MDR weigert sich, DAS zu zeigen – und sorgt für Zoff

Der MDR will die Preisverleihung in Dresden nicht übertragen. (Symbolbild)
Der MDR will die Preisverleihung in Dresden nicht übertragen. (Symbolbild)
Foto: imago images/Picture Point

Dresden. Eklat um Preisverleihung und der MDR zieht die Reißleine.

Seit 2006 findet jährlich der Semperopernball in Dresden statt. Der Höhepunkt der Veranstaltung ist dabei die Verleihung des „St.-Georgs-Orden“. Die Medaille soll Persönlichkeiten ehren, die wertvolle Verdienste fürDeutschland, die neuen Bundesländer und Sachsen geleistet haben. Das Motiv des Heiligen Georg soll den Kampf für das Gute symbolisieren. Immer dabei: der MDR.

Doch am 7. Februar soll dieser Preis im Rahmen des 15. Semperopernballs ausgerechnet an den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi (65) verliehen werden. Eine Entscheidung, die für reichlich Empörung sorgte – und den MDR, der für die TV-Übertragung des Events zuständig ist, zu einer drastischen Entscheidung zwang.

MDR verweigert Übertragung des Semperopernballs

„Der MDR begleitet von Beginn an den Semperopernball“, erklärt MDR-Unterhaltungschef Peter Dreckmann. Dabei grenzt er jedoch deutlich ab, dass der Inhalt der Veranstaltung ganz allein in den Händen des „SemperObernball e.V.“ liegt – der MDR sei nur für die Ausstrahlung verantwortlich. „Wir entscheiden, welche des Programms wir übertragen und welche Teile nicht“, so Drekcmann. „Sicher ist, dass wir eine Ehrung von al-Sisi, sollte der Veranstalter entscheiden, diese im Rahmen des Semperopernballs zu thematisieren, nicht ausstrahlen werden.“

Auf Twitter erklärte der MDR seine Verweigerung der Ausstrahlung wie folgt: „Wir halten diese Ehrung für falsch und distanzieren uns ausdrücklich davon. Der MDR steht für freien und unabhängigen Journalismus, Meinungsfreiheit und Toleranz. Leider steht al-Sisi genau dafür nicht.“

Al-Sisi kam 2013 durch einen Militärputsch zur Macht und geht seitdem mit hart gegen Oppositionelle und Kritiker vor. Die Meinungsfreiheit in Ägypten ist stark eingeschränkt. Die „Egyptian Initiative für Personal Rights“ berichtete vor einem Jahr zudem von einer deutlich öfteren Verhängung der Todesstrafe – sowohl in politischen, als auch in regulären kriminellen Fällen.

Entscheidung erntet heftige Kritik

Auch Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers, die den Semperopernball moderieren soll, kritisiert die Entscheidung – und stellt sogar ihr Mitwirken an dem Event in Frage: „Mich irritiert diese Verleihung sehr und ich bin seitdem in Gesprächen über die Konsequenzen, die ich als Moderatorin des Balls ziehen möchte.“

Sogar die Semperoper selbst „missbilligt ausdrücklich“ die Ehrung al-Sisis, wie Intendant Peter Theiler mitteilte. Das Haus beziehe „als führende Kulturinstitution stets Stellung für Frieden, Toleranz und Menschenrechte.“

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Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dagegen respektiert die Ordensverleihung als Angelegenheit des Balles. „Al-Sisi ist kein Demokrat, es gibt Rechtsverstöße, aber dieser Mann leistet eine wichtige stabilisierende Arbeit in der Region“, so Regierungssprecher Ralph Schreiber.

Künstlerischer Leiter entschuldigt sich für al-Sisis Ehrung

Hans-Joachim Frey, Künstlerischer Leiter des Semperopernballs, hatte seine Entscheidung am Montag noch verteidigt. Afrika sei wichtig für Europa, Al-Sisi Präsident der afrikanischen Union und damit Ansprechpartner für ganz Afrika und die Kultur Brückenbauer.

Am Dienstagabend jedoch die Kehrtwende: „Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und davon distanzieren. Die Verleihung war ein Fehler.“ Bereits 2009 erntete Frey Kritik für die umstrittene Entscheidung, den St-Georgs-Orden an Russlands Präsident Wladimir Putin zu verleihen. (at, mit dpa)