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Gaspreise in Thüringen: Jetzt schlagen SIE Alarm! „Die Lage ist ernst“

Gaspreise in Thüringen: Jetzt schlagen SIE Alarm! „Die Lage ist ernst“

Russland: Unabhängige Zeitung "Nowaja Gaseta" erscheint vorerst nicht mehr

Die wichtigste unabhängige Zeitung in Russland, die "Nowaja Gaseta", setzt ihr Erscheinen vorerst aus. Diese Entscheidung gelte bis zum Ende der russischen Militäraktion in der Ukraine, teilte die Zeitung mit. Dmitri Mouratov

Erfurt/Bad Köstritz. 

Es ist ein Teufelskreis. Etliche Unternehmen aus Thüringen leiden derzeit unter den enormen Gaspreisen.

Der Energiebedarf in der Produktion ist aber weiterhin sehr hoch – und das schellt die Gaspreise in Thüringen noch weiter in die Höhe.

Gaspreise in Thüringen abhängig vom Ukraine-Krieg

Die Gaspreise sind von dem Verlauf des Ukraine-Krieges abhängig. Deswegen schlägt jetzt die Wirtschaft aus Thüringen Alarm. Sie befürchten einen Lieferstopp aus Russland.

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Das ist das Bundesland Thüringen:

  • der Freistaat Thüringen hat rund 2,1 Millionen Einwohner auf 16.000 Quadratkilometer Fläche
  • Landeshauptstadt und zugleich größte Stadt ist Erfurt
  • weist eine hohe Dichte an wichtigen Kulturstätten auf, darunter das „Klassische Weimar“ (Unesco-Weltkulturerbe), das Bauhaus in Weimar und die Wartburg bei Eisenach
  • Ministerpräsident ist Bodo Ramelow (Linke), regierende Parteien sind Linke, SPD, Grüne

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„Die Lage ist ernst und kann Unternehmen perspektivisch in Bedrängnis bringen“, sagte eine Sprecherin des Verbandes der Thüringer Wirtschaft. In Thüringen gebe es viel energieintensive Industrie in den Bereichen Metall, Elektro, Glas oder Chemie. Gegenwärtig seien die Lieferungen aber gesichert.

Gaspreise in Thüringen: Regierung ruft Frühwarnstufe aus

Allein in Ostthüringen zählt die dortige Industrie- und Handelskammer über 650 Betriebe in der Metall-, Chemie-, Glas-, oder Keramikindustrie, die besonders von einem Lieferstopp betroffen wären. „Wird der Gasnachschub unterbrochen, müsste die Produktion in vielen Betrieben zurückgefahren oder sogar gestoppt werden“, sagte die Leiterin des Geschäftsbereichs Wirtschaft und Technologie, Almut Weinert. Dass die Bundesregierung am Mittwoch die erste Frühwarnstufe im Notfallplan Gas ausgerufen habe, sei „verantwortungsvoll“.

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Die Bundesregierung bereitet sich vor dem Hintergrund des russischen Kriegs gegen die Ukraine auf eine angespannte Lage bei der Gasversorgung vor. Mit dem Ausrufen der Frühwarnstufe wird von nun an täglich ein Krisenstab die Gasversorgungslage beurteilen. Die Regierung betonte: Dies diene der Vorsorge, die Versorgungssicherheit sei weiter gewährleistet. Verbraucher und Unternehmen seien aber zum Einsparen von Gas aufgefordert.

Hohe Gaspreise belasten Unternehmen in Thüringen

„Einsparen geht bei uns nur, wenn wir einzelne Produktionslinien abstellen würden“, sagte dazu der Geschäftsführer des Chemiewerks Bad Köstritz, Lars Böttcher. Das würde dann aber definitiv zu Umsatzausfällen führen. In seinem Werk werde Erdgas für die Dampferzeugung und für Trocknungsprozesse bei bis zu 800 Grad Celsius benötigt. Rund 85 Gigawatt brauche das Werk im Jahr. Umstellen auf Strom sei zwar langfristig technisch machbar – aber angesichts hoher Strompreise auch nicht sinnvoll.

Es sei schon so viel Gas wie möglich eingespart worden, sagte er. Die Heizungen für die Gebäude seien im Winter etwa runtergefahren worden. Der Grund: Die steigenden Energiepreise der vergangenen Monate. Beziffern konnte er das an seiner Gasrechnung: Bei etwa gleicher Produktion habe das Werk 2020 rund 2,2 Millionen Euro für Erdgas gezahlt, 2021 lag der Betrag bei 4,5 Millionen – und allein im ersten Quartal 2022 rechnet er mit 4,5 Millionen Euro. Ein Teil davon könne weitergeben werden. Bestellungen mit längerem Vorlauf müssten nun aber zum vereinbarten Preis abgewickelt werden.

Gaspreise: Dunkle Zukunft für Unternehmen in Thüringen?

Auch IHK-Expertin Weinert geht davon aus, dass viele Unternehmen seit dem Anstieg der Energiepreise ihren Energieverbrauch möglichst weit gesenkt haben. Vielen blieben keine kurzfristigen Einsparmöglichkeiten – außer die eigene Wirtschaftstätigkeit einzuschränken oder einzustellen.

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Abschaltungen großer Anlagen seien sehr kostspielig und zeitintensiv. Auch nachgelagerte Branchen bekämen Probleme in der Produktion – „wenn zum Beispiel ein Unternehmen keinen Kunststoff produzieren kann, fehlen diese Vorprodukte auch in der Fertigung von Fahrzeugen, Lebensmittelverpackungen, Kosmetikartikeln oder von Medizinprodukten.“

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Der Energieexperte Karsten Kurth von der Industrie- und Handelskammer Erfurt nannte einen drohenden Gaslieferstopp „einen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen kann“. Unternehmen aus Thüringen empfehle er in der gegenwärtigen Situation noch Gelassenheit – allerdings müssten sie sich eine Strategie überlegen. „Ich gehe davon aus, dass ein Lieferstopp kommen wird“, sagte er. (dpa)