Thüringen: AfD als Pandemietreiber? Studie mit eindeutigen Ergebnissen

Eine Studie findet einen Zusammenhang zwischen Wählerverhalten und Infektionsgeschehen. (Symbolbild)
Eine Studie findet einen Zusammenhang zwischen Wählerverhalten und Infektionsgeschehen. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Steinach

Wer am Samstag auf die Corona-Inzidenz-Karten schaut, sieht fast ganz Deutschland in ein tiefes Rot getaucht. In Thüringen trifft es aber den Süden und den Osten des Landes besonders hart. Im Kreis Sonneberg liegt die Inzidenz mittlerweile über 1000, der Saale-Orla-Kreis und der Kreis Hildburghausen kratzen schon an der 1000er Marke.

Auffällig: Gerade in diesen Kreisen in Thüringen hat die AfD in der Bundestagswahl in den Zweitstimmen besonders gut abgeschnitten. Ein Zufall? Eine Studie, die jetzt am „Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft“ in Jena veröffentlicht wurde, sagt: Nein.

Thüringen: Studie zeigt deutlichen Zusammenhang

Die Forscher haben untersucht, welchen Einfluss das regionale Wählerverhalten auf die Corona-Inzidenzverläufe hatte. Dabei haben sie die Zweitstimmen in der Bundestagswahl 2017 und die Infektionszahlen in der ersten und zweiten Corona-Welle 2020 angeschaut.

Das Ergebnis – Zitat: „Die Studienergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen den AfD-Zweitstimmenanteilen bei der Bundestagswahl 2017 und den Anstiegen der Corona-Infektionszahlen in der ersten und zweiten Pandemiewelle 2020.“

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Das ist die AfD:

  • Die Alternative für Deutschland wurde 2013 als EU-skeptische und rechtsliberale Partei gegründet.
  • Seit der Flüchtlingskrise 2015 ist die Partei ideologisch immer weiter nach rechtsaußen gerückt.
  • Im Jahr 2017 gelang der AfD der Einzug in den Bundestag.
  • Vorsitzende sind Jörg Meuthen und Tino Chrupalla, Stellvertretende Vorsitze ist Alice Weidel

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Im Klartext bedeutet das: In den Regionen, in denen die AfD besonders oft gewählt wird, stiegen die Corona-Zahlen schneller an als dort, wo kaum jemand der Partei die Stimme gab. Das gilt dabei sowohl in Ost- als auch in Westdeutschen Bundesländern, so die Studie.

Andere Faktoren können ausgeschlossen werden

Es scheint also so zu sein, dass sich eine gewisse Nähe zu rechten oder rechtsradikalen politischen Positionen negativ auf das Infektionsgeschehen auswirkt. Viele alternative Erklärungen, wie etwa Altersstruktur, Mobilität oder die wirtschaftliche Situation können laut den Forschern nämlich ausgeschlossen werden.

„Die regionale politische Raumkultur ist ein entscheidender Faktor für das Inzidenzgeschehen. Unsere Studie untersucht die ersten zwei Wellen, aber ausgehend von diesen Ergebnissen ist die Annahme naheliegend, dass auch in der aktuellen vierten Welle und bei der mangelnden Impfbereitschaft rechte Einstellungen als Verstärker der Pandemie wirken könnten“, sagt Matthias Quent, Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft.

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Die komplette Studie findest du im Volltext >>>hier. (bp)