Corona in Thüringen: Unerlaubte Proteste gegen Corona-Regeln – Hunderte Teilnehmer „spazieren“ durch Erfurt

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Was sind eigentlich Corona-Varianten und warum werden sie mit griechischen Buchstaben bezeichnet.

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Erfurt. Corona hat Thüringen weiterhin fest im Griff. Das Virus verbreitet sich im Freistaat rasant. Erste Corona-Patienten werden in andere Bundesländer verlegt, Weihnachtsmärkte fallen aus – der Landtag stellte am Mittwoch die „pandemische Lage“ fest.

Die aktuelle Corona-Entwicklung in Thüringen kannst du in unserem News-Blog nachlesen.

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Montag, 29. November

22.24 Uhr: Hunderte bei unangekündigten Corona-Protesten

Mehrere Hundert Menschen haben am Montag laut Polizei in Thüringer Städten gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen protestiert. Rund 650 Menschen nahmen nach Angaben eines Polizeisprechers in Erfurt an einem ungenehmigten „Corona-Spaziergang“ teil. Viele hatten Kerzen dabei, Mund-Nasen-Schutz trugen sie nicht. Der Protest sei „friedlich und weitestgehend störungsfrei“ verlaufen.

Thüringenweit war in den Sozialen Netzwerken zum Protest gegen die Corona-Politik von Land und Bund aufgerufen worden. Außerhalb der Landeshauptstadt sei die Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen überwiegend im zweistelligen Bereich geblieben, sagte der Polizeisprecher. Die Thüringer Corona-Notfallverordnung gestattet derzeit nur ortsfeste Kundgebungen mit maximal 35 Teilnehmern.

Bereits am Wochenende gingen in Thüringen Hunderte unangemeldet und gemeinsam „spazieren“. In Eisenach war es bei einer Ansammlung von mehreren Hundert Menschen zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen, die Reizgas einsetzte. Zwei Polizisten wurden laut Polizei verletzt.

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Raymond Walk, kündigte an, man wolle die Geschehnisse vom Wochenende in Eisenach und in Thüringen zum Thema im Innenausschuss machen. Es handle sich um eine „neue Qualität des Demonstrationsgeschehens und eine „Herausforderung sowohl für Gesellschaft als auch unseren Staat“, organisiert von Rechtsextremisten.

18.35 Uhr: Auch Jena schlägt Alarm

Der Bürgermeister der Stadt Jena, Christian Gerlitz, forderte am Montag angesichts der Infektionslage die Ausrufung des Katastrophenfalls in Thüringen.

Alle Veranstaltungen, egal ob betrieblich, privat oder kulturell müssten abgesagt werden. „Die heute neu Infizierten können schon klar absehbar in drei Wochen keine vollständige medizinische Versorgung mehr erwarten, selbst wenn die Infektionen nun rasch zurückgehen würden.“ Das Bundesland rase ungebremst auf den Abgrund zu, warnte er.

15.53 Uhr: Saale-Orla-Kreis am Limit: „Tsunami“

Der Saale-Orla-Kreis in Thüringen hat sein Limit erreicht. Landrat Thomas Fügmann möchte nichts mehr beschönigen und spricht von einer vierten Welle, die „längst zu einem Tsunami“ geworden ist. „Ich sehe ganz schwere Zeiten auf uns zukommen“, betont Fügmann. Der Saale-Orla-Kreis liegt mit einer Inzidenz von 1451,7 an der Spitze in Thüringen.

„Mit Eindämmung hat das nichts mehr zu tun“, konstatiert der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Torsten Bossert, dessen Team die enorme Menge der täglich eingehenden Corona-Fälle trotz erheblicher personeller Aufstockungen nur noch mit einem erheblichen Zeitverzug abarbeiten kann. „Mit unserem eigenen Personal – geschulten Fachkräften – könnten wir mit Müh‘ und Not eine Inzidenz von 100 meistern. Inzwischen steht uns das Zwei- bis Dreifache an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung. Aber das hilft nur wenig, wenn die Inzidenz inzwischen bei über 1400 und damit 14 mal so hoch ist“, rechnet der Amtsarzt vor.

Besonders stark breite sich das Corona-Virus derzeit innerhalb der Schülerschaft des Saale-Orla-Kreises aus. So wurden innerhalb einer Woche allein in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen 220 Infektionen registriert, was einer Inzidenz von über 3000 entspricht (3113,9). Die Auswirkungen sind nun unter anderem in Pößneck zu spüren. Nachdem das Virus mit seinen Auswirkungen in nahezu allen Klassen des Gymnasiums „Am Weißen Turm“ grassierte und an einen normalen Unterricht nicht mehr zu denken war, wurde nun die Notbremse gezogen und für die Schülerinnen und Schüler die Versetzung in den Distanzunterricht beschlossen. Bis einschließlich 13. Dezember wird an es am Pößnecker Gymnasium einen Präsenzunterricht mehr geben.

12.05 Uhr: Inzidenz in Thüringen steigt weiter

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist zum Wochenstart weiter gestiegen. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Morgen nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 895,2 (gestern: 878,4).

Das ist nach Sachsen (1.284,8) bundesweit der zweithöchste Wert. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 1.467 neue Covid-19-Fälle. Zwei weitere Menschen starben in Zusammenhang mit Corona.

Inzwischen weisen im Freistaat sieben Landkreise und die Stadt Gera eine Inzidenz von über 1.000 aus. Mit 1.451,7 ist Stand Sonntag die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Saale-Orla-Kreis am höchsten. Am niedrigsten war sie im Kreis Sömmerda (198,2).

6.14 Uhr: Schlittenhunderennen abgesagt

Das für kommendes Wochenende geplante Schlittenhunderennen Mühlberg/Drei Gleichen ist wegen der dramatischen Corona-Lage in Thüringen abgesagt worden.

„In Anbetracht der weiter rasant steigenden Infektionszahlen – auch der Landkreis Gotha hat inzwischen eine Inzidenz nahe der 1.000er-Marke – und der sich zusehends verschärfenden Situation in den Thüringer Krankenhäusern ginge aus unserer Sicht von einer Veranstaltung über mehrere Tage mit fast 150 Teilnehmern das falsche Signal aus“, heißt es in einer Mitteilung des Schlittenhunde-Sportclubs Thüringen.

Auch vor dem Hintergrund, dass mittlerweile wieder fast alle Sportveranstaltungen in Thüringen abgesagt werden, wäre eine Durchführung des Rennens nur schwer vermittelbar. Das Internationale Schlittenhunde-Wagenrennen in Mühlberg/Drei Gleichen waren schon im vergangenen Jahr wegen der Pandemie ausgefallen.

Inwieweit der Verein in der Lage sein wird, seine traditionellen Rennen im Winter in Frauenwald (5./6. Februar) und Oberhof (26./27. Februar) auszurichten, sei derzeit noch nicht abzusehen, hieß es weiter. Dies hänge in weiten Teilen vom weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens in den nächsten Wochen ab.

Sonntag, 28. November

11.59 Uhr: Corona-Lage verschärft sich weiter

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist am Wochenende weiter in die Höhe geschnellt. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Sonntag nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 878,4 (Vortag: 852,8). Das ist nach Sachsen (1205,5) bundesweit der zweithöchste Wert. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 2202 neue Covid-19-Fälle. Neun weitere Menschen starben in Zusammenhang mit Corona.

Inzwischen weisen im Freistaat sieben Landkreise und die Stadt Gera eine Inzidenz von über 1000 aus. Mit 1486,6 ist Stand Sonntag die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Kreis Sonneberg am höchsten. Am niedrigsten war sie im Kreis Sömmerda (205,5).

Samstag, 27. November

18 Uhr: Ansturm auf Impfzentren im Freistaat

Die besorgniserregende Pandemiewelle und die neuen strengen Corona-Regeln in Thüringen haben am Samstag zu einem Ansturm auf die Impfstellen im Land geführt. Die Impfstellen, die samstags eine Spritze ohne vorherige Terminvereinbarung anbieten, seien regelrecht überrannt worden, sagte Jörg Mertz, Impfmanager der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen auf Anfrage.

Mancherorts wie in Mühlhausen hätten Impfwillige bereits vier Stunden vor Beginn der landesweiten Aktion um 7.30 Uhr ausgeharrt. Laut Mertz wurden bei der samstäglichen Impfaktion bis zu 10 000 Menschen mit den Impfstoffen von Moderna und Johnson & Johnson geimpft. Etwa die Hälfte davon sei zu ihrer Erstimpfung gekommen.

Vor allem das Vakzin von Johnson & Johnson sei stark nachgefragt und die vorhandenen Dosen bereits vor Schließung der Impfstellen um 13.30 Uhr aufgebraucht gewesen, sagte Mertz. Bei Impfungen mit diesem Präparat ist nur eine Spritze nötig. Das Land orderte daher beim Bund nach und bekommt in der nächsten Woche laut dem Gesundheitsministerium 50 000 zusätzliche Impfdosen des Herstellers Johnson & Johnson.

16.02 Uhr: 1.250 Impfungen an einem Tag in Jena – eine Sache überrascht

Der „Superimpfsamstag“ in Jena war laut Stadt ein voller Erfolg. Von morgens bis nachmittags wurden 1.250 Menschen in vier Impfzentren geimpft. „Das ist ein starkes Zeichen zur Pandemiebewältigung aus unserer Stadt“, freut sich Bürgermeister Christian Gerlitz. Wie die Stadt berichtet, waren zwei Drittel davon Erstimpfungen.

15.40 Uhr: Thüringen erhält 50.000 zusätzliche Impfdosen

Thüringen erhält in der kommenden Woche 50 000 zusätzliche Impfdosen des Herstellers Johnson & Johnson. Diese Zusage habe Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) am Samstag von dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erhalten, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Bei Impfungen mit dem Präparat von Johnson & Johnson ist nur eine Spritze nötig. Die Nachfrage nach diesem Impfstoff sei in Thüringen angesichts der hohen Infektionswelle enorm gestiegen, so der Sprecher.

Die zusätzlichen Dosen seien für die samstäglichen Impfaktionen ohne Termin sowie für weitere Termin-Impfungen in den regionalen Impfstellen vorgesehen. Die Impfstellen erleben derzeit einen regelrechten Ansturm bei den Erst- und Auffrischungsimpfungen. Wegen zurückgefahrener Biontech/Pfizer-Lieferungen vom Bund sollen ab dem 1. Dezember in Thüringen alle über 30-Jährigen bei ihren Terminen in den Impfstellen mit dem Vakzin von Moderna geimpft werden.

10.25 Uhr: Zahlen steigen rasant an

In Thüringen steigt die Corona-Inzidenz weiter ungebremst an. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Samstag nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 852,8. Am Vortag lag der Wert noch bei 805,7. Thüringen bleibt damit bundesweit das am zweitstärksten von der Infektionswelle betroffene Bundesland. Nur im Nachbarland Sachsen war die Inzidenz (1201,1) noch höher.

Inzwischen weisen im Freistaat sechs Landkreise eine Inzidenz von über 1000 aus. Mit 1455,6 ist die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Kreis Hildburghausen am höchsten. Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 3370 neue Covid-19-Fälle. Zudem gab es zehn weitere Todesfälle in Zusammenhang mit Corona.

10.16 Uhr: Unangekündigte Versammlung gegen Corona-Maßnahmen

In Rudolstadt haben etwa 200 Menschen gegen die derzeitigen Corona-Auflagen demonstriert. Die unangekündigte Versammlung am Freitagabend sei konsequent durch die Polizei begleitet worden, so ein Polizeisprecher am Samstagmorgen. Die Versammlung wurde auf den Marktplatz in Rudolstadt begrenzt. Bei acht Personen wurden Verstöße gegen die Corona-Auflagen festgestellt. Das Thüringer Innenministerium hatte am Freitag verschärfte Kontrollen der Corona-Auflagen für das Wochenende angekündigt.

8.51 Uhr: Ethiker plädiert für Impfpflicht mit harten Strafen

Aus Sicht des Jenaer Ethikers Nikolaus Knoepffler müsste eine allgemeine Corona-Impfpflicht für Erwachsene auch mit harten Strafen einhergehen. „Diejenigen, die sich nicht aus Solidarität mit den Mitmenschen oder aus Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit impfen lassen wollen, müssten durch eine Impfpflicht dazu gebracht werden. Wer sich dann nicht impfen lässt, sollte so bestraft werden, dass es finanziell wehtut“, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für angewandte Ethik an der Friedrich-Schiller-Universität. Auch am Arbeitsplatz müsste aus seiner Sicht Arbeitgebern das Recht eingeräumt werden, Arbeitnehmern zu kündigen.

Knoepffler hatte noch im Sommer für eine „moralische Impfpflicht“ plädiert: Nur so könne verhindert werden, dass es einen erneuten Lockdown gebe, Schulen geschlossen werden oder Geschäfte dicht machen müssen. Man habe aber unterschätzt, wie viele Menschen sich nicht impfen lassen wollen. „Man muss den Druck nun erhöhen, nachdem man gesehen hat, dass die Leute sich nicht solidarisch gezeigt haben.“ Mittlerweile spreche er sich daher für das gesetzliche Mittel aus.

„Es gäbe auch Alternativen: Etwa könnten diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, eine Art Patientenverfügung unterschreiben, dass sie sich nicht auf der Intensivstation behandeln lassen wollen.“ Man könne auch überlegen, ob man Menschen an den Behandlungskosten beteilige. Beides sei aber wohl schwer durchsetzbar.

Eine Spaltung der Gesellschaft sehe er durch eine allgemeine Impfpflicht nicht. „Eher im Gegenteil: Ich sehe die Empörung und Wut von denen, die alles getan haben, dass man die Pandemie in den Griff bekommt.“ Die Gesellschaft sei an diesem Punkt ohnehin bereits gespalten - man werde daher nicht mehr spalten können.

In Thüringen hat die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht zuletzt an Fahrt aufgenommen. Die Linke im Land sprach sich jüngst auf ihrem Parteitag dafür aus. Auch Gesundheitsministerin Heike Werner und Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff (beide Linke) plädierten für das Mittel. Aus der Wirtschaft kamen teils ähnliche Stimmen.

Freitag, 26. November

18.56 Uhr: 2G-Plus für den Amateursport

Für Amateursport in Vereinen und bei Wettkämpfen ist zusätzlich zu den 2G-Regeln für Erwachsene auch ein Test in Thüringen erforderlich. Das teilte das Bildungs- und Sportministerium am Freitag in Erfurt mit. Zugang zu den Sporthallen und anderen geschlossenen Sporträumen haben damit nur noch geimpfte und genesene Menschen, wenn sie zusätzlich einen negativen Corona-Test nachweisen können.

Das Ministerium sprach von einer Präzisierung der geltenden Regelung für den Amateursport, bei dem bisher noch keine Testpflicht bestand. 2Gplus trete noch am Freitag in Kraft. Im Freien gelte für Erwachsene nur 2G beim Sporttreiben. Die neuen Regelungen würden bis 23. Dezember gelten.

Zudem verwies das Ministerium darauf, dass die Pflicht zum 3G-Nachweis auch für alle Beschäftigte an Schulen, in Kindertagesstätten, im organisierten Sportbetrieb und der Jugendarbeit bestehe.

Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendetem 18. Geburtstag gelte beim Amateursport die 3G-Regel, ebenso für Profisportler im Training und Wettkampf. Für Schülerinnen und Schüler, die den Nachweis der regelmäßigen Teilnahme an den schulischen Testungen erbringen könnten, sei der 3G-Nachweis erfüllt.

14.07 Uhr: Gesundheitsministerin kann sich Bundesnotbremse vorstellen

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) schließt nicht aus, dass bald eine Bundesnotbremse nötig werden könnte, um das Corona-Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. „Die Prognosen sind mehr als besorgniserregend - sowohl was die Entwicklung der Infektionszahlen als auch die bundesweiten Kapazitäten der Intensivstationen betrifft“, sagte Werner am Freitag auf Anfrage. Man müsse zu einem deutlichen Abflachen der Infektionskurve kommen.

„Wenn sich zeigt, dass die jetzt getroffenen Maßnahmen nicht greifen, dann wird auch angesichts der steigenden Zahlen in anderen Bundesländern eine einheitliche Bundesnotbremse notwendig werden“, sagte Werner.

Zuvor hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine „einheitliche Bundesnotbremse“ und eine frühere Ministerpräsidentenkonferenz als bisher geplant gefordert. Außerdem sprach er sich erneut für eine allgemeine Impfpflicht aus - am besten schon am 1. Januar.

Thüringen und Bayern gehören zu den am stärksten von der aktuellen Pandemie-Welle betroffenen Bundesländern. In Thüringen lag die Sieben-Tage-Inzidenz mit Stand vom Freitag bei 805,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Wegen der Überlastung des Gesundheitssystems sollten am Freitag erneut Patienten in Krankenhäuser anderer Bundesländer gebracht werden.

13.32 Uhr: Gastgewerbe wirbt um mehr Vertrauen

Das Gastgewerbe hat Politik und Behörden aufgerufen, bei der Durchsetzung der strengen Corona-Regeln in Thüringen Gastronomen und Hoteliers mehr zu vertrauen. Die Mechanismen seien über Monate eingeübt. Die Betriebe hätten kein Interesse, zum Corona-Infektionsfall zu werden, sondern wollten Gäste empfangen, sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Mark Kühnelt, am Freitag in Erfurt. Er reagierte damit auf die Ankündigung der Landesregierung von verstärkten Kontrollen, nicht nur im Gastgewerbe.

„Das Gastgewerbe ist kein Pandemietreiber“, so der Dehoga-Präsident. Er vermöge sich nicht vorzustellen, dass Ordnungsbehörden, möglicherweise unterstützt von der Polizei, durch Gasträume zögen. In der Gastronomie haben in Thüringen nur geimpfte oder genesene Gäste Zutritt. Ihr Status muss von den Betrieben kontrolliert werden.

12.20 Uhr: Ausgangssperre und Sperrstunde im Fokus der Kontrollen

Bei verstärkten Kontrollen angesichts der ernsten Corona-Lage will die Thüringer Polizei nach Angaben von Innenminister Georg Maier (SPD) vor allem die Ausgangssperre für Ungeimpfte und die Sperrstunde in der Gastronomie in den Blick nehmen. Auch auf die Beschränkungen von Veranstaltungen unter freiem Himmel und die Einhaltung der Abstandsgebote und der Maskenpflicht soll besonders geachtet werden, wie das Innenministerium am Freitag mitteilte.

In diese Maßnahmen würden neben verstärkten Teams des Einsatz- und Streifendienstes der Landespolizeiinspektionen die Einsatzzüge der Bereitschaftspolizei und der Landespolizeiinspektionen sowie Diensthundeführer eingebunden“, sagte Maier. Die Polizei werde „ihren Beitrag leisten, um Vorkommnisse mit Unbelehrbaren“ zu unterbinden.

Thüringen hatte erst am Mittwoch strengere Corona-Regeln in Kraft gesetzt, die einem Teil-Lockdown gleichkommen. Für Menschen, die weder gegen das Coronavirus geimpft noch von Covid-19 genesen sind, gelten besonders strenge Beschränkungen.

11.49 Uhr: Weiter schneller Anstieg der Inzidenz

In Thüringen steigt die Corona-Inzidenz weiter mit großer Geschwindigkeit. Der Wert lag mit Stand vom Freitag bei 805,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Am Donnerstag hatte die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 773,2 gelegen, binnen eines Tages kamen 3.557 neue Covid-19-Fälle hinzu.

Thüringen ist damit bundesweit das am zweitstärksten von der Infektionswelle betroffene Land. Im Nachbarbundesland Sachsen lag die Inzidenz am Freitag mit 1.192,8 am höchsten im Ländervergleich.

Angesichts der angespannten Infektionslage hatte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auch einen Lockdown vor Weihnachten nicht mehr ausgeschlossen. Thüringen hatte erst am Mittwoch strengere Corona-Regeln in Kraft gesetzt, die einem Lockdown gleich kommen.

Derweil wird die Überlastung der Thüringer Krankenhäuser immer ernster. Am Freitag waren 32,7 Prozent der Betten auf Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt, wie aus einem täglichen Lagebericht der Staatskanzlei hervorgeht. Die Hospitalisierungsrate zeigte mit einem Wert von 18,9 pro 100.000 Einwohnern in einem Sieben-Tage-Zeitraum eine steigende Tendenz. Seit einiger Zeit hat Thüringen hier den mit Abstand bundesweit höchsten Wert.

6.12 Uhr: Bürgermeister unter Schock

Nach der aufgeheizten und verbotenen Corona-Demo in Hildburghausen hat sich der Bürgermeister der Stadt schockiert über die Szenen gezeigt: „Ich bin ehrlich gesagt erschrocken, wir haben eine Aggressivität hier", sagte Tilo Kummer (Linke).

In Bezug auf die Situation der aktuellen Corona-Lage hat er kein Verständnis. „Wenn ich solche Veranstaltungen hier sehe, wo Menschen nahe beieinander stehen ohne Mundschutz und so tun, als ob es Corona nicht gibt“, sagt der Bürgermeister.

Die Polizei hatte die Demo am Abend teils gewaltsam aufgelöst. Rund 100 Teilnehmer hatten sich illegalerweise versammelt und wollten durch Hildburghausen ziehen. Das verhinderte die Polizei, auch Pfefferspray wurde eingesetzt. die Beamten nahmen mehrere Corona-Kritiker fest.

Donnerstag, 25. November

21.56 Uhr: Corona-Protest in Hildburghausen eskaliert

In Hildburghausen hat die Polizei am Donnerstagabend erneut einen unangemeldeten Corona-Protest aufgelöst. Auf dem Marktplatz hatten sich nach Polizeiangaben bis zu 70 Menschen versammelt. In Thüringen sind derzeit nur Kundgebungen mit bis zu 35 Teilnehmern erlaubt.

Es wurden keine Masken getragen und keine Mindestabstände eingehalten, sagte Polizei-Einsatzleiter Frank Haspel der Deutschen Presse-Agentur. „Es wurde praktisch gegen alle rechtlichen Regeln verstoßen.“ Als sich die Demonstranten zu einem Aufzug durch die Innenstadt formierten, löste die Polizei die Kundgebung nach 20 Minuten auf. Dabei sei es zu Rangeleien zwischen Teilnehmern und Polizisten gekommen. Mehrere Strafanzeigen sowie Personalien wurden aufgenommen. Haspel sprach von einem „unfriedlichen Verlauf“.

Auch ein dpa-Fotoreporter beschrieb die Stimmung als aggressiv. Es ertönten Rufe wie „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“ und „Wir gehen spazieren“. Erst am Montag hatte die Polizei in der Südthüringer Stadt eine nicht angemeldete Corona-Demo mit rund 60 Teilnehmern aufgelöst.

20.40 Uhr: Erste Covid-Intensivpatienten aus Thüringen verlegt

Die ersten Intensivpatienten mit Covid-19 sind auf Grundlage des sogenannten Kleeblatt-Konzepts von Thüringen nach Niedersachsen verlegt worden. Ein Rettungshubschrauber sei mit einem Patienten aus dem südthüringischen Suhl am frühen Donnerstagabend am Klinikum Siloah in Hannover gelandet, bestätigten Steffen Ellerhoff, Pressesprecher des Klinikums Region Hannover, und ein Sprecher des Zentralklinikums Suhl der Deutschen Presse-Agentur.

Ein zweiter Patient wurde nach Angaben eines dpa-Reporters vor Ort kurze Zeit später mit einem sogenannten Intensivtransportwagen zu dem Klinikum gefahren. Drei Rettungskräfte in Schutzanzügen brachten den Mann aus dem Wagen in die Notaufnahme. Nach Angaben des Zentralklinikums Suhl handelt es sich bei beiden Kranken um beatmete Covid-19-Patienten.

Nach Angaben des Thüringer Intensiv-Koordinators Michael Bauer sollen am Freitag weitere Verlegungen nach Niedersachsen folgen. Unter anderem sollen Patienten aus Eisenach und Bad Langensalza nach Hildesheim kommen. Außerdem ist eine Verlegung von Saalfeld nach Hannover geplant. Laut einer Sprecherin des Gesundheitsministeriums sind derzeit acht Thüringer Patienten für eine Verlegung vorgesehen.

Am Dienstagabend hatten Bayern und mehrere Ost-Bundesländer erstmals in der vierten Welle das sogenannte Kleeblatt-Prinzip aktiviert. Darüber sollen bundesweite Verlegungen möglich sein. Neben Thüringen bereitet auch Sachsen Verlegungen vor - am Donnerstag war hier aber noch nichts konkret geplant. Außerdem hatte Bayern mehrere Dutzend Patienten vorgemerkt, die in den kommenden Tagen verlegt werden sollen. Der genaue Zeitpunkt war auch hier unklar.

18.23 Uhr: Tiefensee kündigt Finanzspritze an – Schausteller sollen besonders berücksichtigt werden

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat eine massive Unterstützung von Wirtschaft, Handel und Tourismus angekündigt, um die Corona-Folgen zu dämpfen. Die besondere Situation von Veranstaltern und Schaustellern auf Weihnachtsmärkten werde bei den Förderregeln berücksichtigt, erklärte der Minister am Donnerstag in Erfurt. Eine Abstimmungen zwischen Bund und Ländern dazu laufe.

Tiefensee: „Umfassende Hilfen sind in der momentanen Situation selbstverständlich - und sie stehen bereit.“ Über das Programm „Überbrückungshilfe III Plus“ könnten die Betriebskosten von Unternehmen, die von Umsatzausfällen betroffenen sind, bis zu 100 Prozent ersetzt werden. Es sei um drei weitere Monate bis zum 31. März 2022 verlängert worden.

Zudem gebe es Darlehens-, Bürgschafts- und Investitionsprogramme, einen Sonderfonds und die Ausfallabsicherung für die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft sowie den Corona-Härtefallfonds. Schausteller, denen Geschäft durch die Absage der Thüringer Weihnachtsmärkte entgeht, haben allerdings auch einen Ersatz ihrer erwarteten Umsätze verlangt.

Bei den Bund-Länder-Gesprächen geht es laut Tiefensee auch um die Abschreibung von Saison- oder verderblichen Waren, die seiner Meinung nach unbedingt beibehalten werden müsse. Zugleich sollten die Hürden für Förderung gesenkt werden - etwa indem künftig nur noch für einen Monat ein relevanter Umsatzrückgang nachgewiesen werden müsse. Die Bearbeitung der Förderanträge würde zügig durch die Thüringer Aufbaubank erfolgen, versicherte der Minister.

12.05 Uhr: Thüringen erneut mit traurigem Rekord

Thüringen hat den zweiten Tag in Folge einen Rekord bei den Corona-Neuinfektionen verzeichnet. Das Robert Koch-Institut (RKI) zählte am Donnerstag 3596 neue Corona-Fälle im Freistaat, 31 Todesfälle kamen hinzu. Am Vortag hatte der Wert bei 3237 gelegen. Der bisherige Höchststand war am Freitag mit 2849 gemeldet worden.

Auch die Sieben-Tage-Inzidenz stieg weiter. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche am Donnerstag mit 773,2 an, am Vortag hatte der Wert bei 721,6 gelegen. Nur in Sachsen (1074) wurde ein noch höherer Wert vom RKI ausgewiesen. Bundesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 419,7 (Vortag: 404,5).

Landesweit wurde die höchste Sieben-Tage-Inzidenz aus dem Landkreis Sonneberg mit 1470,8 gemeldet, gefolgt von Hildburghausen (1377,4) und dem Saale-Orla-Kreis (1243,2).

11.10 Uhr: Werner fordert Impfpflicht

Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hält angesichts der derzeitigen Pandemie-Entwicklung eine allgemeine Corona-Impfpflicht für unausweichlich. Die derzeitige Impflücke führe dazu, dass immer wieder neue Corona-Wellen mit Maßnahmen gebrochen werden müssten, damit das Gesundheitssystem nicht kollabiere, sagte Werner am Donnerstag während des Thüringer Krankenhausforums. Die Ausgestaltung einer solchen Impfpflicht müsse breit diskutiert werden. Sie verwies zugleich darauf, dass in der derzeitigen Welle eine Impfpflicht keine akute Abhilfe schaffe.

Auch die Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft, Gundula Werner, plädierte in dem Forum für eine allgemeine Corona-Impfpflicht. „Es war ein Fehler der Politik, dass man so früh eine Impfpflicht ausgeschlossen hat“, sagte Werner, die Geschäftsführerin des Klinikums Altenburger Land ist.

Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie das Krankenhauspersonal lehnte sie ab. „Es sind nicht die Pflegenden in den Krankenhäusern, die derzeit in den Intensivbetten liegen. Die stehen neben den Betten.“ Im Krankenhausforum diskutierten Vertreter von Kliniken, Krankenkassen und der Landespolitik die Konsequenzen für die Häuser aus der Pandemie.

7.06 Uhr: Trotz pandemischer Lage – Skilifte machen auf

Skilifte dürfen trotz der ab Donnerstag in Thüringen geltenden strengen Corona-Regeln für die alpine Wintersportsaison geöffnet werden. Die Anlagen werden als Transportmittel bewertet, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Erfurt der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die Begründung mutet skurril an: Die Skilifte fielen demnach analog der Bundesvorschrift für den öffentlichen Personennahverkehr unter die 3G-Regel.

Freunde des alpinen Wintersports müssen daher an den 21 Liftanlagen in Thüringen ihren Nachweis über Impfung, Genesung oder negativen Corona-Test parat haben. Für die Gastronomie an den Pisten und entlang der Langlaufstrecken gelte die 2G-Regel (nur Geimpfte und Genesene) und eine Sperrstunde.

Im vergangenen Winter standen aufgrund von Corona - trotz reichlich Schnee - alle Skilifte in Thüringen still. Loipen und Rodelhänge durften nur von Tagestouristen, teils sogar ausschließlich von Anwohnern genutzt werden.


(dpa/red)