Corona in Thüringen: Intensivstationen überlastet – Patienten auf Wartelisten sterben „Milde Form einer Triage“

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Was sind eigentlich Corona-Varianten und warum werden sie mit griechischen Buchstaben bezeichnet.

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Erfurt. Corona hat Thüringen weiterhin fest im Griff. Das Virus verbreitet sich im Freistaat rasant. Erste Corona-Patienten wurden in andere Bundesländer verlegt, Weihnachtsmärkte fallen aus – und auf den Straßen formiert sich Widerstand.

Die aktuelle Corona-Entwicklung in Thüringen kannst du in unserem News-Blog nachlesen.

Corona in Thüringen: Alle Entwicklungen hier nachlesen!

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Mittwoch, 01. Dezember

12.29 Uhr: Intensivstationen überlastet – Patienten auf Wartelisten sterben „Milde Form einer Triage“

Die Situation auf den Intensivstationen im Hochinzidenzland Thüringen bleibt sehr angespannt. Planbare Operationen von Patienten etwa mit Krebs- oder Herzklappen-Erkrankungen würden aufgeschoben, sagte der Intensivkoordinator des Landes, Michael Bauer, am Mittwoch. „Für die bedeutet das unter Umständen den Tod auf der Warteliste oder eine wesentlich schlechtere Prognose.“ Einige seien bereits gestorben.

„In dem Moment, wo ich als Arzt priorisiere und sage, jemand muss auf die Warteliste, mache ich natürlich eine milde Form einer Triage“, sagte er weiter. Meistens gehe das gut, aber nicht immer. Es sei bei Krebs auch die Frage, wie viele Menschen dadurch aus einem noch heilbaren Stadium in ein Stadium kommen, wo sie etliche Lebensjahre einbüßten. „Wir kommen jetzt schon in Bereiche, in denen wir Medizin machen, die wir eigentlich nicht machen wollen.“ Das nähmen die Leute in Kauf, die die Realität hartnäckig leugneten, sagte er mit Blick auf den großen Anteil ungeimpfter Corona-Patienten auf den Intensivstationen.

In Thüringen waren laut Bauer am Mittwoch 217 Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Am Universitätsklinikum Jena, wo Bauer die Klinik für Intensivmedizin leitet, sind seit Wochen keine Betten mehr frei. Aktuell werde der „beste Patient“, egal ob mit oder ohne Covid-19, von der Station verlegt, wenn etwa ein Unfallopfer komme und ein neues Bett gebraucht werde. Aus der Situation werde man nur mit mehr Impfungen und Kontaktbeschränkungen kommen. Die Verlegungen in andere Bundesländer würden weitergehen.

7.31 Uhr: Weniger Intensivpatienten als befürchtet

In Thüringen waren Ende November weniger Corona-Patienten auf den Intensivstationen als zunächst befürchtet. Seit etwa einer Woche sei ein Plateau von rund 200 mit Covid-19-Patienten und -Patientinnen belegten Intensivbetten erreicht, sagte eine Sprecherin des Thüringer Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hatte Mitte November noch vor bis zu 300 Corona-Intensivpatienten bis Monatsende gewarnt, wenn sich die Infektionszahlen weiter so entwickeln und keine neuen Maßnahmen hinzukommen. Das sei aus einer Prognose hervorgegangen, hatte sie damals gesagt. Der bisherige Höchststand hatte im April 2021 bei 233 gelegen.

Woran es liegt, dass sich die Zahlen anscheinend eingepegelt haben, sei schwer zu sagen, hieß es von der Sprecherin. „Wir glauben nicht, dass es jetzt schon an den Maßnahmen liegt, die letzte Woche umgesetzt wurden.“ Vergangene Woche wurden in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens Einschränkungen und Schließungen beschlossen und umgesetzt. Bis sich solche Maßnahmen auf die Infektionszahlen auswirkten, dauere es aber in der Regel bis zu zwei Wochen. Bis sich das dann in den Krankenhauszahlen zeige, dauere es nochmal eine Zeit.

Auch die Patientenverlegungen der vergangenen Tage hätten wenig zur Entspannung der Situation beigetragen, sagte die Sprecherin. Bis Anfang der Woche seien neun Patienten über das sogenannte Kleeblatt-Prinzip bundesweit verteilt worden. Viele Kliniken hätten signalisiert: „Die Betten, die dadurch frei wurden, waren in kürzester Zeit wieder belegt.“ Die Lage bleibe daher weiter Ernst.

Dienstag, 30. November

20.33 Uhr: Leipzigs OB will harten Lockdown für Thüringen, Sachsen und Bayern

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung spricht sich für einen harten Lockdown in Sachsen, Thüringen, Bayern und angrenzenden Gebieten aus. „Keine Veranstaltungen, kein Einzelhandel – außer für Waren des täglichen Bedarfs, keine Gastronomie“, sagte der SPD-Politiker in einem Interview der „Leipziger Volkszeitung“. Das öffentliche und wirtschaftliche Leben müsse bis Anfang des neuen Jahres auf ein Mindestmaß zurückgefahren, Kontakte müssten drastisch reduziert werden, um die Infektionsketten zu durchbrechen.

Jung plädierte außerdem dafür, auch geimpfte Angehörige von positiv Getesteten in Quarantäne zu schicken. Dass dies nicht geschehe, sei ein „Fehler im System“.

Der seit Anfang voriger Woche in Sachsen geltende Teil-Lockdown habe bereits Wirkung gezeigt, sagte Jung weiter. Aus ersten Auswertungen von Bewegungsprofilen sei eine 40- bis 50-prozentige Verringerung der Mobilität der Menschen abzulesen. Die Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, um die extrem hohen Infektionszahlen im Freistaat deutlich zu reduzieren.

10.21 Uhr: Inzidenz steigt weiter

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist weiter gestiegen. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Morgen nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 936,8 (gestern: 895,2). Das ist nach Sachsen (1.268,9) bundesweit der zweithöchste Wert.

Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 3.531 neue Covid-19-Fälle. 35 weitere Menschen starben in Zusammenhang mit Corona.

Inzwischen weisen im Freistaat zehn Landkreise eine Inzidenz von über 1.000 aus. Mit 1.512,0 ist Stand Sonntag die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Saale-Orla-Kreis am höchsten. Am niedrigsten war sie im Kreis Sömmerda (285,1).

7.24 Uhr: 2.700 Menschen demonstrieren gegen Corona-Maßnahmen

Mehrere Tausend Menschen haben an unangemeldeten Protesten gegen die Corona-Maßnahmen in Thüringen teilgenommen. Insgesamt 2.700 Menschen hätten gestern Abend an 20 verschiedenen Orten demonstriert, sagte ein Polizeisprecher.

Bei der größten Versammlung in Erfurt gingen demnach 650 Menschen auf die Straße, in Arnstadt im Ilmkreis und in Bad Salzungen im Wartburgkreis versammelten sich 400 und 280 Menschen.

Bei allen anderen Demonstrationen hätten sich die Teilnehmerzahlen im zweistelligen Bereich bewegt. Wegen der Corona-Pandemie sind in Thüringen derzeit nur ortsfeste Versammlungen von bis zu 35 Menschen erlaubt.

Nach den Angaben vom Dienstagmorgen verliefen die Demonstrationen friedlich. Polizeibeamte hätten die Versammlungen dokumentiert und würden bei Verstößen gegen die thüringische Corona-Verordnung Ermittlungen einleiten.

Montag, 29. November

22.24 Uhr: Hunderte bei unangekündigten Corona-Protesten

Mehrere Hundert Menschen haben am Montag laut Polizei in Thüringer Städten gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen protestiert. Rund 650 Menschen nahmen nach Angaben eines Polizeisprechers in Erfurt an einem ungenehmigten „Corona-Spaziergang“ teil. Viele hatten Kerzen dabei, Mund-Nasen-Schutz trugen sie nicht. Der Protest sei „friedlich und weitestgehend störungsfrei“ verlaufen.

Thüringenweit war in den Sozialen Netzwerken zum Protest gegen die Corona-Politik von Land und Bund aufgerufen worden. Außerhalb der Landeshauptstadt sei die Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen überwiegend im zweistelligen Bereich geblieben, sagte der Polizeisprecher. Die Thüringer Corona-Notfallverordnung gestattet derzeit nur ortsfeste Kundgebungen mit maximal 35 Teilnehmern.

18.35 Uhr: Auch Jena schlägt Alarm

Der Bürgermeister der Stadt Jena, Christian Gerlitz, forderte am Montag angesichts der Infektionslage die Ausrufung des Katastrophenfalls in Thüringen.

Alle Veranstaltungen, egal ob betrieblich, privat oder kulturell müssten abgesagt werden. „Die heute neu Infizierten können schon klar absehbar in drei Wochen keine vollständige medizinische Versorgung mehr erwarten, selbst wenn die Infektionen nun rasch zurückgehen würden.“ Das Bundesland rase ungebremst auf den Abgrund zu, warnte er.

15.53 Uhr: Saale-Orla-Kreis am Limit: „Tsunami“

Der Saale-Orla-Kreis in Thüringen hat sein Limit erreicht. Landrat Thomas Fügmann möchte nichts mehr beschönigen und spricht von einer vierten Welle, die „längst zu einem Tsunami“ geworden ist. „Ich sehe ganz schwere Zeiten auf uns zukommen“, betont Fügmann. Der Saale-Orla-Kreis liegt mit einer Inzidenz von 1451,7 an der Spitze in Thüringen.

„Mit Eindämmung hat das nichts mehr zu tun“, konstatiert der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Torsten Bossert, dessen Team die enorme Menge der täglich eingehenden Corona-Fälle trotz erheblicher personeller Aufstockungen nur noch mit einem erheblichen Zeitverzug abarbeiten kann. „Mit unserem eigenen Personal – geschulten Fachkräften – könnten wir mit Müh‘ und Not eine Inzidenz von 100 meistern. Inzwischen steht uns das Zwei- bis Dreifache an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung. Aber das hilft nur wenig, wenn die Inzidenz inzwischen bei über 1400 und damit 14 mal so hoch ist“, rechnet der Amtsarzt vor.

Besonders stark breite sich das Corona-Virus derzeit innerhalb der Schülerschaft des Saale-Orla-Kreises aus. So wurden innerhalb einer Woche allein in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen 220 Infektionen registriert, was einer Inzidenz von über 3000 entspricht (3113,9). Die Auswirkungen sind nun unter anderem in Pößneck zu spüren. Nachdem das Virus mit seinen Auswirkungen in nahezu allen Klassen des Gymnasiums „Am Weißen Turm“ grassierte und an einen normalen Unterricht nicht mehr zu denken war, wurde nun die Notbremse gezogen und für die Schülerinnen und Schüler die Versetzung in den Distanzunterricht beschlossen. Bis einschließlich 13. Dezember wird an es am Pößnecker Gymnasium einen Präsenzunterricht mehr geben.

12.05 Uhr: Inzidenz in Thüringen steigt weiter

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist zum Wochenstart weiter gestiegen. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Morgen nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 895,2 (gestern: 878,4).

Das ist nach Sachsen (1.284,8) bundesweit der zweithöchste Wert. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 1.467 neue Covid-19-Fälle. Zwei weitere Menschen starben in Zusammenhang mit Corona.

Inzwischen weisen im Freistaat sieben Landkreise und die Stadt Gera eine Inzidenz von über 1.000 aus. Mit 1.451,7 ist Stand Sonntag die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Saale-Orla-Kreis am höchsten. Am niedrigsten war sie im Kreis Sömmerda (198,2).

6.14 Uhr: Schlittenhunderennen abgesagt

Das für kommendes Wochenende geplante Schlittenhunderennen Mühlberg/Drei Gleichen ist wegen der dramatischen Corona-Lage in Thüringen abgesagt worden.

„In Anbetracht der weiter rasant steigenden Infektionszahlen – auch der Landkreis Gotha hat inzwischen eine Inzidenz nahe der 1.000er-Marke – und der sich zusehends verschärfenden Situation in den Thüringer Krankenhäusern ginge aus unserer Sicht von einer Veranstaltung über mehrere Tage mit fast 150 Teilnehmern das falsche Signal aus“, heißt es in einer Mitteilung des Schlittenhunde-Sportclubs Thüringen.

Auch vor dem Hintergrund, dass mittlerweile wieder fast alle Sportveranstaltungen in Thüringen abgesagt werden, wäre eine Durchführung des Rennens nur schwer vermittelbar. Das Internationale Schlittenhunde-Wagenrennen in Mühlberg/Drei Gleichen waren schon im vergangenen Jahr wegen der Pandemie ausgefallen.

Inwieweit der Verein in der Lage sein wird, seine traditionellen Rennen im Winter in Frauenwald (5./6. Februar) und Oberhof (26./27. Februar) auszurichten, sei derzeit noch nicht abzusehen, hieß es weiter. Dies hänge in weiten Teilen vom weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens in den nächsten Wochen ab.

Sonntag, 28. November

11.59 Uhr: Corona-Lage verschärft sich weiter

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist am Wochenende weiter in die Höhe geschnellt. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Sonntag nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 878,4 (Vortag: 852,8). Das ist nach Sachsen (1205,5) bundesweit der zweithöchste Wert. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 2202 neue Covid-19-Fälle. Neun weitere Menschen starben in Zusammenhang mit Corona.

Inzwischen weisen im Freistaat sieben Landkreise und die Stadt Gera eine Inzidenz von über 1000 aus. Mit 1486,6 ist Stand Sonntag die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Kreis Sonneberg am höchsten. Am niedrigsten war sie im Kreis Sömmerda (205,5).

Samstag, 27. November

18 Uhr: Ansturm auf Impfzentren im Freistaat

Die besorgniserregende Pandemiewelle und die neuen strengen Corona-Regeln in Thüringen haben am Samstag zu einem Ansturm auf die Impfstellen im Land geführt. Die Impfstellen, die samstags eine Spritze ohne vorherige Terminvereinbarung anbieten, seien regelrecht überrannt worden, sagte Jörg Mertz, Impfmanager der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen auf Anfrage.

Mancherorts wie in Mühlhausen hätten Impfwillige bereits vier Stunden vor Beginn der landesweiten Aktion um 7.30 Uhr ausgeharrt. Laut Mertz wurden bei der samstäglichen Impfaktion bis zu 10 000 Menschen mit den Impfstoffen von Moderna und Johnson & Johnson geimpft. Etwa die Hälfte davon sei zu ihrer Erstimpfung gekommen.

Vor allem das Vakzin von Johnson & Johnson sei stark nachgefragt und die vorhandenen Dosen bereits vor Schließung der Impfstellen um 13.30 Uhr aufgebraucht gewesen, sagte Mertz. Bei Impfungen mit diesem Präparat ist nur eine Spritze nötig. Das Land orderte daher beim Bund nach und bekommt in der nächsten Woche laut dem Gesundheitsministerium 50 000 zusätzliche Impfdosen des Herstellers Johnson & Johnson.

16.02 Uhr: 1.250 Impfungen an einem Tag in Jena – eine Sache überrascht

Der „Superimpfsamstag“ in Jena war laut Stadt ein voller Erfolg. Von morgens bis nachmittags wurden 1.250 Menschen in vier Impfzentren geimpft. „Das ist ein starkes Zeichen zur Pandemiebewältigung aus unserer Stadt“, freut sich Bürgermeister Christian Gerlitz. Wie die Stadt berichtet, waren zwei Drittel davon Erstimpfungen.

15.40 Uhr: Thüringen erhält 50.000 zusätzliche Impfdosen

Thüringen erhält in der kommenden Woche 50 000 zusätzliche Impfdosen des Herstellers Johnson & Johnson. Diese Zusage habe Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) am Samstag von dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erhalten, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Bei Impfungen mit dem Präparat von Johnson & Johnson ist nur eine Spritze nötig. Die Nachfrage nach diesem Impfstoff sei in Thüringen angesichts der hohen Infektionswelle enorm gestiegen, so der Sprecher.

Die zusätzlichen Dosen seien für die samstäglichen Impfaktionen ohne Termin sowie für weitere Termin-Impfungen in den regionalen Impfstellen vorgesehen. Die Impfstellen erleben derzeit einen regelrechten Ansturm bei den Erst- und Auffrischungsimpfungen. Wegen zurückgefahrener Biontech/Pfizer-Lieferungen vom Bund sollen ab dem 1. Dezember in Thüringen alle über 30-Jährigen bei ihren Terminen in den Impfstellen mit dem Vakzin von Moderna geimpft werden.

10.25 Uhr: Zahlen steigen rasant an

In Thüringen steigt die Corona-Inzidenz weiter ungebremst an. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Samstag nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 852,8. Am Vortag lag der Wert noch bei 805,7. Thüringen bleibt damit bundesweit das am zweitstärksten von der Infektionswelle betroffene Bundesland. Nur im Nachbarland Sachsen war die Inzidenz (1201,1) noch höher.

Inzwischen weisen im Freistaat sechs Landkreise eine Inzidenz von über 1000 aus. Mit 1455,6 ist die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Kreis Hildburghausen am höchsten. Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 3370 neue Covid-19-Fälle. Zudem gab es zehn weitere Todesfälle in Zusammenhang mit Corona.

10.16 Uhr: Unangekündigte Versammlung gegen Corona-Maßnahmen

In Rudolstadt haben etwa 200 Menschen gegen die derzeitigen Corona-Auflagen demonstriert. Die unangekündigte Versammlung am Freitagabend sei konsequent durch die Polizei begleitet worden, so ein Polizeisprecher am Samstagmorgen. Die Versammlung wurde auf den Marktplatz in Rudolstadt begrenzt. Bei acht Personen wurden Verstöße gegen die Corona-Auflagen festgestellt. Das Thüringer Innenministerium hatte am Freitag verschärfte Kontrollen der Corona-Auflagen für das Wochenende angekündigt.

8.51 Uhr: Ethiker plädiert für Impfpflicht mit harten Strafen

Aus Sicht des Jenaer Ethikers Nikolaus Knoepffler müsste eine allgemeine Corona-Impfpflicht für Erwachsene auch mit harten Strafen einhergehen. „Diejenigen, die sich nicht aus Solidarität mit den Mitmenschen oder aus Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit impfen lassen wollen, müssten durch eine Impfpflicht dazu gebracht werden. Wer sich dann nicht impfen lässt, sollte so bestraft werden, dass es finanziell wehtut“, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für angewandte Ethik an der Friedrich-Schiller-Universität. Auch am Arbeitsplatz müsste aus seiner Sicht Arbeitgebern das Recht eingeräumt werden, Arbeitnehmern zu kündigen.

Knoepffler hatte noch im Sommer für eine „moralische Impfpflicht“ plädiert: Nur so könne verhindert werden, dass es einen erneuten Lockdown gebe, Schulen geschlossen werden oder Geschäfte dicht machen müssen. Man habe aber unterschätzt, wie viele Menschen sich nicht impfen lassen wollen. „Man muss den Druck nun erhöhen, nachdem man gesehen hat, dass die Leute sich nicht solidarisch gezeigt haben.“ Mittlerweile spreche er sich daher für das gesetzliche Mittel aus.

„Es gäbe auch Alternativen: Etwa könnten diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, eine Art Patientenverfügung unterschreiben, dass sie sich nicht auf der Intensivstation behandeln lassen wollen.“ Man könne auch überlegen, ob man Menschen an den Behandlungskosten beteilige. Beides sei aber wohl schwer durchsetzbar.

Eine Spaltung der Gesellschaft sehe er durch eine allgemeine Impfpflicht nicht. „Eher im Gegenteil: Ich sehe die Empörung und Wut von denen, die alles getan haben, dass man die Pandemie in den Griff bekommt.“ Die Gesellschaft sei an diesem Punkt ohnehin bereits gespalten - man werde daher nicht mehr spalten können.

In Thüringen hat die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht zuletzt an Fahrt aufgenommen. Die Linke im Land sprach sich jüngst auf ihrem Parteitag dafür aus. Auch Gesundheitsministerin Heike Werner und Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff (beide Linke) plädierten für das Mittel. Aus der Wirtschaft kamen teils ähnliche Stimmen.

Freitag, 26. November

18.56 Uhr: 2G-Plus für den Amateursport

Für Amateursport in Vereinen und bei Wettkämpfen ist zusätzlich zu den 2G-Regeln für Erwachsene auch ein Test in Thüringen erforderlich. Das teilte das Bildungs- und Sportministerium am Freitag in Erfurt mit. Zugang zu den Sporthallen und anderen geschlossenen Sporträumen haben damit nur noch geimpfte und genesene Menschen, wenn sie zusätzlich einen negativen Corona-Test nachweisen können.

Das Ministerium sprach von einer Präzisierung der geltenden Regelung für den Amateursport, bei dem bisher noch keine Testpflicht bestand. 2Gplus trete noch am Freitag in Kraft. Im Freien gelte für Erwachsene nur 2G beim Sporttreiben. Die neuen Regelungen würden bis 23. Dezember gelten.

Zudem verwies das Ministerium darauf, dass die Pflicht zum 3G-Nachweis auch für alle Beschäftigte an Schulen, in Kindertagesstätten, im organisierten Sportbetrieb und der Jugendarbeit bestehe.

Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendetem 18. Geburtstag gelte beim Amateursport die 3G-Regel, ebenso für Profisportler im Training und Wettkampf. Für Schülerinnen und Schüler, die den Nachweis der regelmäßigen Teilnahme an den schulischen Testungen erbringen könnten, sei der 3G-Nachweis erfüllt.

14.07 Uhr: Gesundheitsministerin kann sich Bundesnotbremse vorstellen

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) schließt nicht aus, dass bald eine Bundesnotbremse nötig werden könnte, um das Corona-Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. „Die Prognosen sind mehr als besorgniserregend - sowohl was die Entwicklung der Infektionszahlen als auch die bundesweiten Kapazitäten der Intensivstationen betrifft“, sagte Werner am Freitag auf Anfrage. Man müsse zu einem deutlichen Abflachen der Infektionskurve kommen.

„Wenn sich zeigt, dass die jetzt getroffenen Maßnahmen nicht greifen, dann wird auch angesichts der steigenden Zahlen in anderen Bundesländern eine einheitliche Bundesnotbremse notwendig werden“, sagte Werner.

Zuvor hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine „einheitliche Bundesnotbremse“ und eine frühere Ministerpräsidentenkonferenz als bisher geplant gefordert. Außerdem sprach er sich erneut für eine allgemeine Impfpflicht aus - am besten schon am 1. Januar.

Thüringen und Bayern gehören zu den am stärksten von der aktuellen Pandemie-Welle betroffenen Bundesländern. In Thüringen lag die Sieben-Tage-Inzidenz mit Stand vom Freitag bei 805,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Wegen der Überlastung des Gesundheitssystems sollten am Freitag erneut Patienten in Krankenhäuser anderer Bundesländer gebracht werden.

13.32 Uhr: Gastgewerbe wirbt um mehr Vertrauen

Das Gastgewerbe hat Politik und Behörden aufgerufen, bei der Durchsetzung der strengen Corona-Regeln in Thüringen Gastronomen und Hoteliers mehr zu vertrauen. Die Mechanismen seien über Monate eingeübt. Die Betriebe hätten kein Interesse, zum Corona-Infektionsfall zu werden, sondern wollten Gäste empfangen, sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Mark Kühnelt, am Freitag in Erfurt. Er reagierte damit auf die Ankündigung der Landesregierung von verstärkten Kontrollen, nicht nur im Gastgewerbe.

„Das Gastgewerbe ist kein Pandemietreiber“, so der Dehoga-Präsident. Er vermöge sich nicht vorzustellen, dass Ordnungsbehörden, möglicherweise unterstützt von der Polizei, durch Gasträume zögen. In der Gastronomie haben in Thüringen nur geimpfte oder genesene Gäste Zutritt. Ihr Status muss von den Betrieben kontrolliert werden.

12.20 Uhr: Ausgangssperre und Sperrstunde im Fokus der Kontrollen

Bei verstärkten Kontrollen angesichts der ernsten Corona-Lage will die Thüringer Polizei nach Angaben von Innenminister Georg Maier (SPD) vor allem die Ausgangssperre für Ungeimpfte und die Sperrstunde in der Gastronomie in den Blick nehmen. Auch auf die Beschränkungen von Veranstaltungen unter freiem Himmel und die Einhaltung der Abstandsgebote und der Maskenpflicht soll besonders geachtet werden, wie das Innenministerium am Freitag mitteilte.

In diese Maßnahmen würden neben verstärkten Teams des Einsatz- und Streifendienstes der Landespolizeiinspektionen die Einsatzzüge der Bereitschaftspolizei und der Landespolizeiinspektionen sowie Diensthundeführer eingebunden“, sagte Maier. Die Polizei werde „ihren Beitrag leisten, um Vorkommnisse mit Unbelehrbaren“ zu unterbinden.

Thüringen hatte erst am Mittwoch strengere Corona-Regeln in Kraft gesetzt, die einem Teil-Lockdown gleichkommen. Für Menschen, die weder gegen das Coronavirus geimpft noch von Covid-19 genesen sind, gelten besonders strenge Beschränkungen.

11.49 Uhr: Weiter schneller Anstieg der Inzidenz

In Thüringen steigt die Corona-Inzidenz weiter mit großer Geschwindigkeit. Der Wert lag mit Stand vom Freitag bei 805,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Am Donnerstag hatte die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 773,2 gelegen, binnen eines Tages kamen 3.557 neue Covid-19-Fälle hinzu.

Thüringen ist damit bundesweit das am zweitstärksten von der Infektionswelle betroffene Land. Im Nachbarbundesland Sachsen lag die Inzidenz am Freitag mit 1.192,8 am höchsten im Ländervergleich.

Angesichts der angespannten Infektionslage hatte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auch einen Lockdown vor Weihnachten nicht mehr ausgeschlossen. Thüringen hatte erst am Mittwoch strengere Corona-Regeln in Kraft gesetzt, die einem Lockdown gleich kommen.

Derweil wird die Überlastung der Thüringer Krankenhäuser immer ernster. Am Freitag waren 32,7 Prozent der Betten auf Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt, wie aus einem täglichen Lagebericht der Staatskanzlei hervorgeht. Die Hospitalisierungsrate zeigte mit einem Wert von 18,9 pro 100.000 Einwohnern in einem Sieben-Tage-Zeitraum eine steigende Tendenz. Seit einiger Zeit hat Thüringen hier den mit Abstand bundesweit höchsten Wert.

6.12 Uhr: Bürgermeister unter Schock

Nach der aufgeheizten und verbotenen Corona-Demo in Hildburghausen hat sich der Bürgermeister der Stadt schockiert über die Szenen gezeigt: „Ich bin ehrlich gesagt erschrocken, wir haben eine Aggressivität hier", sagte Tilo Kummer (Linke).

In Bezug auf die Situation der aktuellen Corona-Lage hat er kein Verständnis. „Wenn ich solche Veranstaltungen hier sehe, wo Menschen nahe beieinander stehen ohne Mundschutz und so tun, als ob es Corona nicht gibt“, sagt der Bürgermeister.

Die Polizei hatte die Demo am Abend teils gewaltsam aufgelöst. Rund 100 Teilnehmer hatten sich illegalerweise versammelt und wollten durch Hildburghausen ziehen. Das verhinderte die Polizei, auch Pfefferspray wurde eingesetzt. die Beamten nahmen mehrere Corona-Kritiker fest.

(dpa/red)