Corona in Thüringen: Wieder in Warnstufe drei – erste Kreise müssen Lockerungen aufheben

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

Diese Impfstoff-Arten gibt es und so funktionieren sie.

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Erfurt. Corona hat Thüringen noch immer fest im Griff. Die Nachfrage nach Corona-Impfungen hat in Thüringen zuletzt stark nachgelassen. Trotzdem bereitet sich der Freistaat jetzt auf die Impfung mit dem neuen Präparat Novavax vor.

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Freitag, 11. Februar

16.15 Uhr: Erste Kreise müssen Lockerungen wieder aufheben

Landkreise, die wieder in Warnstufe drei des Thüringer Frühwarnsystems aufsteigen, müssen etwaige Lockerungen teils wieder zurücknehmen. Das sei eine andere Situation als im November, als etliche Kommunen die Umsetzung strengerer Regeln verweigerten, machte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Freitag klar. In einigen Thüringer Regionen können sich seit dieser Woche etwa 40 statt bislang 10 Geimpfte und Genesene treffen. Das fällt laut Sprecherin automatisch wieder weg, wenn dort die Warnstufe drei erreicht wird. Unangetastet davon bleiben die landesweiten Lockerungen, wie etwa 3G statt 2G in vielen Bereichen.

Das betrifft etwa den Kyffhäuserkreis. Dieser stieg am Freitag in diese Stufe auf, nachdem dort neben der Sieben-Tage-Inzidenz auch der Wert für die wöchentlichen Klinikeinweisungen die kritische Schwelle überschritten hatte. Erst am Dienstag waren dort Lockerungen in Kraft getreten, wonach sich auch bis zu 15 Menschen unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus, sowie 40 Genesene und Geimpfte, treffen konnten. Insgesamt befanden sich bis Freitag fünf Regionen in der dritten Warnstufe, andere stehen kurz davor.

Nach Angaben der Ministeriumssprecherin machten nur wenige Thüringer Kreise von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Regeln über die geltende Thüringer Verordnung hinaus zu lockern. „Wir hatten den Landkreisen empfohlen, erstmal abzuwarten bis eine stabile Lage erkennbar ist“, sagte sie. Allein durch die rasch steigenden Fallzahlen der vergangenen Tage sei auch wieder mit einem Anstieg der Fälle in Krankenhäusern zu rechnen. Der Unterschied zum vergangenen Jahr sei, dass Landkreise nun Lockerungen per Allgemeinverfügung regeln müssen - im Herbst hätten sie Verschärfungen über diesen Weg umsetzen müssen.

In Thüringen gilt seit vergangenem Sommer ein regionales Frühwarnsystem, an dem sich das Pandemiemanagement im Freistaat orientiert. Neben der Sieben-Tage-Inzidenz wird dabei auch die landesweite Belastung der Intensivstationen und die Zahl der Klinikeinweisungen in einer Region betrachtet.

Ende Januar sank der Anteil an Covid-19-Patienten auf Thüringer Intensivstationen für mehrere Tage auf unter 12,0 Prozent. Fast alle Kreise rutschten daraufhin von Warnstufe drei in Warnstufe zwei. Da aber in einigen von ihnen zuletzt wieder mehr als 12 Menschen je 100.000 Einwohner und Woche mit Corona ins Krankenhaus kamen, stiegen sie wieder in die Stufe drei auf.

8.41 Uhr: Gesundheitsamt in Gera schränkt Kontaktnachverfolgung ein

Mit den steigenden Infektionszahlen kommen auch die Gesundheitsämter langsam wieder an ihre Belsatungsgrenzen. Das Gesundheitsamt in Gera meldet am Freitagmorgen, dass es die Kontaktnachverfolgung derzeit nicht mehr vollumfänglich gewährleisten kann. „Bei zum Teil mehr als 200 Fällen am Tag ist es nicht möglich, jede Bürgerin und jeden Bürger persönlich anzurufen“, so das Amt.

Momentan konzentriert sich die Behörde auf gefährdete Personengruppe und größere Ausbruchsgeschehen – wie zum Beispiel in Kindergärten oder Schulen. Die Quarantänebescheide würden schnellstmöglich versendet, es könne aber zu Verzögerungen kommen so das Amt.

6.33 Uhr: Corona-Einschränkungen sorgen für Frust – Händler hoffen auf weitere Öffnungsschritte

Seit Montag gilt im Thüringer Einzelhandel die 3G-Regel - die Geschäfte beobachten bislang aber keine wesentlich gestiegenen Kundenzahlen. Die Öffnung für Geimpfte, Genesene und Getestete sei lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Thüringen, Knut Bernsen. Die Frequenzen und Umsätze hätten sich bislang nicht nennenswert und in dem Maße erhöht, wie das der wirtschaftlich stark geschwächte Einzelhandel brauche.

„Auch die 3G-Regelung zieht weiterhin Kontrollpflichten mit einem enormen zeitlichen, personellen und monetären Aufwand nach sich“, sagte Bernsen. Er verwies auf Bundesländer wie Niedersachsen, die zwischenzeitlich alle G-Regeln gekippt hätten. Auch Thüringen müsse die G-Regeln vollständig streichen. Mit der Forderung ist der Verband nicht alleine. Auch die Industrie- und Handelskammern äußerten zuletzt den Wunsch nach einer Aufhebung aller G-Regeln.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte in der Debatte über Lockerungen in der Corona-Pandemie Anfang der Woche erneut vor einer schnellen Aufhebung von Maßnahmen gewarnt. Man habe die Lage noch nicht wirklich unter Kontrolle. Mit einem Höhepunkt der Omikron-Welle sei erst Mitte dieses Monats zu rechnen. „Wir können breite Lockerungen, wie sie derzeit diskutiert werden, zum jetzigen Zeitpunkt nicht vertreten.“ Die Diskussion sei fehl am Platz, schnelle Öffnungen könnten die Welle deutlich verlängern. Er bekräftige seine Einschätzung, dass es aber „deutlich vor Ostern“ Lockerungen geben könne.

Man freue sich über jeden weiteren Schritt, sagte Patricia Stepputtis aus der Erfurter Stadtverwaltung. Bislang hätten die gelockerten Regeln jedoch auch in der Erfurter Altstadt nicht zu einem größeren Plus an Kunden geführt. Gleiches werde ihr aus anderen Thüringer Städten rückgemeldet. „Es gibt nur einige wenige Läden, die mir bestätigt haben, dass sich was bewegt“, so Stepputtis. Kunden wie auch Gewerbetreibende seien genervt von den Kontrollen. „Die können nicht mehr.“

Seit Ende November habe man mehr als eine Million Kundenzertifikate überprüft, sagte Stepputtis. Mit 3G, also „dem dritten G in all seinen Varianten“ seien die Kontrollen für den Handel nun noch komplexer geworden. Das Stempel-Angebot hingegen, das seit Anfang der Woche in Erfurt greift, werde überraschend gut angenommen. Viele Kunden würden sich gegen Vorzeigen ihrer Zertifikate an einer der acht Ausgabestellen einen Stempel auf die Hand oder den Arm drücken lassen.

Donnerstag, 10. Februar

18.51 Uhr: SO geht es nach den Winterferien an den Schulen weiter

Halbzeit im Corona-Schuljahr: Die meisten der rund 250.000 Thüringer Schülerinnen und Schüler bekommen am Freitag, dem letzten Schultag vor den Winterferien, ihre Halbjahreszeugnisse. Während die Kinder und Jugendlichen dann eine Woche lang durchatmen können, laufen nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums auch in den Winterferien die Vorbereitungen für eine Umstellung der Corona-Tests an den 972 Schulen im Freistaat. Nach den Ferien sollen Schüler ab zwölf Jahren einen Nasenabstrich-Test benutzen statt der bisher für alle Schüler verwendeten Lolli-Tests. „Die neuen Tests werden teils in den Ferien ausgeliefert“, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums.

Es könne sein, dass noch nicht alle Schulen direkt zum Unterrichtsstart nach den Ferien mit den neuen Tests ausgestattet sein werden, es sei aber innerhalb der ersten Schulwoche mit der restlichen Auslieferung zu rechnen, so der Sprecher.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) rechnet damit, „dass auch nach den Ferien noch eine Phase hoher Belastung bevorsteht“, wie es in einer Mitteilung des Ministeriums vom Donnerstag hieß. „Aber wenn es das Infektionsgeschehen danach erlaubt, können wir möglicherweise schon im Verlauf des März ein Stück mehr Normalität in die Schulen einkehren lassen“, wurde Holter darin zitiert. „Wir bereiten uns darauf vor, aber es ist noch zu früh, konkrete Daten zu nennen.“

Die neuen Tests sind nicht das einzige, was sich nach den kurzen Winterferien an den Schulen ändern soll. Nach Angaben des Bildungsministeriums soll es im zweiten Schulhalbjahr umfassender als bisher mit dem Corona-Aufholprogramm losgehen. Geplant seien vor allem schulbegleitende Kurse, sagte der Sprecher. Teils habe das Programm schon begonnen – etwa beim Durchführen von Schwimmkursen. Winterferien in Thüringen sind vom 12. bis 19. Februar.

13.50 Uhr: Zukünftig keine besonderen Einschränkungen für Corona-Demos mehr

In Thüringen soll es bald keine besonderen coronabedingten Einschränkungen bei Demonstrationen mehr geben. Das kündigte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Donnerstag in Erfurt an. „Ich werbe für mehr Gelassenheit“, sagte Ramelow am Donnerstag in Erfurt. Es solle für Demonstrationen bald „keine Restriktionen mehr geben“. Eine rote Linie sei jedoch, wenn Teilnehmer von Demonstrationen Gewalt ausübten oder rechtsextreme Parolen oder Symbole benutzten.

In Thüringen hatte es zeitweise die Regelung gegeben, dass sich maximal 35 Menschen an einer Demonstration beteiligen dürfen. Diese Begrenzung ist bereits seit einiger Zeit aufgehoben. Nach wie vor müssen Demonstrationen aber ortsgebunden, quasi als Kundgebung an einem Standort abgehalten werden. Umzüge durch Städte sind danach bisher noch nur mit Ausnahmegenehmigung möglich, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf Anfrage.

Es müsste stets gesichert sein, dass Menschen, die Sorgen oder eine abweichende Meinung zur Corona-Pandemie und zu Einschränkungen haben, „sich artikulieren können“, sagte Thüringens Regierungschef.

11.50 Uhr: Nicht mehr die niedrigste Inzidenz in Thüringen

Thüringen ist nicht mehr das Bundesland mit der niedrigsten Corona-Inzidenz. Nach 4463 innerhalb eines Tages gemeldeten neuen Fällen lag der Sieben-Tage-Wert bei Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner am Donnerstag bei 876,7, wie aus der täglichen Übersicht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Das ist die zweitniedrigste Inzidenz bundesweit nach Schleswig-Holstein (863,1). Alle anderen Bundesländer weisen Werte von 1.000 und mehr aus.

Vor einer Woche hatte die Inzidenz in Thüringen noch bei knapp 588 gelegen. Zuletzt war alle zwei bis drei Tage eine neue Hundertergrenze gefallen.

Innerhalb Thüringens haben fünf Landkreise den Inzidenzwert von 1.000 bei den Neuinfektionen überschritten: der Eichsfeldkreis (1.202,5), der Saale-Holzland-Kreis (1.190,6), die Städte Suhl (1.093,6) und Gera (1.049,6) sowie der Wartburgkreis (1.007,3).

In den vergangenen sieben Tagen kamen auf 100 000 Einwohner 5,2 neue Klinikfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Das ist weit entfernt von der Situation im November und Dezember, als die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz zeitweise gut dreimal so hoch ausgefallen war. Allerdings gibt es hier teils erhebliche Unterschiede unter den Landkreisen und kreisfreien Städten.

In Suhl etwa lag der Wert am Donnerstag bei 27,5, im Kreis Hildburghausen bei 20,7 im Kyffhäuserkreis bei 16,3. Fünf weitere Kommunen wiesen zweistellige Werte auf. Hingegen wurde für den Saale-Holzland-Kreis ein Wert von 1,2 angegeben.

55 schwer an Covid-19 Erkrankte wurden auf Intensivstationen behandelt, das entspricht rund 8,7 Prozent der betreibbaren Intensivbetten in Thüringen.

6.35 Uhr: Thüringen bereitet sich auf die Novavax-Impfungen vor

Thüringen bereitet sich auf die Ankunft der ersten 36.000 Dosen des Novavax-Impfstoffes vor. Aktuell laufe eine Bedarfsabfrage in den Pflegeheimen und Kliniken im Land, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Sobald man wisse, wie viel Impfstoff in diesen Bereichen benötigt wird, könne man gegebenenfalls auch Termine für die restliche Bevölkerung im Thüringer Impfportal freischalten. Das sei bereits vorbereitet.

Mit der ersten Charge könnten zunächst 18.000 Menschen geimpft werden, sagte die Sprecherin weiter. Das liege daran, dass die benötigten Dosen für die Zweitimpfung nach etwa drei Wochen zunächst zurückgelegt würden. Der genaue Zeitpunkt, ab wann Novavax in Thüringen ist, sei noch nicht klar. Der Impfstoff soll in der Woche ab dem 21. Februar nach Deutschland geliefert werden. Thüringen könne dann zeitnah eine Abholung im Zentrallager organisieren.

Bis Ende März sollen dann nach ersten Informationen knapp über 100.000 Impfstoffdosen von Novavax nach Thüringen kommen, wie die Sprecherin weiter sagte. Noch sei aber nicht geklärt, nach welchem Schlüssel die insgesamt vier Millionen Dosen, die Deutschland im ersten Quartal erwartet, aufgeteilt werden.

In Thüringen soll Novavax zunächst an Beschäftigte aus dem Pflege- und Klinikbereich gehen – den Bereichen, in denen ab Mitte März die einrichtungsbezogene Impfpflicht gilt. Geimpft werden sollen die Pflegekräfte von den mobilen Impfteams. Den Kliniken wird Novavax nach Ministeriumsangaben direkt zur Verfügung gestellt und sie können ihr Personal selbst impfen.

Unter anderem die privaten Pflegeanbieter in Thüringen versprechen sich vom Einsatz des Novavax-Vakzins eine höhere Impfbereitschaft bei ihren Beschäftigten. Das Mittel wurde als fünfter Corona-Impfstoff in der EU zugelassen. Zwei Dosen werden im Abstand von etwa drei Wochen gespritzt. Es handelt sich um einen Protein-Impfstoff - er basiert also auf einer anderen Technologie als die bisher verfügbaren Corona-Präparate.

Mittwoch, 9. Februar

8.40 Uhr: Über 1.000 Corona-Impfdosen in Thüringen vernichtet

In Thüringen sind im Januar erstmals über 1.000 Dosen von Corona-Impfstoff vernichtet worden. Aus dem zentralen Impfstofflager des Landes hätten 1.030 Dosen Moderna-Impfstoff nicht wie geplant verimpft oder an den Bund zurückgegeben werden können, teilte das Gesundheitsministerium der Deutschen Presse-Agentur mit.

Zu den niedergelassenen Ärzten lägen dem Ministerium keine Informationen vor. Grund sei unter anderem die sinkende Nachfrage und die Tatsache, dass der Moderna-Impfstoff nur für Menschen über 30 Jahren empfohlen wird. Im Januar sind nach Ministeriumsangaben insgesamt 171.320 Impfdosen im Thüringer Zentrallager angekommen.

Im gesamten Jahr 2021 wurde laut Ministerium in Thüringen hingegen kein Impfstoff weggeworfen. Rund 30.000 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs seien etwa im August an den Bund zurückgegeben worden, bevor das Haltbarkeitsdatum Ende Oktober ausgelaufen sei.

Das Ministerium wies darauf hin, dass Thüringen auf die Zuteilung der Impfstoffe teilweise keinen Einfluss hatte. Ende vergangenen Jahres sei etwa Moderna statt Biontech durch den Bund verteilt worden, um den Verfall größerer Mengen Moderna-Impfstoffs bundesweit zu verhindern. „Dieser Impfstoff kam also bereits mit einem reduzierten Haltbarkeitsdatum in Thüringen an“, hieß es. Grundsätzlich werde darauf geachtet, immer nach Bedarf zu bestellen, um keine Dosen vernichten oder zurückgeben zu müssen.

In Thüringen hatte das Impfinteresse mit Start der Auffrischungskampagne zum Ende des Jahres nochmal stark angezogen. Impfstellen wurden ausgebaut oder neu eingerichtet, teils bildeten sich lange Schlangen bei Impfaktionen. Im Januar brach das Interesse aber ein. Auf dem Onlineportal www.impfen-thueringen.de waren zuletzt regelmäßig zehntausende Termine frei. Thüringen gehört zu den Bundesländern mit den niedrigsten Impfquoten.

(dpa/red)