghausen gilt nach zunehmenden Neuinfektionen auch mehr Klinikeinweisungen im Zusammenhang mit Corona allerdings schon die Warnstufe 1.

Ließe man das Virus „durchrauschen“, gäbe es unabhängig davon, wie viel gefährlicher Delta nun für Kinder ist, eine weitere Gefahr, warnte Pletz: „Kinder können das Virus aus der Schule nach Hause bringen und ihre ungeimpften Eltern anstecken.“

Noch sei die Quote von knapp über 60 Prozent vollständig Geimpften zu niedrig, um alle Maßnahmen aufzuheben. In einigen Modellierungen gebe es bereits Hinweise auf zu erwartende Zahlen bei der Intensivbettenbelegung, „die im Bereich der dritten Welle liegen“. Als einzigen Weg aus der Pandemie sieht Pletz das Impfen. (dpa)