„In aller Freundschaft“: Guido Broscheit wirbelte die Sachsenklinik auf – kehrt er bald zurück?

„In aller Freundschaft“: Tobias Rauch (Guido Broscheit) will Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt) einen Ring an den Finger stecken. Doch sie ahnt nichts Gutes.
„In aller Freundschaft“: Tobias Rauch (Guido Broscheit) will Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt) einen Ring an den Finger stecken. Doch sie ahnt nichts Gutes.
Foto: MDR/Saxonia Media/Rudolf Wernicke

Leipzig. Guido Broscheit hat einen bemerkenswerten Lebensweg hinter sich: Der heute 52-Jährige ist gelernter Anwalt, bis er Anfang der 2000er die Schauspielkunst für sich entdeckte.

Angefangen bei der Gerichtsshow „das Strafgericht“, hat der gebürtige Dürener von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bis hin zur „Lindenstraße“ in so ziemlich jeder größeren Fernsehsoap mitgespielt.

Zuletzt sorgte er für Aufregung bei „In aller Freundschaft“: In acht Folgen verdrehte er Sarah Marquart (Alexa Maria Surholt) den Kopf, bis sich die Figur des Tobias Rauch als fieser Stalker entpuppt. Für Guido Broscheit war es bereits der zweite Auftritt bei „In aller Freundschaft“.

Kehrt Tobias Rauch möglicherweise wieder zurück in die Sachsenklinik? Und wie geht es am „IaF“-Set in Zeiten von Corona zu? Darüber hat Thüringen24 ausführlich mit Guido Broscheit gesprochen.

Guido Broscheit bald nochmal „In aller Freundschaft“ zu sehen?

Wie war es für Sie, solch einen unrühmlichen Abgang bei „In aller Freundschaft“ hinzulegen?

Folgerichtig und konsequent! Meine Rolle ist letztlich immer weiter eskaliert. Tobias ist verliebt, am Anfang schien es, als dass Sarah die Liebe erwidert. Doch dann hat er sich mehr und mehr unangemessen und zunehmend übergriffig verhalten. In seiner allerletzten Szene, in der er zum zweiten Mal abgeführt wird, hat er erstmalig so etwas wie Reue oder Einsicht gezeigt. In der Therapie ist er sehr froh darüber, dass er sich seinem Krankheitsbild, dem Stalking, stellt und sich helfen lässt.

Gegen Ende der Geschichte eskalierte es beinahe bis hin zur körperlichen Gewalt. Aber das ging auf Grund von Corona und der einzuhaltenden Sicherheitsabstände von mindestens 1,5 Metern nicht. Wir mussten stets den vorgegebenen Abstand halten. Das fühlte sich zunächst teilweise absurd oder falsch an (lacht). In den ursprünglichen Drehbuchfassungen – die erstmals vor Corona geschrieben wurden – waren durchaus Szenen mit bedrohlicher körperlicher Nähe vorgesehen.

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Hat die Figur Tobias Rauch eine Comeback-Chance?

Klar, die Tür für ein Comeback ist durch das Ende mit seiner Therapiebereitschaft offen. Bei der ersten Einlieferung in die Sachsenklinik fühlten sich ja beide zueinander hingezogen. Tobias Rauch ist aber erstmal weg, er muss ja geheilt werden. Die Storyline mit Sarah und Tobias kam gut an, auch weil diese Psychothriller-Elemente in der Sachsenklinik mal etwas anderes waren.

Je entsetzter etwa die Social Media-Kommentare wie „gruselig“, 'Nervenkitzel pur', 'Typ Tobias sehr unheimlich', 'wenn ich ihn sehe bekomme ich schon Gänsehaut', 'was ein kranker Typ‘, gegen Ende waren, desto gelungener kann man die Story um Sarah und Tobias bewerten. Natürlich muss geschaut werden, inwieweit die Figur in die zukünftigen IaF-Handlungsstränge wieder hineinpasst und ob ich selbst dann auch Zeit habe. Und Sarah Marquardt müsste nach ihrer schlechten Erfahrung es wirklich nochmal mit dem Typen riskieren wollen.

Hatten Sie schon einen Stalker oder eine Stalkerin?

Ja, zweimal…das war schon unangenehm, weil man ja nie weiß, egal ob Mann oder Frau, wie weit die Person geht. Durch diese nagende Ungewissheit entstand ja auch bei Sarah beziehungsweise dem IaF-Zuschauer 'der Grusel‘ um die Figur Tobias Rauch.

Um derartigen Begegnungen aus dem Weg zu gehen, distanziere ich mich immer sofort von Menschen, bei denen ich merke, dass mir ihre Energie nicht geheuer ist.

Nicht zum ersten Mal der Bösewicht in einer Serie

Zurück zu Ihrer Rolle: Sie spielen nicht das erste Mal einen „Bad Guy“ in einer Serie. Wie ist es, die Rolle des Bösewichts einzunehmen?

Häufig ist es für mich das spannendere und komplexere Rollenprofil. In diesem Fall ist der Zuschauer sogar Zeuge einer kompletten Wandlung. Tobias war ja zu Beginn überhaupt nicht der Bad Guy, der Stalker… im Gegenteil. In acht Folgen entwickelt er sich vom Unfallopfer zu diesem unangenehmen Typen.

Das ist auch für mich als Schauspieler besonders spannend und herausfordernd. Am Ende ging sein Verhalten dann in den strafrechtlich relevanten Bereich (zum Beispiel Hausfriedensbruch, Nötigung). Als Schauspieler geht es gerade bei solchen Charakteren immer darum, dass man selbst die Rolle nicht bewertet und dass man unvoreingenommen bleibt. Denn für ‚Tobias' war sein gesamtes Verhalten nie krankhaft oder falsch, sondern immer gerechtfertigt und 'gut gemeint‘.

Wie war es am „In aller Freundschaft“-Set?

Großartig! Alle vom Team über den Cast waren sehr offen, freundlich und professionell. Ich fühlte mich von Beginn an sehr wohl und gut aufgenommen. Gespielt habe ich hauptsächlich mit Alexa Maria Surholt, Bernhard Bettermann und Udo Schenk. Alle drei sind ganz wunderbare Kollegen, es hat einfach großen Spaß gemacht.

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Mehr zum Auftritt von Tobias Rauch bei „In aller Freundschaft“:

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„Die Macher der Serie haben das nahezu optimal gelöst“

Sie haben bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Sturm der Liebe“, die „Rosenheim-Cops“, oder „Rote Rosen“ mitgespielt. Wie erklären Sie sich den langfristigen Erfolg dieser Serien?

Die Zuschauer können sich mit den Protagonisten identifizieren. Die Drehbücher sind dabei entscheidend. Dem Zuschauer muss eine Figur nahegebracht werden. Deshalb sollten Schlüsselfiguren möglichst lange dabei bleiben. Der Zuschauer geht mit dieser Figur, dem Menschen, mit…wie im echten Leben.

Es gibt bei all diesen Erfolgsformaten überall Anknüpfungspunkte ins reale Leben. Wenn der Zuschauer sich in einer Rolle, einem Thema oder anderen Elementen wiederfindet und die Serie gut gemacht ist, dann wird er emotional berührt. Er wird quasi abgeholt, mitgenommen und bleibt dann eben oft als Zuschauer, Fan dabei.

Die richtige Komposition macht es am Ende aus: Themen, die jeden angehen, schöne Schauplätze und authentisches Spiel und Bindung an die Figuren.

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Ein Blick hinter die Kulissen: Was ist besonders bei „In aller Freundschaft“?

Alle Abläufe sind sehr eingespielt und dadurch gibt es selten Zeitdruck. Alle sind zumeist entspannt aber gleichzeitig konzentriert und ambitioniert. Das ist wichtig! Zudem wird in allen Departments sehr professionell gearbeitet. Das klingt etwas abgedroschen, trifft’s hier aber einfach auf den Punkt.

Meines Wissens war „In aller Freundschaft“ eines der ersten Formate, das die Dreharbeiten nach Corona im Mai 2020 wieder aufgenommen hat. Obwohl Corona die Dreharbeiten sehr eingeschränkt hat, haben die Macher der Serie das nahezu optimal gelöst.