Corona in Thüringen: Freistaat knackt 1.000er Inzidenz ++ Gera ruft Notlage aus ++ Mehrheit der Toten laut Studie ungeimpft ++

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Was sind eigentlich Corona-Varianten und warum werden sie mit griechischen Buchstaben bezeichnet.

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Erfurt. Corona hat Thüringen weiterhin fest im Griff. Das Virus verbreitet sich im Freistaat rasant. Erste Corona-Patienten wurden in andere Bundesländer verlegt, Weihnachtsmärkte fallen aus, Regeln werden strenger.

Die aktuelle Corona-Entwicklung in Thüringen kannst du in unserem News-Blog nachlesen.

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Freitag, 3. Dezember

18.37 Uhr: Thüringen knackt 1000er Marke

Thüringen hat bei der Corona-Inzidenz als zweites Bundesland nach Sachsen die Marke von 1000 überschritten. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag 1013,6 wöchentliche Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Kinder im Schulalter waren nach Daten des Thüringer Gesundheitsministeriums zuletzt besonders von Corona-Infektionen betroffen, ihre Infektionszahlen lagen weit über den Werten in anderen Altersklassen.

Am Freitag kamen den Daten zufolge 3896 Neuinfektionen und 34 Todesfälle hinzu. Besonders stark betroffen ist der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt mit einer Inzidenz von 1614,5.

Die Impfungen nahmen hingegen weiter an Fahrt auf. Alleine am Donnerstag waren über 26 000 Spritzen gesetzt worden, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Das waren in etwa so viele, wie Anfang November noch in einer ganzen Woche verimpft worden waren. Den größten Anteil an den aktuellen Zahlen haben die rund 20.500 Auffrischungsimpfungen. Rund 15 Prozent der Thüringer Bevölkerung ist demnach bereits geboostert.

Auch Kinder von fünf bis elf Jahren sollen nun rasch in die Impfkampagne eingebunden werden. Schon vor Weihnachten sollen sie an den Impfstellen in Erfurt (Katholisches Krankenhaus), Gera, Leinefelde und Sömmerda den Kinderimpfstoff von Biontech/Pfizer erhalten. Erste Termine für den angepeilten Startschuss ab 15. oder 15. Dezember sollen ab 8. Dezember im zentralen Impfportal www.impfen-thueringen.de buchbar sein.

18.14 Uhr: 18 Menschen sterben in Seniorenheim in Rudolstadt

Insgesamt 18 Menschen sind nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Rudolstadt in Thüringen gestorben. Bei 14 von ihnen bestand kein vollständiger Impfschutz, wie das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt am Freitag mitteilte. Nur eine Person habe demnach drei Impfungen erhalten, drei weitere waren doppelt geimpft. Bei einer ersten Meldung von vergangener Woche hatte das Landratsamt berichtet, dass Angehörige von Heimbewohnern diesen von der Impfung abgeraten hatten. Damals waren sieben Tote gezählt worden. Von 141 Heimbewohnern war rund ein Drittel nicht geimpft, hieß es in der Mitteilung vom Freitag.

Behauptungen in sozialen Netzwerken, wonach die Todesfälle in Zusammenhang mit einer Booster-Impfung stünden, widersprach das Landratsamt und verwies auf den Anteil der Ungeimpften unter den Todesfällen. Auch habe es genügend Impfmöglichkeiten für die Bewohner von Pflegeeinrichtungen gegeben. „Die Nicht-Impfung ist in diesen Fällen also eine bewusste Entscheidung der Bewohner beziehungsweise von deren Angehörigen und Betreuern und liegt nicht an Terminengpässen in der Impfstelle“, hieß es

16.01 Uhr: Notlage in Gera ausgerufen

Aufgrund der aktuellen pandemischen Lage und der hohen Inzidenzen in der Stadt Gera, hat Oberbürgermeister Julian Vonarb formal die Notlage ausgerufen. Eine kommunale Notlage bestehe dann, wenn es den Mitgliedern entscheidungsfähiger Gremien aufgrund einer außergewöhnlichen Situation nicht zumutbar ist, persönlich an den Ratssitzungen der Stadt teilzunehmen, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung.

Deshalb werde die Stadtratssitzung am 8. Dezember abgesagt. Die Entscheidung fiel angesichts der bundesweiten Verschärfung der Corona-Regeln und des schnellen Anstiegs der Infektionen. Lag die Inzidenz in Gera beim Versand der Einladung bei 692,5, liegt der Wert heute, am 3. Dezember, bei 954,1. Auch das diffuse wie gleichzeitig anhaltende, sehr dynamische Infektionsgeschehen insbesondere in Kindertageseinrichtungen und Schulen bei gleichzeitiger Beachtung des ungefähren Altersdurchschnitts des Stadtrates von 55,7 Jahren wurde in die Risikoabwägung einbezogen.

Nach Feststellung der Notlage können Entscheidungen des obersten Gremiums der Stadt rechtsbindend auf alternativen Wegen getroffen werden.

Sowohl der Haushalts- und Finanzausschuss am 6. Dezember als auch der Rechnungsprüfungs- und Vergabeausschuss am 7. Dezember finden digital statt.

12.47 Uhr: 18 Tote nach Corona-Ausbruch in Seniorenheim

Insgesamt 18 Menschen sind nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Rudolstadt gestorben. Bei 14 von ihnen bestand kein vollständiger Impfschutz, wie das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt am Freitag mitteilte. Nur eine Person habe demnach drei Impfungen erhalten, drei weitere waren doppelt geimpft. Bei einer ersten Meldung von vergangener Woche hatte das Landratsamt berichtet, dass Angehörige von Heimbewohnern diesen von der Impfung abgeraten hatten. Damals waren sieben Tote gezählt worden. Von 141 Heimbewohnern war rund ein Drittel nicht geimpft, hieß es in der Mitteilung vom Freitag.

Behauptungen in sozialen Netzwerken, wonach die Todesfälle in Zusammenhang mit einer Booster-Impfung stünden, widersprach das Landratsamt und verwies auf den Anteil der Ungeimpften unter den Todesfällen. Auch habe es genügend Impfmöglichkeiten für die Bewohner von Pflegeeinrichtungen gegeben. „Die Nicht-Impfung ist in diesen Fällen also eine bewusste Entscheidung der Bewohner beziehungsweise von deren Angehörigen und Betreuern und liegt nicht an Terminengpässen in der Impfstelle“, hieß es.

07.25 Uhr: Unter den Toten sind anscheinend die Mehrheit Ungeimpfte

In der vierten Corona-Welle sind nach einer ersten Erhebung des Gesundheitsministeriums in Thüringen viele ungeimpfte Menschen gestorben. Seit die Infektionszahlen im August erneut stark stiegen, seien 571 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, sagte eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage. Bei 393 der Toten lägen vollständige Angaben zum Impfstatus vor. Davon waren 57 Prozent den Angaben zufolge nicht gegen Covid-19 geimpft.

Fünf Prozent dieser Toten seien noch nicht vollständig geimpft gewesen, 38 Prozent von ihnen hätten einen vollständigen Impfschutz gehabt, ergab die Erhebung. Die Impfquote in Thüringen gehört im Bundesländervergleich zu den niedrigsten in ganz Deutschland.

Zudem zeigt die Auswertung des Ministeriums, dass bislang vor allem ältere und hochbetagte Thüringer in der vierten Corona-Welle gestorben sind. Allerdings hat die Krankheit zuletzt auch einige jüngere Todesopfer gefordert. So seien im Freistaat seit August mindestens 487 Menschen im Alter von über 70 Jahren im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Unter den Toten waren allerdings auch je zwei Menschen aus der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen beziehungsweise der 30- bis 39-Jährigen.

Die Intensivstationen in vielen Thüringer Krankenhäusern sind inzwischen so sehr mit Corona-Patienten belastet, dass manche von ihnen bereits in andere Bundesländer verlegt werden mussten. Der Intensivmediziner Michael Bauer, der als Direktor am Universitätsklinikum Jena arbeitet und gleichzeitig als Intensivkoordinator für den ganzen Freistaat fungiert, hatte jüngst erklärt, wegen der hohen Corona-Belastung der Krankenhäuser müssten dort planbare Operationen von Patienten etwa mit Krebs- oder Herzklappen-Erkrankungen bereits aufgeschoben werden.

Donnerstag, 2. Dezember

18.23 Uhr: Omikron-Verdachtsfall in Thüringen

In Thüringen ist ein erster Verdachtsfall einer Ansteckung mit der neuen Omikron-Variante des Coronavirus bekannt geworden. Betroffen sei eine Frau aus dem Landkreis Gotha, die von einer Reise aus dem südlichen Afrika zurückgekehrt war, wie eine Sprecherin des Thüringer Gesundheitsministeriums am Donnerstag sagte. Es sei aber noch nicht abschließend geklärt, ob es sich tatsächlich um die Omikron-Variante handele, mit der sich die Frau infizierte. Bei einer ersten Sequenzierung seien drei Mutationen gefunden worden, die als typisch für die Omikron-Variante gelten. Allerdings soll erst eine Überprüfung am Universitätsklinikum Jena Gewissheit bringen.

16.52 Uhr: Uni-Klinikum Jena kurz vor der Triage

Am Donnerstag lagen bei der sogenannten Kleeblatt-Leitstelle in Jena Anfragen für die Verlegung weiterer acht Corona-Patienten aus Thüringen in andere Bundesländer vor - vorwiegend aus dem Südwesten und Osten des Landes. Sie ist für die landesweite Verlegung und Koordinierung der Transporte von Intensivpatienten zuständig. „Wir müssen zusehen, dass wir dieses Situation möglichst schnell beherrschen und auch wieder einstellen“, sagte der Jenaer Ordnungsdezernent Benjamin Koppe. Das gehe nur, indem man das Infektionsgeschehen eindämme.

Die Kleeblattregion Ost laufe über, warnte auch der Leiter der Jenaer Feuerwehr, Peter Schörnig. „Wir können davon ausgehen, dass auch die anderen Länder, die noch nicht überfordert sind, in absehbarer Zeit in eine ähnliche Situation kommen.“ Wie es dann weitergehe, sei momentan noch nicht abzusehen.

Aktuell könnten zehn Patienten innerhalb von zwei Tagen mithilfe zweier Rettungshubschrauber und mehrerer Intensivtransportwagen verlegt werden, sagte Leitstellen-Leiter Marko Glätzer. Allerdings brauche es eine Vorlauf- und Anfahrtszeit. Für die Luftrettung sei das Wetter entscheidend. „Auch das kann dafür sorgen, dass wir relativ schnell an unsere Grenzen stoßen“, erläuterte er. „Es kann momentan keine Rede davon sein, dass es in irgendeiner Form abebbt.“

In jüngster Zeit habe man zahlreiche Patienten ausfliegen müssen, sagte Ordnungsdezernent Koppe. „Und es ist damit zu rechnen, dass wir in kurzer Zeit eine Situation kommen, wo das noch zunimmt.“ Um kurzfristig dafür gerüstet zu sein, müsse der Freistaat den Katastrophenfall ausrufen, wie etwa in Bayern bereits geschehen. Es brauche zudem „harte Maßnahmen“. Die rechtlichen Möglichkeiten zur Eindämmung des Virus würden dem Infektionsgeschehen in Thüringen aktuell nicht gerecht.

Das Jenaer Uniklinikum selbst ist, was die Aufnahmekapazitäten von Patienten anbetrifft, den Informationen zufolge „kurz davor zu triagieren“. Die Unterstützung durch die Bundeswehr sollte deutlich ausgeweitet werden „weil die Situation sich dramatisch zuspitzt“, sagte Koppe. Man wisse außerdem sehr gut, dass man genau um die Weihnachtszeit in eine Situation komme, in der die Kapazitätsgrenzen erreicht sind. „Ich mache mir große Sorgen.“

15.14 Uhr: Bodo Ramelow stellt Thüringer auf schwierige Zeiten ein – kommt die Impfpflicht mit Totimpfstoff?

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich nach den Beratungen von Bund- und Ländern am Donnerstag in einer Pressekonferenz an die Bevölkerung gewandt. Dabei hat er die Menschen auf weitere schwierige Zeiten angesichts der in Thüringen immer noch sehr angespannten Corona-Situation eingestellt.

„Die Krankenhaussituation ist jenseits der ertragbaren Normalität“, sagte der Ministerpräsident. Weiter sprach er von einer Überforderung der Mitarbeiter in den Einrichtungen. Deswegen habe man sich heute in der Ministerpräsidentenkonferenz darauf geeinigt, ein „deutliches Signal an die Bevölkerung“ zu setzen. Insbesondere soll bei den Impfungen auf's Gaspedal gedrückt werden.

Bund und Länder wollen in diesem Jahr noch 30 Millionen Impfdosen realisieren. Dabei soll es egal sein, ob es sich dabei um Erst-, Zweit-, oder Booster-Impfungen handelt. Bei diesem Impfvorhaben sollen sich dann auch Apotheken oder anderes geschultes Personal wie zum Beispiel Zahnärzte beteiligen können.

Weiter hat sich Bodo Ramelow für eine generelle Impfpflicht offen gezeigt – aber nur unter der Voraussetzung, dass in Deutschland ein so genannter „Totimpfstoff“ verfügbar und zugelassen wäre. Dabei handelt es sich um „klassische“ Präparate, bei denen abgetötete Virenteile gespritzt werden.

07.13 Uhr: Gibt es vorgezogene Weihnachtsferien?

In der Diskussion über vorgezogene Weihnachtsferien als mögliche Maßnahme im Kampf gegen die Corona-Pandemie sind die Fraktionen von Linke, SPD und Grüne im Thüringer Landtag uneins. „Die Fraktion kann sich unter bestimmten Bedingungen vorgezogene Weihnachtsferien vorstellen“, sagte SPD-Fraktionschef Matthias Hey der Deutschen Presse-Agentur. Dafür müsste aber eine Notbetreuung organisiert und weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in anderen Bereichen ergriffen werden. „Die Schließung von Bildungseinrichtungen darf aus Sicht der Fraktion erst die letzte Option sein“, stellte Hey klar.

Aus Sicht der Sozialdemokraten wäre auch eine Aufhebung der Präsenzpflicht ab der siebten Klasse denkbar, „wenn gleichzeitig ein funktionierender Distanzunterricht garantiert wird“. Hey forderte Tempo bei der Entscheidungsfindung, damit sich die Eltern darauf einstellen könnten. Ähnlich äußerte sich Vize-Ministerpräsident Georg Maier (SPD): „Das ist eine Maßnahme, die aus meiner Sicht geeignet ist, an Schulen das Infektionsgeschehen herunter zu bringen“, sagte Maier. Er wolle aber abwarten, was der Bildungsminister im Kabinett an Argumenten aufbringe. Das Kabinett will sich am Dienstag mit der Frage möglicher vorgezogener Weihnachtsferien beschäftigen. Auch Maier sagte, die Familien brauchten Planungssicherheit.

Der bildungspolitische Sprecher der Linken-Fraktion, Torsten Wolf, lehnt genau wie das Bildungsministerium einen früheren Ferienbeginn ab. „Es würde sich dabei faktisch um Schulschließungen handeln und die wollen wir unbedingt vermeiden“, sagte Wolf. Er argumentierte, dass alle Kinder ein Recht auf Bildung hätten. Außerdem verursachten Schulschließungen „erhebliche psychosoziale Verwerfungen“ bei den Kindern sowie Lernrückstände.

Die Grünen-Fraktionschefin und Bildungspolitikerin Astrid Rothe-Beinlich machte klar, dass ihrer Ansicht nach „erst alle anderen gesellschaftlichen Bereiche die entsprechenden konsequenten Maßnahmen zur Kontaktvermeidung“ ergreifen müssten, bevor man die Ferien auf den 20. Dezember vorziehe. Sie wies darauf hin, dass die strengeren Corona-Regeln in Thüringen erst seit einer Woche in Kraft seien. Deren Wirkung müsse man abwarten. „Außerdem bräuchte es eine Notbetreuung für alle Familien, die sonst keine Betreuung gewährleisten können“, sagte Rothe-Beinlich. Sie schlug eine Sonderurlaubsregelung für Eltern vor. „Diese müsste allerdings auf Bundesebene getroffen werden.“

Die CDU-Fraktion, die nicht Teil der Regierung ist, lehnt vorgezogene Ferien ab. „Schulschließungen müssen mit einem lückenlosen Testsystem, ausreichend Luftfiltern und Hygienekonzepten verhindert werden“, sagte der CDU-Bildungspolitiker Christian Tischner. Dafür müsse die Landesregierung Sorge tragen.

Mittwoch, 01. Dezember

12.29 Uhr: Intensivstationen überlastet – Patienten auf Wartelisten sterben „Milde Form einer Triage“

Die Situation auf den Intensivstationen im Hochinzidenzland Thüringen bleibt sehr angespannt. Planbare Operationen von Patienten etwa mit Krebs- oder Herzklappen-Erkrankungen würden aufgeschoben, sagte der Intensivkoordinator des Landes, Michael Bauer, am Mittwoch. „Für die bedeutet das unter Umständen den Tod auf der Warteliste oder eine wesentlich schlechtere Prognose.“ Einige seien bereits gestorben.

„In dem Moment, wo ich als Arzt priorisiere und sage, jemand muss auf die Warteliste, mache ich natürlich eine milde Form einer Triage“, sagte er weiter. Meistens gehe das gut, aber nicht immer. Es sei bei Krebs auch die Frage, wie viele Menschen dadurch aus einem noch heilbaren Stadium in ein Stadium kommen, wo sie etliche Lebensjahre einbüßten. „Wir kommen jetzt schon in Bereiche, in denen wir Medizin machen, die wir eigentlich nicht machen wollen.“ Das nähmen die Leute in Kauf, die die Realität hartnäckig leugneten, sagte er mit Blick auf den großen Anteil ungeimpfter Corona-Patienten auf den Intensivstationen.

In Thüringen waren laut Bauer am Mittwoch 217 Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Am Universitätsklinikum Jena, wo Bauer die Klinik für Intensivmedizin leitet, sind seit Wochen keine Betten mehr frei. Aktuell werde der „beste Patient“, egal ob mit oder ohne Covid-19, von der Station verlegt, wenn etwa ein Unfallopfer komme und ein neues Bett gebraucht werde. Aus der Situation werde man nur mit mehr Impfungen und Kontaktbeschränkungen kommen. Die Verlegungen in andere Bundesländer würden weitergehen.

7.31 Uhr: Weniger Intensivpatienten als befürchtet

In Thüringen waren Ende November weniger Corona-Patienten auf den Intensivstationen als zunächst befürchtet. Seit etwa einer Woche sei ein Plateau von rund 200 mit Covid-19-Patienten und -Patientinnen belegten Intensivbetten erreicht, sagte eine Sprecherin des Thüringer Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hatte Mitte November noch vor bis zu 300 Corona-Intensivpatienten bis Monatsende gewarnt, wenn sich die Infektionszahlen weiter so entwickeln und keine neuen Maßnahmen hinzukommen. Das sei aus einer Prognose hervorgegangen, hatte sie damals gesagt. Der bisherige Höchststand hatte im April 2021 bei 233 gelegen.

Woran es liegt, dass sich die Zahlen anscheinend eingepegelt haben, sei schwer zu sagen, hieß es von der Sprecherin. „Wir glauben nicht, dass es jetzt schon an den Maßnahmen liegt, die letzte Woche umgesetzt wurden.“ Vergangene Woche wurden in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens Einschränkungen und Schließungen beschlossen und umgesetzt. Bis sich solche Maßnahmen auf die Infektionszahlen auswirkten, dauere es aber in der Regel bis zu zwei Wochen. Bis sich das dann in den Krankenhauszahlen zeige, dauere es nochmal eine Zeit.

Auch die Patientenverlegungen der vergangenen Tage hätten wenig zur Entspannung der Situation beigetragen, sagte die Sprecherin. Bis Anfang der Woche seien neun Patienten über das sogenannte Kleeblatt-Prinzip bundesweit verteilt worden. Viele Kliniken hätten signalisiert: „Die Betten, die dadurch frei wurden, waren in kürzester Zeit wieder belegt.“ Die Lage bleibe daher weiter Ernst.

Dienstag, 30. November

20.33 Uhr: Leipzigs OB will harten Lockdown für Thüringen, Sachsen und Bayern

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung spricht sich für einen harten Lockdown in Sachsen, Thüringen, Bayern und angrenzenden Gebieten aus. „Keine Veranstaltungen, kein Einzelhandel – außer für Waren des täglichen Bedarfs, keine Gastronomie“, sagte der SPD-Politiker in einem Interview der „Leipziger Volkszeitung“. Das öffentliche und wirtschaftliche Leben müsse bis Anfang des neuen Jahres auf ein Mindestmaß zurückgefahren, Kontakte müssten drastisch reduziert werden, um die Infektionsketten zu durchbrechen.

Jung plädierte außerdem dafür, auch geimpfte Angehörige von positiv Getesteten in Quarantäne zu schicken. Dass dies nicht geschehe, sei ein „Fehler im System“.

Der seit Anfang voriger Woche in Sachsen geltende Teil-Lockdown habe bereits Wirkung gezeigt, sagte Jung weiter. Aus ersten Auswertungen von Bewegungsprofilen sei eine 40- bis 50-prozentige Verringerung der Mobilität der Menschen abzulesen. Die Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, um die extrem hohen Infektionszahlen im Freistaat deutlich zu reduzieren.

10.21 Uhr: Inzidenz steigt weiter

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist weiter gestiegen. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Morgen nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 936,8 (gestern: 895,2). Das ist nach Sachsen (1.268,9) bundesweit der zweithöchste Wert.

Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 3.531 neue Covid-19-Fälle. 35 weitere Menschen starben in Zusammenhang mit Corona.

Inzwischen weisen im Freistaat zehn Landkreise eine Inzidenz von über 1.000 aus. Mit 1.512,0 ist Stand Sonntag die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Saale-Orla-Kreis am höchsten. Am niedrigsten war sie im Kreis Sömmerda (285,1).

7.24 Uhr: 2.700 Menschen demonstrieren gegen Corona-Maßnahmen

Mehrere Tausend Menschen haben an unangemeldeten Protesten gegen die Corona-Maßnahmen in Thüringen teilgenommen. Insgesamt 2.700 Menschen hätten gestern Abend an 20 verschiedenen Orten demonstriert, sagte ein Polizeisprecher.

Bei der größten Versammlung in Erfurt gingen demnach 650 Menschen auf die Straße, in Arnstadt im Ilmkreis und in Bad Salzungen im Wartburgkreis versammelten sich 400 und 280 Menschen.

Bei allen anderen Demonstrationen hätten sich die Teilnehmerzahlen im zweistelligen Bereich bewegt. Wegen der Corona-Pandemie sind in Thüringen derzeit nur ortsfeste Versammlungen von bis zu 35 Menschen erlaubt.

Nach den Angaben vom Dienstagmorgen verliefen die Demonstrationen friedlich. Polizeibeamte hätten die Versammlungen dokumentiert und würden bei Verstößen gegen die thüringische Corona-Verordnung Ermittlungen einleiten.

Montag, 29. November

22.24 Uhr: Hunderte bei unangekündigten Corona-Protesten

Mehrere Hundert Menschen haben am Montag laut Polizei in Thüringer Städten gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen protestiert. Rund 650 Menschen nahmen nach Angaben eines Polizeisprechers in Erfurt an einem ungenehmigten „Corona-Spaziergang“ teil. Viele hatten Kerzen dabei, Mund-Nasen-Schutz trugen sie nicht. Der Protest sei „friedlich und weitestgehend störungsfrei“ verlaufen.

Thüringenweit war in den Sozialen Netzwerken zum Protest gegen die Corona-Politik von Land und Bund aufgerufen worden. Außerhalb der Landeshauptstadt sei die Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen überwiegend im zweistelligen Bereich geblieben, sagte der Polizeisprecher. Die Thüringer Corona-Notfallverordnung gestattet derzeit nur ortsfeste Kundgebungen mit maximal 35 Teilnehmern.

18.35 Uhr: Auch Jena schlägt Alarm

Der Bürgermeister der Stadt Jena, Christian Gerlitz, forderte am Montag angesichts der Infektionslage die Ausrufung des Katastrophenfalls in Thüringen.

Alle Veranstaltungen, egal ob betrieblich, privat oder kulturell müssten abgesagt werden. „Die heute neu Infizierten können schon klar absehbar in drei Wochen keine vollständige medizinische Versorgung mehr erwarten, selbst wenn die Infektionen nun rasch zurückgehen würden.“ Das Bundesland rase ungebremst auf den Abgrund zu, warnte er.

15.53 Uhr: Saale-Orla-Kreis am Limit: „Tsunami“

Der Saale-Orla-Kreis in Thüringen hat sein Limit erreicht. Landrat Thomas Fügmann möchte nichts mehr beschönigen und spricht von einer vierten Welle, die „längst zu einem Tsunami“ geworden ist. „Ich sehe ganz schwere Zeiten auf uns zukommen“, betont Fügmann. Der Saale-Orla-Kreis liegt mit einer Inzidenz von 1451,7 an der Spitze in Thüringen.

„Mit Eindämmung hat das nichts mehr zu tun“, konstatiert der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Torsten Bossert, dessen Team die enorme Menge der täglich eingehenden Corona-Fälle trotz erheblicher personeller Aufstockungen nur noch mit einem erheblichen Zeitverzug abarbeiten kann. „Mit unserem eigenen Personal – geschulten Fachkräften – könnten wir mit Müh‘ und Not eine Inzidenz von 100 meistern. Inzwischen steht uns das Zwei- bis Dreifache an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung. Aber das hilft nur wenig, wenn die Inzidenz inzwischen bei über 1400 und damit 14 mal so hoch ist“, rechnet der Amtsarzt vor.

Besonders stark breite sich das Corona-Virus derzeit innerhalb der Schülerschaft des Saale-Orla-Kreises aus. So wurden innerhalb einer Woche allein in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen 220 Infektionen registriert, was einer Inzidenz von über 3000 entspricht (3113,9). Die Auswirkungen sind nun unter anderem in Pößneck zu spüren. Nachdem das Virus mit seinen Auswirkungen in nahezu allen Klassen des Gymnasiums „Am Weißen Turm“ grassierte und an einen normalen Unterricht nicht mehr zu denken war, wurde nun die Notbremse gezogen und für die Schülerinnen und Schüler die Versetzung in den Distanzunterricht beschlossen. Bis einschließlich 13. Dezember wird an es am Pößnecker Gymnasium einen Präsenzunterricht mehr geben.

12.05 Uhr: Inzidenz in Thüringen steigt weiter

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist zum Wochenstart weiter gestiegen. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Morgen nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 895,2 (gestern: 878,4).

Das ist nach Sachsen (1.284,8) bundesweit der zweithöchste Wert. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 1.467 neue Covid-19-Fälle. Zwei weitere Menschen starben in Zusammenhang mit Corona.

Inzwischen weisen im Freistaat sieben Landkreise und die Stadt Gera eine Inzidenz von über 1.000 aus. Mit 1.451,7 ist Stand Sonntag die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Saale-Orla-Kreis am höchsten. Am niedrigsten war sie im Kreis Sömmerda (198,2).

(dpa/red)