Corona in Thüringen: Nach Corona-Demo in Eisenach – Stadt erlässt Versammlungsverbot

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Was sind eigentlich Corona-Varianten und warum werden sie mit griechischen Buchstaben bezeichnet.

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Erfurt. Corona hat Thüringen weiterhin fest im Griff. Immer mehr Menschen gehen gegen die härteren Maßnahmen auf die Straße, um zu demonstrieren. Derweil kämpfen die Ärzte gegen Corona mit zu wenig Impfstoff.

Die aktuelle Corona-Entwicklung in Thüringen kannst du in unserem News-Blog nachlesen.

Corona in Thüringen: Alle Entwicklungen hier nachlesen!

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Donnerstag, 9. Dezember

18.23 Uhr: Eisenach macht Nägel mit Köpfen

Am vergangenen Wochenende hat es in Thüringen teilweise nicht angemeldete Demonstrationen gegen die Corona-Politik gegeben, unter anderem in Eisenach. Rund 500 Menschen waren dort zusammengekommen. Vielfach wurde dort gegen Abstandsregeln verstoßen, keine Masken getragen.

Jetzt macht die Stadt Nägel mit Köpfen: Für kommenden Samstag (11. Dezember) hat Oberbürgermeisterin Katja Wolf ein „ganztägiges Versammlungsverbot in Zusammenhang mit in sozialen Medien beworbenen „Hygienespaziergängen“ oder ähnlichen Versammlungen mit vergleichbaren Inhalten“ ausgesprochen.

Eine Reaktion auf die Proteste der letzten Woche? Die Polizei war am letzten Samstag mit einem Wasserwerfer angerückt, der letztendlich nicht genutzt wurde. An diesem Tag wurde außerdem ein Polizist tätlich angegangen. Nach Durchsagen wurde der Aufzug durch die Polizei am Karlsplatz letztlich aufgelöst.

Mittwoch, 8. Dezember

6.08 Uhr: Schneller Impfstart in Apotheken?

Der Thüringer Apothekerverband geht nicht davon aus, dass die Apotheken im Freistaat zeitnah in die Corona-Impfkampagne einsteigen. „Realistisch ist das meiner Meinung nach erst nach der vierten Welle im ersten Quartal 2022“, sagte der Verbandsvorsitzende Stefan Fink der Deutschen Presse-Agentur. Voraussetzung sei eine theoretische und eine praktische Qualifizierung durch einen Arzt. Die praktische Qualifizierung habe aber noch keiner der Apotheker.

Wie viele der Thüringer Apotheken sich überhaupt beteiligen wollen, könne er nicht abschätzen. „Das werden nur die Apotheken machen, die das personell stemmen können.“ Außerdem sei noch nicht geklärt, ob das Impfen für die Apotheken lukrativ sein wird. Die finanzielle Vergütung müsse im Verhältnis zu Arbeit und Aufwand stehen. Außerdem seien die Apotheken durch Impfstoffbeschaffungen, Ausstellungen von Impf-Zertifikaten und dem Betrieb von Teststellen in der Pandemie schon sehr ausgelastet. „Wir haben Arbeit bis unter die Kinnlade.“

6 Uhr: 28 Corona-Tote in Pflegeheim – Patientenschützer fordern Klärung

Nach dem Tod von 28 größtenteils ungeimpften Bewohnern eines Pflegeheims in Rudolstadt in Thüringen fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz eine Debatte über den Umgang mit Corona-Impfentscheidungen von Menschen, die unter Betreuung stehen. Eigentlich seien in solchen Fällen die behandelnden Ärzte in der Verantwortung, ein Betreuungsgericht anzurufen, um den Willen der Bewohner zu klären, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Das sei grundsätzlich nötig, wenn sich die Meinung von Arzt und Bevollmächtigten in Betreuungsfragen unterschieden. „Alles andere ist fahrlässig.“

In Rudolstadt hatte der Landkreis berichtet, dass Angehörige der Bewohner teils von einer Corona-Impfung abgeraten hatten. Rund ein Drittel der über 140 Bewohner war demnach nicht geimpft. Nach Angaben des Heimbetreibers hatten alle 28 Gestorbenen einen Bevollmächtigten oder Betreuer. 22 von ihnen seien nicht vollständig geimpft gewesen. „Das ist die schwärzeste Zahl, die wir 2021 haben“, sagte Brysch.

Der Heimbetreiber teilte mit, dass es aus seiner Sicht keine Anhaltspunkte für eine nicht ordnungsgemäße Wahrnehmung der Betreuung gegeben habe. Warum eine Impfung abgelehnt werde, sei in der Regel nicht nachprüfbar.

Dienstag, 7. Dezember

16.30 Uhr: Keine frühzeitigen Weihnachtsferien in Thüringen

Trotz zugespitzter Corona-Situation will Thüringen die Weihnachtsferien für die rund 249 000 Schülerinnen und Schüler im Freistaat nicht früher beginnen lassen, wie die Deutsche Presseagentur mitteilte. Ziel der Landesregierung sei es, Schulen und Kindergärten mit sehr hoher Priorität offen zu halten, erklärte ein Sprecher des Bildungsministeriums nach einer Kabinettssitzung am Dienstag, in der das Thema diskutiert wurde.

Thüringen gilt als eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Bundesländer. Vor allem das Gesundheitssystem arbeitet seit Wochen unter starker Belastung. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag bei 1023,1 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche.

Die Hospitalisierungsrate lag bei 18,4 und damit weiterhin doppelt so hoch wie der höchste von der Bundesregierung festgelegte Grenzwert. Trotz Inkraftsetzen strengerer Corona-Regeln vor mehr als eineinhalb Wochen, hat sich die Situation im Freistaat den maßgeblichen Kennzahlen zufolge kaum verändert.

12.15 Uhr: Weitere Todesfälle im Pflegeheim in Rudolstadt

Die Zahl der Todesopfer nach einem Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim in Rudolstadt in Thüringen hat sich auf 27 erhöht. In dem Heim mit ehemals 141 Bewohnern gebe es aktuell zudem noch bei sechs Bewohnern positive Corona-Tests, teilte das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt am Dienstag mit. In den letzten Tagen gab es immer wieder Nachmeldungen: So hatte das Landratsamt am Freitag erst 18 Todesfälle gemeldet.

Insgesamt sei rund ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner nicht geimpft, hatte die Behörde vergangene Woche mitgeteilt. Von den 18 gemeldeten Todesopfern vom Freitag habe bei 14 kein vollständiger Impfschutz bestanden. Bei den neu dazugekommenen Fällen konnte ein Sprecher am Dienstag keine Aussagen über den Impfstatus treffen.

Der Fall hatte am Wochenende bundesweit für Reaktionen gesorgt. Der designierte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte entsetzt reagiert und von „völliger Unvernunft“ gesprochen. Nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums hatte es ausreichend Impfangebote in dem Heim gegeben. Die tragischen Ereignisse hätten ihren Ursprung in der bewussten Ablehnung der Impfung durch Bewohner und deren Angehörigen, hatte eine Sprecherin mitgeteilt.

08.50 Uhr: Fünfter Tag in Folge über 1000

Die Corona-Inzidenz in Thüringen liegt den fünften Tag in Folge über der Marke von 1000. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag wurden 1023,1 wöchentliche Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert. Am Montag war der Wert mit 1040,5 gemeldet worden, am Sonntag lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 1036,6. Am Freitag war im Freistaat erstmals die Schwelle von 1000 überschritten worden. Thüringen ist damit nach Sachsen das Bundesland, das am stärksten von der vierten Corona-Welle betroffen ist. Die Zahlen könnten allerdings auch höher liegen, da zuletzt die Gesundheitsämter mit dem Melden der Infektionen nicht mehr hinterher kamen.

Von Montag auf Dienstag meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen dem RKI zufolge 3139 Neuinfektionen. 50 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung kamen demnach ebenfalls neu hinzu.

07.57 Uhr: Impfstoff bleibt aus, Patienten sagen Termine ab

Die Impfzahlen in Thüringen steigen, die Kapazitäten werden ausgebaut, die Bundeswehr hilft mit und theoretisch bald auch Zahnärzte und Apotheker - an Personal mangelt es also nicht in der Thüringer Impfkampagne. Dafür aber an etwas anderem.

Angesichts gedrosselter Liefermengen für den Impfstoff von Biontech beklagt die Kassenärztliche Vereinigung Thüringens (KVT) Planungsunsicherheit bei der Impfkampagne. Die Arztpraxen etwa dürften nur 30 Biontech-Dosen pro Woche bestellen. In der vergangenen Woche hätten etliche Praxen jedoch nur sechs bis zwölf Dosen erhalten, sagte eine KVT-Sprecherin auf Anfrage. Das mache es schwer, Termine zu planen.

Auch an den Impfstellen des Landes müsse man derzeit immer die Liefermengen abwarten, um verbindlich Termine freischalten zu können. „Wir wünschen uns alle mehr Planungssicherheit“, sagte sie. In der vergangenen Woche hätten zudem 100.000 Menschen ein Schreiben erhalten, wonach sie kurzfristig von Biontech auf Moderna umgebucht wurden. Einige hätten in der Folge auch von ihrem Impftermin abgesehen. Die Sprecherin machte klar, dass sich beide Impfstoffe qualitativ in nichts nachstehen.

Mit Blick auf den Bund-Länder-Beschluss von vergangener Woche, wonach auch Zahnärzte und Apotheker in die Impfkampagne eingebunden werden sollen, zeigte sie sich skeptisch. „Knapp ist nicht das Personal, sondern der Impfstoff.“ Wenn man nun das rare Gut auf mehr Stellen verteile, bedeute das nicht unbedingt, dass mehr Impfungen stattfinden.

Montag, 6. Dezember

18.18 Uhr: Fast 5000 Schüler in Quarantäne

Am Montag ist die Zahl der Schüler in Quarantäne auf fast 5000 gestiegen, wie die „Thüringer Allgemeine Zeitung“ berichtet. Rund 222 Lehrer müssen ebenfalls zuhause bleiben. Insgesamt sind fast 1800 Schüler und Lehrer aktiv mit Corona infiziert. Um die Situation in den Griff zu bekommen, gehen die Gesundheitsministerien nun einen drastischen Schritt.

Denn: Zwei Schulen in Thüringen sind bereits ganz geschlossen worden. Das hatten die zuständigen Gesundheitsministerien angeordnet. Die Schüler müssen aber nicht auf ihren Unterricht verzichten: „Die Schülerinnen und Schüler werden jedoch im Distanzunterricht beschult“, wie ein Ministeriumssprecher dem Blatt gegenüber sagte.

09.10 Uhr: Inzidenz liegt weiter über 1000

Die Corona-Inzidenz in Thüringen liegt seit vier Tagen stabil über der Marke von 1000. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) am Montag wurden 1040,5 wöchentliche Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert. Am Sonntag war der Wert mit 1036,6 gemeldet worden, am Samstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 1026,5. Am Freitag war im Freistaat erstmals die Schwelle von 1000 überschritten worden. Thüringen ist damit nach Sachsen das Bundesland, das am stärksten von der vierten Corona-Welle betroffen ist.

Von Sonntag auf Montag meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen dem RKI 1541 Neuinfektionen. 18 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung kamen ebenfalls neu hinzu. Am Wochenende werden in der Regel einige Fälle verzögert gemeldet, so dass die Zahlen noch höher liegen könnten.

Sonntag, 5. Dezember

15.40 Uhr: Tiefensee verspricht zusätzliche Hilfen für Schausteller und Marktleute

Für Schausteller und Marktleute, deren Geschäft durch die Schließung aller Weihnachtsmärkte in Thüringen weggebrochen ist, soll es zusätzliche Hilfen geben. Das erklärte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee am Sonntag in Erfurt. Dazu gebe es eine Regelung in der bis März 2022 verlängerten Überbrückungshilfe. Über die anteilige Erstattung betrieblicher Fixkosten hinaus sei ein höherer Eigenkapitalzuschuss vorgesehen, kündigte der SPD-Politiker an.

Der Zugang zum Eigenkapitalzuschuss werde zudem vereinfacht. „Bund und Länder halten Wort. Von der Corona-Pandemie besonders betroffene Betriebe erhalten besondere Unterstützung“, sagte Tiefensee. Mit dem erweiterten Zuschuss werde die finanzielle Handlungsfähigkeit der Unternehmen in der Krise wieder gestärkt.

Das Eigenkapital umfasst die in einem Unternehmen verfügbaren Gelder, die für Entnahmen zum Lebensunterhalt des Eigentümers, zur Deckung von Verlusten oder für den Zugang zu Krediten genutzt werden können. Anträge auf Überbrückungshilfe können laut Wirtschaftsministerium wie bisher online gestellt werden. Sie würden von der Thüringer Aufbaubank bearbeitet und ausgezahlt. Die Umstellung des Programms auf die neuen Förderregularien erfolge kurzfristig durch den Bund.

Mit der Verlängerung der Hilfen sei für Marktleute auch die Abschreibung unverkäuflich gewordener Saison- oder verderblicher Ware möglich. Unternehmen, die von Absagen der Advents- und Weihnachtsmärkte betroffen waren und einen Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent verzeichneten, erhielten zusätzlich pro Monat 50 Prozent der Fixkostenerstattung zusätzlich als Eigenkapitalzuschuss ausgezahlt.

12.20 Uhr: Corona-Inzidenz stabil über der 1.000er Marke

Die Corona-Inzidenz in Thüringen liegt seit drei Tagen stabil über der Marke von 1.000. Das Gesundheitsministerium meldete auf Basis von Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) am Morgen in Erfurt 1.036,6 wöchentliche Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.


Das ist erneut ein leichter Anstieg - gestern lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 1026,5. Am Freitag war im Freistaat erstmals die Schwelle von 1.000 überschritten worden. Thüringen ist damit zusammen mit Sachsen das Bundesland, das am stärksten von der vierten Corona-Welle betroffen ist.

Heute kamen den Daten zufolge 2.127 Neuinfektionen und 14 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 hinzu. Damit starben innerhalb von sieben Tagen 200 Menschen, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Besonders hoch sind die Infektionszahlen im Bezug zur Einwohnerzahl weiterhin in einigen Kreisen im Süden und Osten des Freistaats.

8.30 Uhr: Corona-Demo in Greiz & Co.

In Greiz haben gestern Abend rund 1.500 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Mit Fackeln und Sprechchören zogen die Demonstranten durch die Straßen. Ein Großaufgebot der Polizei sorgte für Sicherheit. Die Beamten machten mit Lautsprecherdurchsagen auf die Beschränkungen aufmerksam.

Vereinzelt kam es an Absperrungen zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten. An einer Polizeikette kam es zu einem Gerangel, als Teilnehmer die Absperrung durchbrechen wollten. Die Versammlung verlief weitestgehend friedlich.

Vereinzelt kam es zu verbalen Auseinandersetzungen, Böller-Zündungen und Flaschenwürfen. Mindestens eine Person wurde nach einem Flaschenwurf identifiziert und wegen einer Widerstandshandlung festgenommen.

In Eisenach berichtete die Polizei von etwa 500 Teilnehmern an einem Protest gegen die Corona-Politik, in der Kleinstadt Bad Liebenstein seien etwa 230 Teilnehmer gezählt worden. In Thüringen - mit Sachsen das Bundesland mit den derzeit bundesweit höchsten Infektionszahlen gemessen an der Einwohnerzahl - waren Aktionen gegen die Corona-Regeln erwartet worden. Die Polizei war mit vielen Beamten landesweit im Einsatz.

Nach der Corona-Verordnung dort dürfen sich an einer Stelle im Freien nur 35 Menschen versammeln. Am Sonntag werden im Freistaat weitere Aktionen erwartet. Auch in vielen anderen Städten in Deutschland kamen Gegner der Corona-Politik am Samstag zu Protesten zusammen.

Samstag, 4. Dezember

12.29 Uhr: Stadt Jena warnt: Konsequentes Eingreifen bei unangemeldeten Versammlungen

Corona-Kritiker wollen offenbar am Sonntagabend auf die Straße gehen. Stadt und Polizei wissen das. Das Problem: Bisher hat noch niemand die Demo angemeldet. Insofern ist sie illegal. Darauf weist Jenas Ordnungsdezernent Benjamin Koppe hin.

„Demonstrationen mit mehr als 35 Personen sind nach der aktuellen Corona-Landesverordnung untersagt und nur im Ausnahmefall zu bewilligen. Weiterhin besteht bereits verpflichtend nach dem Versammlungsgesetz eine 48-stündige Anzeigefrist bei der Versammlungsbehörde. Im Angesicht der jetzigen Lage, einer außer Kontrolle geratenen Pandemie, ist ein anonymer Versammlungsaufruf schlichtweg unverantwortlich. Am heutigen Samstag verzeichnen wir im Jenaer Gesundheitsamt innerhalb von nur einem Tag 175 Neuinfektionen bei zugleich 150 noch nicht bearbeiteten Fällen. Man muss kein Prophet sein, um einen Kollaps der Krankenhäuser in Thüringen vorauszusehen, gelingt es nicht, die Situation in den Griff zu bekommen“, so Koppe.

Die Stadt Jena weist darauf hin, dass Versammlungen bei unmittelbarer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bereits vor Ihrem Beginn verboten und aufgelöst werden können. Versammlungsbehörde und Polizei würden diese Vorgaben morgen konsequent umsetzen, heißt es.

+++ Dutzende Demos gegen Corona-Maßnahmen im Freistaat geplant – alles illegal +++

Erst am Mittwoch hatten auf dem Holzmarkt in Jena rund 250 Corona-Kritiker gegen die geltenden Maßnahmen protestiert. An genau diese haben sie sich dabei natürlich nicht gehalten. Das soll sich nicht wiederholen.

10.42 Uhr: Landräte fordern Demo-Verzicht

Thüringer Landräte haben zum Verzicht auf Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen aufgerufen. Es gelte, durch Besonnenheit die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, schreiben die SPD-Landräte laut der FUNKE Mediengruppe in einem gemeinsamen Appell. In Thüringen wurden demnach am Wochenende erneut Demonstrationen gegen die Corona-Eindämmungsregeln erwartet. Für mehrere Orte, darunter Eisenach und Greiz, werde massiv online mobilisiert. Die Polizei richte sich auf einen Großeinsatz ein.

Laut dem Zeitungsbericht wurde der Appell unterzeichnet von:

  • Antje Hochwind-Schneider (Kyffhäuserkreis)
  • Ingo Jendricke (Landkreis Nordhausen)
  • Onno Eckert (Landkreis Gotha)
  • Marko Wolfram (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt)

Die vier SPD-Politiker äußerten in dem Papier Verständnis, dass die neuerlichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens den Bürgern viel abverlangten. Dies sei aber kein Grund, „an rechtswidrigen Zusammenkünften teilzunehmen“. Die Aufrufe dafür kämen von „fragwürdigen und teilweise extremistischen Initiatoren“.

In Thüringen lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Morgen bei 1.026, der zweithöchste Wert nach Sachsen (1.235). Den höchsten Wert aller Thüringer Landkreise hatte Saalfeld-Rudolstadt mit 1.737.

Dort sollen in einem Seniorenheim inzwischen 18 Bewohner am Coronavirus gestorben sein, davon nach Medienberichten 14 ungeimpfte Frauen und Männer.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich darüber im RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erschüttert und sprach von „völliger Unvernunft“. >> Rudolstadt: Nach Todes-Drama in Pflegeheim – Karl Lauterbach ist entsetzt

9.14 Uhr: 350 Teilnehmer bei unangemeldeten Corona-Protesten

In Thüringen haben am Abend rund 350 Menschen bei zwei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Wie ein Sprecher der Landeseinsatzzentrale sagte, beteiligten sich an einer Demonstration in Kahla (Saale-Holzland-Kreis) etwa 250 und an einer Demo in Rudolstadt (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) ungefähr 100 Personen.

Die Proteste blieben friedlich. Es kam zu keinen Störungen und auch die Hygienebestimmungen wurden weitgehend eingehalten. Beide Veranstaltungen waren nach Angaben des Sprechers nicht angemeldet gewesen. Auch heute und morgen werden im Freistaat erneut Demonstrationen gegen die Corona-Regeln erwartet.

8.30 Uhr: Innenministerium prüft Ausrufung des Katastrophenfalls

Das Thüringer Innenministerium prüft, ob angesichts der Corona-Lage im Freistaat der Katastrophenfall ausgerufen werden sollte. Es werde unter anderem geprüft, ob die Voraussetzungen dafür derzeit gegeben wären und ob dieser Schritt sinnvoll wäre, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Nach Angaben des Sprechers würde im Katastrophenfall die Zuständigkeit für den Katastrophenschutz von den Kommunen auf das Land übergehen. Die Koordinierung für bestimmte Bereiche könne so zentralisiert werden.

Die CDU-Fraktion hatte die Ausrufung des Katastrophenfalls schon letzte Woche gefordert. Dies würde eine „koordinierte und strukturiere Vorgehensweise“ von Behörden, Dienststellen und Organisationen ermöglichen, hatte CDU-Fraktionschef Mario Voigt argumentiert. Außerdem seien damit ehrenamtliche Helfer im Einsatzfall rechtlich abgesichert, so Voigt. Die Stadt Gera rief gestern die Notlage aus, um Sitzungen künftig virtuell oder im sogenannten Umlaufverfahren abhalten zu können.

Die Landrätin des Ilm-Kreises, Petra Enders (parteilos), forderte, den landesweiten Katastrophenfall auszurufen. „Das Gesundheitswesen ist in Thüringen bereits an der Belastungsgrenze. Die Lage ist so ernst, wie nie zuvor“, teilte sie gestern Abend mit. „Das gesamte System droht zu kollabieren, wenn jetzt nicht sofort gehandelt wird.“ Um noch vorhandene Reserven zu heben, brauche man ein Denken und Handeln über den Landkreis hinaus und eine zentrale Steuerung des Landes.

Freitag, 3. Dezember

18.37 Uhr: Thüringen knackt 1000er Marke

Thüringen hat bei der Corona-Inzidenz als zweites Bundesland nach Sachsen die Marke von 1000 überschritten. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag 1013,6 wöchentliche Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Kinder im Schulalter waren nach Daten des Thüringer Gesundheitsministeriums zuletzt besonders von Corona-Infektionen betroffen, ihre Infektionszahlen lagen weit über den Werten in anderen Altersklassen.

Am Freitag kamen den Daten zufolge 3896 Neuinfektionen und 34 Todesfälle hinzu. Besonders stark betroffen ist der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt mit einer Inzidenz von 1614,5.

Die Impfungen nahmen hingegen weiter an Fahrt auf. Alleine am Donnerstag waren über 26 000 Spritzen gesetzt worden, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Das waren in etwa so viele, wie Anfang November noch in einer ganzen Woche verimpft worden waren. Den größten Anteil an den aktuellen Zahlen haben die rund 20.500 Auffrischungsimpfungen. Rund 15 Prozent der Thüringer Bevölkerung ist demnach bereits geboostert.

Auch Kinder von fünf bis elf Jahren sollen nun rasch in die Impfkampagne eingebunden werden. Schon vor Weihnachten sollen sie an den Impfstellen in Erfurt (Katholisches Krankenhaus), Gera, Leinefelde und Sömmerda den Kinderimpfstoff von Biontech/Pfizer erhalten. Erste Termine für den angepeilten Startschuss ab 15. oder 15. Dezember sollen ab 8. Dezember im zentralen Impfportal www.impfen-thueringen.de buchbar sein.

18.14 Uhr: 18 Menschen sterben in Seniorenheim in Rudolstadt

Insgesamt 18 Menschen sind nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Rudolstadt in Thüringen gestorben. Bei 14 von ihnen bestand kein vollständiger Impfschutz, wie das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt am Freitag mitteilte. Nur eine Person habe demnach drei Impfungen erhalten, drei weitere waren doppelt geimpft. Bei einer ersten Meldung von vergangener Woche hatte das Landratsamt berichtet, dass Angehörige von Heimbewohnern diesen von der Impfung abgeraten hatten. Damals waren sieben Tote gezählt worden. Von 141 Heimbewohnern war rund ein Drittel nicht geimpft, hieß es in der jetzigen Mitteilung.

Behauptungen in sozialen Netzwerken, wonach die Todesfälle in Zusammenhang mit einer Booster-Impfung stünden, widersprach das Landratsamt und verwies auf den Anteil der Ungeimpften unter den Todesfällen. Auch habe es genügend Impfmöglichkeiten für die Bewohner von Pflegeeinrichtungen gegeben. „Die Nicht-Impfung ist in diesen Fällen also eine bewusste Entscheidung der Bewohner beziehungsweise von deren Angehörigen und Betreuern und liegt nicht an Terminengpässen in der Impfstelle“, hieß es

16.01 Uhr: Notlage in Gera ausgerufen

Aufgrund der aktuellen pandemischen Lage und der hohen Inzidenzen in der Stadt Gera, hat Oberbürgermeister Julian Vonarb formal die Notlage ausgerufen. Eine kommunale Notlage bestehe dann, wenn es den Mitgliedern entscheidungsfähiger Gremien aufgrund einer außergewöhnlichen Situation nicht zumutbar ist, persönlich an den Ratssitzungen der Stadt teilzunehmen, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung.

Deshalb werde die Stadtratssitzung am 8. Dezember abgesagt. Die Entscheidung fiel angesichts der bundesweiten Verschärfung der Corona-Regeln und des schnellen Anstiegs der Infektionen. Lag die Inzidenz in Gera beim Versand der Einladung bei 692,5, liegt der Wert heute, am 3. Dezember, bei 954,1. Auch das diffuse wie gleichzeitig anhaltende, sehr dynamische Infektionsgeschehen insbesondere in Kindertageseinrichtungen und Schulen bei gleichzeitiger Beachtung des ungefähren Altersdurchschnitts des Stadtrates von 55,7 Jahren wurde in die Risikoabwägung einbezogen.

Nach Feststellung der Notlage können Entscheidungen des obersten Gremiums der Stadt rechtsbindend auf alternativen Wegen getroffen werden.

Sowohl der Haushalts- und Finanzausschuss am 6. Dezember als auch der Rechnungsprüfungs- und Vergabeausschuss am 7. Dezember finden digital statt.

12.47 Uhr: 18 Tote nach Corona-Ausbruch in Seniorenheim

Insgesamt 18 Menschen sind nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Rudolstadt gestorben. Bei 14 von ihnen bestand kein vollständiger Impfschutz, wie das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt am Freitag mitteilte. Nur eine Person habe demnach drei Impfungen erhalten, drei weitere waren doppelt geimpft. Bei einer ersten Meldung von vergangener Woche hatte das Landratsamt berichtet, dass Angehörige von Heimbewohnern diesen von der Impfung abgeraten hatten. Damals waren sieben Tote gezählt worden. Von 141 Heimbewohnern war rund ein Drittel nicht geimpft, hieß es in der Mitteilung vom Freitag.

Behauptungen in sozialen Netzwerken, wonach die Todesfälle in Zusammenhang mit einer Booster-Impfung stünden, widersprach das Landratsamt und verwies auf den Anteil der Ungeimpften unter den Todesfällen. Auch habe es genügend Impfmöglichkeiten für die Bewohner von Pflegeeinrichtungen gegeben. „Die Nicht-Impfung ist in diesen Fällen also eine bewusste Entscheidung der Bewohner beziehungsweise von deren Angehörigen und Betreuern und liegt nicht an Terminengpässen in der Impfstelle“, hieß es.

7.25 Uhr: Unter den Toten sind anscheinend die Mehrheit Ungeimpfte

In der vierten Corona-Welle sind nach einer ersten Erhebung des Gesundheitsministeriums in Thüringen viele ungeimpfte Menschen gestorben. Seit die Infektionszahlen im August erneut stark stiegen, seien 571 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, sagte eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage. Bei 393 der Toten lägen vollständige Angaben zum Impfstatus vor. Davon waren 57 Prozent den Angaben zufolge nicht gegen Covid-19 geimpft.

Fünf Prozent dieser Toten seien noch nicht vollständig geimpft gewesen, 38 Prozent von ihnen hätten einen vollständigen Impfschutz gehabt, ergab die Erhebung. Die Impfquote in Thüringen gehört im Bundesländervergleich zu den niedrigsten in ganz Deutschland.

Zudem zeigt die Auswertung des Ministeriums, dass bislang vor allem ältere und hochbetagte Thüringer in der vierten Corona-Welle gestorben sind. Allerdings hat die Krankheit zuletzt auch einige jüngere Todesopfer gefordert. So seien im Freistaat seit August mindestens 487 Menschen im Alter von über 70 Jahren im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Unter den Toten waren allerdings auch je zwei Menschen aus der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen beziehungsweise der 30- bis 39-Jährigen.

Die Intensivstationen in vielen Thüringer Krankenhäusern sind inzwischen so sehr mit Corona-Patienten belastet, dass manche von ihnen bereits in andere Bundesländer verlegt werden mussten. Der Intensivmediziner Michael Bauer, der als Direktor am Universitätsklinikum Jena arbeitet und gleichzeitig als Intensivkoordinator für den ganzen Freistaat fungiert, hatte jüngst erklärt, wegen der hohen Corona-Belastung der Krankenhäuser müssten dort planbare Operationen von Patienten etwa mit Krebs- oder Herzklappen-Erkrankungen bereits aufgeschoben werden.

(dpa/red)