Tallais letzte Jakobsweg-Etappe: Notaufnahme und Taxi statt Triumphzug

Die letzte Etappe nach Santiago de Compostela legte ich mit dem Taxi zurück.
Die letzte Etappe nach Santiago de Compostela legte ich mit dem Taxi zurück.
Foto: Michael Tallai

Michael Tallai, Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen, zu der auch Thüringen24 gehört, hat seiner Frau zum Geburtstag eine Wanderung auf dem Jakobsweg in Spanien geschenkt. Das Problem ist, er mag Wandern gar nicht. Dies ist das Protokoll der letzten Etappe eines Leidensweges.

Ich habe schlechte Nachrichten: Ich bin nicht im Triumphzug in Santiago de Compostela eingezogen. Es gab keine jubelnden Menschenmengen und keine jungen Frauen, die Heldenlieder gesungen haben. Es gab auch keinen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und keine Ansprache. Ich habe nämlich die letzte Etappe gar nicht zu Fuß bewältigt. Ich musste Taxi fahren. Das Wandern wurde mir ärztlich verboten.

Es fing damit an, dass ich morgens nach dem Aufwachen festgestellt habe, dass sich am Fuß eine etwa Medizinball-große Blase gebildet hatte. Ich hätte die damit verbundenen Schmerzen - wie es meine neue heroische Art ist - natürlich ignoriert. Nur leider bin ich gar nicht in die Schuhe gekommen. Die Hotelbetreiber organisierten den Transport in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses.

Bakterielle Entzündung am Fuß

Ich kann über das spanische Gesundheitssystem nichts Negatives sagen. Ich wurde freundlich und ein wenig mitleidig empfangen. Eine Ärztin kümmert sich um mich, entfernte alle Pflaster, begutachtete die Schäden, schüttelte den Kopf und sagte ständig nur "Oh oh".

Die weitere Kommunikation mit ihr erfolgte mittels Google-Übersetzer. Mit zunächst skurrilen Ergebnissen. Beim ersten Mal kam heraus, ich habe Quitten an den Füßen. Ich muss wohl etwas verwirrt geschaut haben. Sie korrigierte ihre Eingabe und fest stand, dass sich eine Blase am linken Fuß inzwischen bis aufs Fleisch durchgefressen hatte. Am rechten Fuß sei eine andere bakteriell entzündet und müsse mit einem Antibiotikum behandelt werden. Wandern könne ich vergessen. Wie ich diese Schmerzen aushalten konnte, wollte sie wissen (!!).

Ich bin vermutlich der einzige Jakobsweg-Wanderer, der ausgerechnet die allerletzte Etappe nicht mehr selbst bewältigen konnte. Man quält sich tagelang und dann das. Meine Frau beschloss, die verbleibenden Kilometer von Arca de Pino nach Santiago alleine zu laufen. Ich habe das Gepäck mit dem Taxi zum Hotel befördert.

Rolltreppen und Aufzüge: meine besten Freunde

Nun könnte man das Ganze als persönliche Niederlage ansehen. Einerseits. Andererseits: Wer diese unmenschlichen Schmerzen aushält, ohne mit der Wimper zu zucken, wer quasi ohne Haut auf dem blanken Knochen Dutzende Kilometer hinter sich bringt, mehr oder weniger eine Blutspur hinter sich lässt und wer erst aufgibt, als buchstäblich der Arzt kommt, muss der sich schämen? Mein Name ist ab sofort Tallai, James Tallai.

Falls man von mir nun erwartet, dass ich zum Schluss ein versöhnliches Ende beschreibe und meine Läuterung zum Wander-Freund bekannt gebe, dann muss ich diese Hoffnung leider enttäuschen. Ich mag Wandern immer noch nicht. Und ich denke, für dieses Jahr bin ich genug zu Fuß gegangen. Ab sofort sind Rolltreppen und Aufzüge meine besten Freunde. Und zum Bäcker fahre ich nur noch mit dem Auto.

Erster Tag: Anti-Pilgern auf dem Jakobsweg: Ich hasse Wandern!

Zweiter Tag: Liebes Tagebuch, auf dem Jakobsweg überholte mich heute ein Rentner mit Asthma

Dritter Tag: Warum ich!? Michael Tallai leidet auf dem Jakobsweg

Vierter Tag: Tallai im App-Stress: Der Jakobsweg ist wie eine Pokémon-Jagd

Fünfter Tag: Tallais letzte Jakobsweg-Etappe: Notaufnahme und Taxi statt Triumphzug