Thüringer Staatskanzlei erhält Drohbrief gegen Muslime und Juden

Mit Mord und Vernichtung aller Muslime und Juden droht der Schreiber eines Briefes an den Chef der Thüringer Staatskanzlei, Benjamin Immanuel Hoff. "Alternativlos ist nur die baldige Wiedereröffnung der Konzentrationslager", heißt es darin. Die Konzentrationslager seien noch in gutem Zustand und könnten sofort reaktiviert werden, heißt es in dem wirren Schreiben weiter. Eingetroffen ist der Brief laut Eingangsstempel der Staatskanzlei am Dienstag, 26. Juli. Noch am gleichen Tag veröffentlichte Staatskanzleichef Hoff den Brief über seinen Twitter-Account mit den Worten: "Ein Brief an die Staatskanzlei mit konkreten Mordphantasien gegenüber jüdischen Thüringern."

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Drohbrief an Thüringer Staatskanzlei gegen Reinhard Schramm und Stephan Kramer

Explizit richtet sich der Brief gegen Reinhard Schramm, den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, sowie Stephan Kramer, den Chef des Thüringer Verfassungsschutzes und ehemaligen Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland. Erst kürzlich berichtete Thüringen24 über eine Zunahme an Bedrohungen gegenüber Thüringer Politikern.

Der Verfasser des Briefes schreibt außerdem: "Polen und Tschechien werden für eine geringe Aufwandsentschädigung ihre KZ wieder anheizen. Wir haben 6 Millionen Juden in Europa vergast, da sollte es uns nicht schwer fallen, 3 Millionen Muslime und die Restjuden um Reinhard Schramm und Stephan Kramer zu eliminieren." Der Brief schließt mit den Worten "Deutschland erwache!!!", einem Zitat, das auch schon öfter bei Neonazi-Demonstrationen und Pegida-Veranstaltungen zu hören war. Der Ausruf zierte früher die Standarten der SA und stammt aus dem Lied „Sturm, Sturm, Sturm“ von Dietrich Eckart, einem Ideengeber für Hitler.

Wer der Absender des Briefes ist, ist auf dem Bild, das Hoff von dem Brief gemacht hat, nicht zu erkennen. Lediglich die Postleitzahl und Weimar sind zu lesen.

Update: Laut einem weiteren Tweet von Benjamin Immanuel Hoff wurde sofort ein Strafantrag gestellt. "Mich erschüttern die Mordaufrufe sowohl gegen Muslime als auch Juden", schreibt der Chef der Staatskanzlei in einer kurzen Stellungnahme auf dem Kurznachrichtenportal Twitter weiter. Das Landeskriminalamt sei eingeschaltet, sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei auf Anfrage von Thüringen24.