AfD Thüringen: „Was die letzten Jahre gelaufen ist, ist unglaublich!“ – So erklären sich Menschen in Apolda den Aufstieg der Partei

Thüringen: Ein Aufkleber mit Altdeutscher Schrift. Gefunden in Suhl. (Symbolfoto)
Thüringen: Ein Aufkleber mit Altdeutscher Schrift. Gefunden in Suhl. (Symbolfoto)
Foto: IMAGO / fossiphoto

Zumindest im Osten hatte die AfD Grund zu feiern – auch in Thüringen. Während die Partei bundesweit Stimmen einbüßen musste, reichte es im Freistaat zu einem historischen Ergebnis. Zum ersten Mal ist die AfD in Thüringen die stärkste politische Kraft.

Dazu konnten sie der CDU vier Direktmandate abluchsen.

AfD-Land Thüringen. Was bedeutet das für die Wähler und die Menschen hier im Freistaat? Thüringen24.de hat sich auf den Straßen umgehört.

Thüringen: Der CDU gingen mehr als zehn Prozent der Wähler ab

Vor allem die CDU wird am Ergebnis zu beißen haben. Ihnen gingen im Vergleich zur Wahl 2017 mehr als zehn Prozent der Wähler flöten. Davon profitierte zwar vor allem die SPD – auch die AfD konnte in den Zweitstimmen aber noch einmal zulegen.

„Das hat mit der ganzen Situation der letzten Jahre zu tun“, mutmaßt Iris. Sie arbeitet in einem Taxi-Unternehmen in Apolda und spürt den Puls der Menschen in ihrer Region. „Was die letzten Jahre gelaufen ist, war zum Teil echt unglaublich.“

Damit spricht sie vor allem das Corona-Management der Bundesregierung an. „Klar, in Thüringen sind wir von den Linken regiert“, sagt sie – und die Landesregierung ist letztlich für die Corona-Regeln verantwortlich – „aber da hatte die CDU ja auch ihre Finger im Spiel.“

Geplatzte Landtagswahl in Thüringen – Enttäuschung ist groß: „Wie ein Kindergarten“

Es scheint tatsächlich so, als ob für viele Thüringer Wähler der Stabilitätspakt in der Corona-Pandemie nicht optimal funktioniert hat. Entsprechend groß die Enttäuschung, dass es mit den Neuwahlen im Landtag in diesem Jahr – nach zwei Anläufen – doch nicht geklappt hat.

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„Tja, wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“, deutet Taxifahrer Mike die Wahlnacht in Thüringen. „Es war ja wie ein Kindergarten mit unserer Regierung und der CDU. Die Leute waren gestresst, weil keiner weiß: Wie, wer, wann, weshalb?“

Aber warum dann ausgerechnet der Wählerstrom in Richtung SPD und AfD?

„Die Leute wollen nicht irgendeine Farbe wählen“, sagt Mike. „Sie wollen einfach Veränderung – und wer am Ende am lautesten schreit, gewinnt!“ Dass ausgerechnet die AfD im Osten derart punkten konnte, liegt dabei auch an der Diktaturvergangenheit, meint er. „Im Osten haben wir ja Erfahrung damit.“ Die Hemmung, ein Extrem zu wählen, sei da entsprechend geringer.

Nervöser Blick auf die Koalitionsverhandlungen

Mit Blick auf das Wahlergebnis schwant Mike, dass den Deutschen jetzt lange Koalitionsverhandlungen bevorstehen. „Das ist wie ein Kaugummiverfahren. Das zieht sich immer wieder in die Länge.“

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So hat Thüringen gewählt (Zweitstimme):

  • CDU: 16,9%
  • AfD: 24,0%
  • Linke: 11,4%
  • SPD: 23,4%
  • FDP: 9,0%
  • Grüne: 6,6%

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„Das ist nur traurig“, findet auch Iris. „Die werden die nächsten vier Monate nur mit sich selbst beschäftigt sein.“

„Und es ist ja nicht so, als hätten wir keine anderen Probleme im Land.“

Dönermann in Thüringen: „Das hat mit den Leuten zu tun“

Dönermann Danny aus Apolda kann sich mit dem Wahlergebnis sehr gut anfreunden – zumindest auf Bundesebene. „Meine Meinung: Es muss abwechseln. Einmal so, einmal so.“ Er ist seit mehr als zwanzig Jahren in Deutschland und hat auch einen deutschen Pass. Wählen war er aber nicht: „Dafür habe ich keine Zeit gehabt“, lacht er.

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Auf das Wahlergebnis in Thüringen angesprochen – und darauf, dass die AfD im Freistaat mittlerweile die stärkste politische Kraft ist – hält er sich allerdings höflich bedeckt. „Das hat mit den Leuten zu tun“, mutmaßt er. Auch Corona könne eine Rolle spielen. (bp)