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Edeka in Thüringen: Markt-Chef ist „gegen Nazis“ – und kassiert dafür einen Shitstorm

Mit einem vermeintlich kontroversen Statement schlug ein Edeka-Chef in Thüringen einen Shitstorm vom Zaun. Was war da los?

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Ein Edeka-Chef in Thüringen hat mit einer vermeintlich kontroversen Aktion für einen Shitstorm gesorgt. (Symbolbild) Foto: IMAGO / mix1

Das Statement wirkt auf den ersten Blick nicht kontrovers: „Für Demokratie – Gegen Nazis“, so war es in der Woche vom 29. Januar bis zum 3. Februar auf den Prospekten der Filialen von „Edeka Simmel“ zu lesen. Supermarkt Chef Peter Simmel, der unter anderem auch einen Markt in Gera (Thüringen) betreibt, wollte damit offenbar ein Statement setzen. Die Botschaft kam aber bei nicht allen seiner Kunden gut an – im Gegenteil.

In sozialen Medien formte sich ein wahrer Shitstorm wegen der Prospekte. Etliche riefen zum Boykott der „Edeka Simmel“ Filialen in Sachsen und Thüringen auf. Was war da los?

Edeka in Thüringen: Prospekt-Aktion sorgt für Kontroverse

Man muss nicht lange suchen, um auf Facebook wütende Reaktionen zum vermeintlich kontroversen Prospekt zu finden. „Ich glaube, ich spinne“, kommentiert etwa ein Nutzer einen Screenshot des Blattes. „Wie kann man so eine Linksgrüne Marionette sein?“, fragt ein anderer. „Simmel für uns gestorben“, „Wer nicht unbedingt zu Simmel muss“, „Geht dort einfach nicht mehr einkaufen“, und, und, und…

„Gegen Nazis“ zu sein, das ist eigentlich demokratischer Konsens, oder? Zumindest würde man das denken. Umso verwunderlicher wirkt es auf den ersten Blick, dass sich davon offenbar viele Kunden in Thüringen und Sachsen angegriffen fühlen.

„Bitte um Verzeihung“

Das Statement fiel natürlich nicht im luftleeren Raum. Nach dem Bekanntwerden eines Geheimtreffens zwischen Rechtsextremen, AfD-Politikern und Mitgliedern der CDU-Werteunion in Potsdam, formierte sich bundesweiter Widerstand. In dem Treffen soll unter anderem über Pläne einer massenhaften Vertreibung von Migranten gesprochen worden sein. Etliche Menschen gingen anschließend auf die Straße, um ein Zeichen gegen Faschismus zu setzen. Es ist wahrscheinlich, dass das Statement auf den Edeka-Prospekten in diesem Kontext zu verstehen ist.

Von der Botschaft haben sich aber offenbar auch ganz andere Menschen angesprochen gefühlt, erklärt Markt-Chef Peter Simmel in einer Stellungnahme. „Durch den Austausch mit unseren Kunden habe ich gelernt, dass sich viel mehr Menschen mit dem Wort ‚Nazi‘ identifizieren, als ich dachte. Wahrscheinlich auch deswegen, weil diese Menschen in der Vergangenheit vorschnell in die Nazi-Schublade gesteckt wurden, anstatt sich mit ihren Sorgen auseinanderzusetzen.“

Und weiter: „Ich bitte um Verzeihung, wenn ich damit Menschen verletzt habe.“

Edeka-Chef mit weiterem Statement

Nach seinem Verständnis sind Nazis Rechtsradikale, „welche unsere Demokratie abschaffen wollen, die Hitlerzeit verherrlichen und ein solches menschenverachtendes System zurückwollen“. Auch wenn er selbst mit der derzeitigen Arbeit der Regierung nicht zufrieden sei, hält er es für wichtig, dass wir unser Land „auf keinen Fall von Menschen regieren lassen, welche unsere Demokratie abschaffen wollen“.

Die Stellungnahme erschien am Montag (29. Januar) und generierte innerhalb kürzester Zeit Hunderte Reaktionen. Viele stellten sich hinter den Markt-Chef, andere sahen die Aktion weiter kritisch. Zur eigentlichen Aussage steht Simmel nach wie vor, macht er in einem neuen Statement vom Samstag (3. Februar) deutlich. Er würde gleich klarstellen, was und wer damit gemeint ist.


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Gleichzeitig seien aber auch manche Reaktionen auf das Prospekt „alarmierend“. Gegen ihn und sein Team seien im Verlauf der Woche „Drohungen und Beleidigungen eingegangen“ – bei manchen ist der faschistische Unterton unverkennbar: „Wenn wir an der Macht sind, werden wir dich nicht vergessen“, soll etwa einer geschrieben haben. Auch antisemitische Kommentare wären dabei gewesen.