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Thüringen positioniert sich zum Krieg – „Putin ist ein blutiger Aggressor“

Russland startet Großangriff auf die Ukraine

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen hat Russland einen Großangriff auf die Ukraine gestartet. In vielen Städten inklusive Kiew waren Explosionen zu hören. Auch von Belarus aus überschritten russischen Soldaten die Grenze.

Die ganze Welt steht unter Schock. Russland greift seit Donnerstagmorgen die Ukraine an. Doch Thüringen zeigt klare Position zum Krieg und geht auf die Straße.

Das Land Thüringen hat sich bereit erklärt, Menschen aus der Ukraine einfach und unbürokratisch aufzunehmen. Im ganzen Freistaat zeigen sich Menschen solidarisch mit der Ukraine.

Ukrainer in Thüringen fassungslos über Kriegszustand

Ukrainer in Thüringen haben sich angesichts des russischen Angriffs auf ihr Heimatland fassungslos gezeigt. „Meine Familie ist heute um 6 Uhr morgens aufgewacht und hat Explosionen gehört“, sagte Ilona Mamiyeva vom Verein Ukrainischer Landsleute in Thüringen am Donnerstag. Ihr Familie wohne in der Stadt Charkiw nahe der russischen Grenze. „Heute früh wusste ich nicht, wohin mit mir. Ich habe geschrien und geweint.“ Von Verletzten habe sie aber bislang nichts gehört. Neben der Sorge um ihre Verwandten herrsche auch Wut und Frust darüber, dass es im 21. Jahrhundert dazu kommen könne, dass ein europäisches Land derart angegriffen wird.

Die Mitglieder des Vereins, der eigentlich die Kultur und Traditionen der Ukraine in Thüringen weitergeben wolle, hätten Verwandten in Kiew, Odessa oder Donezk. Nach der ersten Ohnmacht am Morgen hätten sie sich zusammengeschlossen, um eine Anlaufstelle für weitere Ukrainer zu bilden. Auch ein Spendenkonto und baldige Hilfslieferungen in die betroffenen Regionen seien geplant. Am Nachmittag gab es zudem eine Demonstration in Erfurt.

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Als Zeichen der Solidarität worden vor der Thüringer Staatskanzlei und dem Landtag in der Landeshauptstadt die ukrainischen Flaggen gehisst. „Krieg ist niemals die Lösung – unendliches Leid ist die Folge“, erklärte Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Keller am Donnerstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Sie forderte die Rückkehr an den Verhandlungstisch. „Was wir brauchen, ist Diplomatie. Keine Waffen“, wurde Keller bei Twitter zitiert.

Zahlreiche Mahnwachen in Thüringen

Der ukrainische Student Valerii Shkuropat hat am Donnerstagmittag bereits eine Mahnwache in Jena organisiert, wo er seit drei Jahren wohnt. „Unsere Verwandten sind noch vor Ort und es ist alles sehr schwierig jetzt für uns“, sagte er am Rande der Veranstaltung mit rund 50 Teilnehmern. Seine Verwandten und Bekannten seien glücklicherweise nicht verletzt. Er hoffe aber, dass er trotz möglicherweise eingeschränkten Internets weiter Kontakt mit ihnen halten könne. Dass Russland nun wirklich etliche Städte in seinem Heimatland angreife, sei auch für ihn überraschend gekommen. „Putin ist ein blutiger Aggressor.“

Auch für Mamiyeva kam der russische Angriff trotz wochenlanger Warnungen überraschend. „Ich dachte, dass er ein Fenster offen lassen könnte für die Diplomatie.“ Ihr Familie bleibe aber vorerst in ihrer Heimat. „Irgendeine Hoffnung ist noch da, dass die zivile Bevölkerung nicht angegriffen wird.“ Viele Menschen brächten aber bereits ihre Kinder in Sicherheit, auch wenn niemand genau wisse, wo es Schutz gebe.

Insgesamt Hunderte Menschen haben in Thüringen gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert. An acht Kundgebungen hätten am Donnerstagabend insgesamt 565 Menschen teilgenommen, sagte ein Sprecher des Lagezentrums Thüringen. Alle seien friedlich und störungsfrei verlaufen.

Die größte Demonstration gab es demnach in Weimar, wo auf dem Theaterplatz rund 300 Menschen zusammenkamen. Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow nahm an der Kundgebung teil. In Gera, Meiningen, Jena, Erfurt, Saalfeld und Waltershausen zeigten Menschen ebenfalls ihre Solidarität mit der Ukraine in dem Konflikt mit Russland.

Thüringen will Ukrainern schnell helfen

Das erklärte ein Sprecher von Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) am Donnerstag auf Anfrage, nachdem Russland am Donnerstagmorgen einen Krieg gegen die Ukraine gestartet hatte.

Der Freistaat gehe von einer steigenden Anzahl von Flüchtlingen aus der Ukraine aus, entsprechende Kapazitäten seien aber vorhanden. Die Hilfs-, Unterstützungs- und Aufnahmemaßnahmen würden aber größtenteils vom Bund organisiert, schränkte er ein.

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Vorher hatten bereits die Grünen im Landtag eine rasche Reaktion der Landesregierung gefordert. „Thüringen sollte umgehend die Bereitschaft erklären, Menschen aus der Ukraine einfach und unbürokratisch aufzunehmen und ihnen Sicherheit zu bieten“, sagte Fraktionsvorsitzende Astrid Rothe-Beinlich.

Menschen in der Ukraine, die von dem Kriegsangriff betroffen sind und um ihr Leben fürchten, bräuchten volle Unterstützung. Das gelte auch für diejenigen, „die sich der militärischen Eskalations-Spirale verweigern“. >> Krieg um die Ukraine – hier geht’s zum Live-Blog!

Thüringen: Linke wollen Flüchtlinge aufnehmen

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Steffen Dittes, sprach sich ebenfalls für eine Aufnahme von Flüchtlingen aus: „Aus der Bundesrepublik und der Europäischen Union muss auch das Signal gesendet werden, dass diejenigen Schutz und Aufnahme finden, die vor dem Krieg fliehen oder sich dem Krieg als Soldaten verweigern.“ (dpa/red)

Unterdessen hat sich die politische Stimmung in Thüringen verändert. Wer jetzt bei der Sonntagsfrage vorne liegt, liest du HIER!