Bibel und Brennpunkte: Christliches Jahrestreffen in Bad Blankenburg

"Orientierung in einer orientierungslosen Zeit": Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz.
"Orientierung in einer orientierungslosen Zeit": Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz.
Foto: Deutsche Evangelische Allianz

„Freispruch für alle“: Unter diesem Motto treffen sich etwa 2500 Christen bei der 121. Allianzkonferenz in Bad Blankenburg. Gastgeber ist vom 27. bis 31. Juli die Deutsche Evangelische Allianz.

Bei der Konferenz geht es um wichtige Erkenntnisse Martin Luthers, die er im Erfurter Augustinerkloster hatte – und die schließlich zur Reformation führten.

Unter den Rednern ist auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder und Denise Uwimana Reinhardt, die darüber spricht, wie sie den Völkermord in Ruanda überlebt hat.

Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz und Leiter der Konferenz, erklärt im Interview, was das Treffen ausmacht.

Seit 130 Jahren findet die Allianzkonferenz in Bad Blankenburg statt. Was ist das Besondere an dieser Veranstaltung, dass über so lange Zeit so viele Besucher in die Stadt kommen?
Bei jeder Konferenz steht ein Bibeltext im Mittelpunkt, daneben gibt es verschiedene Seminare zu geistlichen und aktuellen gesellschaftlichen Themen, Konzerte, Theateraufführungen. Diese Mischung aus Zurüstung und Unterhaltung, aber auch die Gemeinschaft mit Christen von verschiedenen evangelischen Gemeinden macht die Konferenz aus. Damit verbunden ist die Sehnsucht nach einer Orientierung in einer orientierungslosen Zeit, die Suche nach einem Fundament fürs Leben und Sterben. Wir glauben, dass uns die Bibel genau dieses liefern kann. Zur ersten Konferenz kamen übrigens nur 28 Teilnehmer. Aber es gab ein erstaunliches Wachstum, sodass in den ersten 20 Jahren wegen des immer stärker werdenden Ansturms dreimal eine neue Konferenzhalle gebaut wurde.

Die Evangelische Allianz ist eine weltweite Bewegung. Aus welchen Ländern kommen die Gäste und Referenten der diesjährigen Konferenz?
Wir sind selbst gespannt, aber Gäste aus Russland, Ukraine, Schweiz, Luxemburg, Kanada und Iran sind auf jeden Fall dabei. Und unter den Referenten sind ein Libanese, eine Koreanerin und ein Syrer. In den Tagen vor der Konferenz findet auch wieder traditionell das internationale Jugendcamp statt, zu dem vor allem junge Leute aus Osteuropa kommen.

Das Thema in diesem Jahr ist „Freispruch für alle“. Was ist damit gemeint?
Wir starten mit der Konferenz in das Jahr des Reformationsgedenkens. Martin Luther hat sich ja mit der elementaren Lebensfrage befasst: „Wie werde ich vor Gott gerecht?“ Über dem Studium des Römerbriefes ist ihm aufgegangen: Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist für unsere Schuld gestorben. Weil er sie getragen hat, ist Gott mir gnädig und vergibt mir meine Fehler. Er spricht mich also frei. „Freispruch für alle“ ist die Einladung zum Leben im Vertrauen auf Gott.

Steeb: "Eine Kultur der Dankbarkeit"

Gibt es auch Angebote, an denen Bad Blankenburger und andere Besucher teilnehmen können, ohne bei der Konferenz dabei zu sein?
Bad Blankenburger sagen: „Jetzt ist wieder Allianz.“ Das bringt zum Ausdruck, dass die Konferenz in diesen Tagen das Stadtbild prägt. Selbstverständlich sind die Bad Blankenburger eingeladen, in die Konferenz- und Stadthalle, zu den Seminaren und Brennpunkten an vielen Veranstaltungsorten, zur Allianz-Messe in die Stadthalle, zu den Sportangeboten auf den Marktplatz oder zum Paulus-Oratorium am Samstag um 15 Uhr in die Stadthalle.

Am Samstag gibt es ist eine Aktion auf dem Marktplatz in Bad Blankenburg. Was ist da geplant?
Wir sind Teil eines „Jahres der Dankbarkeit“, das viele christliche Organisationen für dieses Jahr ausgerufen haben. Wir werben für eine neue Kultur der Dankbarkeit. Lassen Sie sich überraschen. Auch zu diesem Fest am Samstag, 16.30 Uhr, auf dem Marktplatz sind die Bad Blankenburger eingeladen.

Weitere Infos: www.allianzhaus.de/konferenz/konferenz-2016

Hintergrund: Allianzkonferenz

  • Etwa 2500 Teilnehmer werden zur Konferenz in der Friedrich-Fröbel-Stadt Bad Blankenburg erwartet. Etwa 100 ehrenamtliche Mitarbeiter stellen den Ablauf sicher.
  • Die Evangelische Allianz ist ein Netzwerk verschiedener evangelisch gesinnter Organisationen und Gemeinden. Gegründet wurde sie 1846 in London als interkonfessionelle Einigungsbewegung. In Deutschland gibt es rund 1000 örtliche Allianzen. Vorsitzender ist Michael Diener. Die erste Allianzkonferenz in Bad Blankenburg fand 1886 statt.
  • Mehrere Angebote bei der aktuellen Konferenz beschäftigen sich mit Fragen zu Flüchtlingen, dem Islam sowie zur derzeitigen Situation im Nahen Osten. Auch moderne Sklaverei und Menschenhandel werden thematisiert und Möglichkeiten des politischen Engagements diskutiert – neben verschiedenen Seminaren, die sich mit Fragen des persönlichen Glaubens und der Bibel befassen.
  • Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und mehrmaliger Gast bei der Allianzkonferenz, wird am Sonntag, 31. Juli, über „Religionsfreiheit in unserem eigenen Land“ sprechen.
  • Der gebürtige Libanese und Pfarrer der arabischsprachigen Gemeinde in Stuttgart – Hanna Josua – hält auch ein Seminar, die koreanische Theologin Mihamm Kim-Rauchholz hält eine Bibelarbeit und Denise Uwimana Reinhardt berichtet davon, wie sie den Völkermord in Ruanda überlebt hat. Außerdem wird die ukrainische Musikgruppe „Zhiwaja Kaplaja“ (Lebendige Tropfen) ein Konzert geben.