Suhl: Petition um Flüchtlingsheim abgeschmettert – Oberbürgermeister sucht Kompromiss

Das Eingangstor der Erstaufnahme in Suhl. (Archivbild)
Das Eingangstor der Erstaufnahme in Suhl. (Archivbild)
Foto: Bodo Schackow / dpa-Zentralbild / dpa

Suhl. Die Diskussion wird die Stadt Suhl wohl noch eine lange Zeit verfolgen. Oberbürgermeister Knapp hat in einer Petition gefordert, dass die Erstaufnahme in seiner Stadt geschlossen werden soll.

Das wird aber nicht passieren. Thüringens Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) fand am Dienstag klare Worte und stellte sich gegen eine Schließung des Flüchtlingsheims in Suhl.

Suhl: Ausschuss diskutiert über die Zukunft der Erstaufnahme

Schon vor dem Hintergrund, dass der Freistaat in den vergangenen Jahren viel Geld in die Ausstattung der Anlage gesteckt habe, sei eine Schließung vor den Steuerzahlern nicht zu rechtfertigen, sagte Adams bei einer Anhörung im Petitionsausschuss des Landtags in Erfurt. Es sei zudem alles andere als einfach, einen neuen Standort für ein solches Flüchtlingsheim zu finden.

Im Ausschuss war öffentlich über eine Petition beraten worden, die die Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung fordert. Eingereicht hat sie Suhls Oberbürgermeister Andrè Knapp (CDU). „Die Petition ist neuer Höhepunkt einer nahezu ungebrochenen und über Jahre anhaltenden Serie von Sachbeschädigungen, Vandalismus, Diebstählen und Einbrüchen im Umfeld der Erstaufnahmeeinrichtung, den anliegenden Wohngebieten und in der Innenstadt“, heißt es in dem Papier.

Oberbürgermeister sucht Kompromiss

Vor dem Ausschuss erklärte Knapp allerdings, ihm sei klar, dass der Freistaat die Einrichtung nicht komplett schließen werde. Er bestehe allerdings darauf, dass zum Beispiel zuletzt getroffene Sicherheitsmaßnahmen sowohl innerhalb des Heims als auch in dessen Umfeld dauerhaft Bestand hätten. Unter anderem sind dort nun Polizisten rund um die Uhr stationiert. Außerdem müsse eine zweite Erstaufnahmeeinrichtung in Thüringen eröffnet werden, sagte Knapp.

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Das ist die Erstaufnahme in Suhl:

  • befindet sich auf dem Friedberg
  • war ursprünglich eine Offiziershochschule in der DDR
  • seit 2014 ist es ein Erstaufnahmeheim für Asylbewerber
  • die Anlage kann etwa 1200 Menschen aufnehmen

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Ein Suhler, der im Umfeld des Flüchtlingsheims lebt, erklärte bei der Anhörung dagegen, er halte an der Forderung fest, die Anlage zu schließen. All die Versuche aus den vergangenen Jahren, die Zahl der verschiedenen Straftaten im Umfeld der Einrichtung deutlich zu senken, seien letztlich erfolglos geblieben.

Statt auf die Schließung zu pochen, regte Knapp an, zwischen der Stadt und dem Freistaat einen schriftliche Vertrag zu schließen, der beide Seiten zu bestimmten Dingen im Zusammenhang mit der Erstaufnahmeeinrichtung verpflichten soll. In dem Dokument, das der dpa vorliegt, heißt es zum Beispiel, das Land solle fest zusichern, dass straffällig gewordene Asylbewerber aus der Unterkunft „zügig in andere Einrichtungen“ gebracht würden.

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Wie es aussieht, ist die Debatte um die Zukunft der Suhler Erstaufnahme noch lange nicht an ihrem Ende. (dpa, bp)